Gentle Mates hatte nach dem großen Kaderumbruch 2025 kaum noch jemand als Titelkandidat auf dem Zettel. Doch 2026 hat das französische Rocket-League-Projekt die Erzählung komplett gedreht: Erst der Sieg bei den EU Open 3, dann der ganz große Coup auf der internationalen LAN-Bühne beim RLCS 2026 Boston Major. Und damit steht fest: Dieses Team reist nicht als „Nice Story“ Richtung Frühjahr – sondern als echte Gefahr für alle, die beim Paris Major (20.-24. Mai) den Pokal anpeilen.
Ein Lineup, das auf Vertrautheit statt Versuchslabor setzt
Das aktuelle Trio wirkt wie eine bewusste Gegenbewegung zu kurzfristigen Superteam-Experimenten. Gentle Mates hat sich für etwas entschieden, das im modernen RLCS-Kosmos fast schon konservativ klingt: eingespielte Verbindungen, klare Rollen, wiederholbare Abläufe.
Oskar „Oski“ Gozdowski
Nassim „nass“ Bali
Archie „archie“ Pickthall
Oski und nass kommen mit gemeinsamer Vorgeschichte und LAN-Erfahrung, Archie ergänzt das Paket als vertrauter Baustein aus früheren Team-Konstellationen. Der entscheidende Punkt: Hier musste nicht erst „Chemie“ hergestellt werden – sie war in Teilen schon da.
Snaski-Faktor: Fundament statt Feuerwerk
Unter Coach Nicolai „Snaski“ Andersen wurde das Projekt weniger glamourös, aber deutlich gefährlicher: Fokus auf Grundlagen, saubere Abstimmung, stabile Entscheidungsfindung unter Stress. Genau das ist auf Majors oft der Unterschied zwischen „hot streak“ und Titelrun.
Boston war dafür der perfekte Härtetest – weil Gentle Mates nicht durch ein einfaches Bracket marschiert ist, sondern mehrfach in den absoluten Grenzbereich musste.
Boston Major: Drei Serien, die das Nervenkostüm definierten
Gentle Mates hat sich im Knockout-Teil durch enge Duelle gekämpft – und dabei genau jene Stabilität gezeigt, die man von echten LAN-Contendern erwartet.
Viertelfinale: 4:3 gegen NRG
Halbfinale: 4:3 gegen Team Falcons
Grand Final: Sieg gegen Team Vitality
Dass gleich zwei Serien über die volle Distanz gingen, ist kein Makel – im Gegenteil. Wer auf Major-Bühne zwei Game-7s überlebt, nimmt nicht nur Momentum mit, sondern auch die Überzeugung, dass selbst schlechte Phasen „spielbar“ bleiben.
nass schreibt LAN-Geschichte – und liefert das Signature-Moment
Das Finale bekam zusätzlich ein historisches Narrativ: nass stellte mit 12 Toren einen neuen LAN-Rekord für Treffer in einem Major-Grand-Final auf. Besonders bitter für Vitality: Entscheidend waren ausgerechnet späte Treffer, die das Match in Richtung Gentle Mates kippen ließen – genau die Momente, in denen viele Teams anfangen zu wackeln.
Für Gentle Mates ist das mehr als ein Statistik-Badge. Es ist ein Signal: Dieses Team hat nicht nur Struktur, sondern auch einen Spieler, der im größten Spotlight der Saison „take over“ kann.
Was der Major-Sieg für Paris bedeutet
Mit dem Boston-Titel und den damit verbundenen Punkten steht Gentle Mates im europäischen Ranking sehr weit oben – und damit in einer Position, die vor wenigen Monaten noch unrealistisch wirkte. Der Paris Major in Frankreich wird damit nicht nur ein Heimspiel auf dem Papier, sondern ein Turnier, in dem Gentle Mates plötzlich den Anspruch formulieren kann: „Wir sind nicht nur dabei – wir wollen wieder ins Finale.“
Blick nach vorn: Nächste Bewährungsprobe steht schon im März an
Bevor Paris überhaupt beginnt, rollt der RLCS-Kalender weiter. In Europa wartet das nächste Open-Turnierfenster im März – und genau dort wird sich zeigen, ob Gentle Mates den Major-Sieg in Konstanz ummünzen kann oder ob die Konkurrenz schnell Antworten findet.


