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GameSir wehrt sich gegen Cheat-Vorwürfe aus der Call of Duty League

Jonas Teichmann
Jonas Teichmann Chefredakteur & Esports-Experte

Unter Profispielern der Call of Duty League wird derzeit diskutiert, Controller des Herstellers GameSir aus dem Wettbewerb auszuschließen. Der Verdacht: Die Geräte könnten einen unfairen Vorteil verschaffen. Der Hersteller hat den Vorwurf zurückgewiesen und inzwischen eine eigene Turnier-Firmware nachgeschoben, die die strittigen Funktionen vollständig abschaltet.

Belegt ist bislang nichts. Weder gibt es einen Nachweis dafür, dass die Controller verbotene Funktionen enthalten, noch ein offizielles Verbot der Liga.

Worum es bei den Vorwürfen geht

GameSir hat sich im kompetitiven Call of Duty in kurzer Zeit einen Namen gemacht, vor allem mit hohen Abfrageraten, frei belegbaren Tasten und weiteren leistungsorientierten Merkmalen.

Der Streit dreht sich um zwei Funktionen, die einzelne Modelle mitbringen: Turbo-Modi und programmierbare Makros. Beide können Eingaben automatisieren, was in einem Wettbewerb, der ausschließlich mit Controllern gespielt wird, entsprechend heikel ist.

Wichtig für die Einordnung: Solche Funktionen sind bei Drittanbieter-Controllern verbreitet und für sich genommen keine Cheat-Software. Sie werden im Wettbewerb üblicherweise über das Regelwerk untersagt, nicht über ein Verbot bestimmter Marken.

Was ein Gentlemen’s Agreement in der CDL ist

Der diskutierte Ausschluss würde über ein sogenanntes Gentlemen’s Agreement laufen, kurz GA. Deutsche Leser sollten wissen, was das ist, weil es die Sache erklärt.

  • Kein offizielles Regelwerk: Ein GA ist eine informelle Absprache zwischen den teilnehmenden Spielern, nicht der Liga
  • Nicht durchsetzbar: Verstöße ziehen keine formalen Strafen nach sich, sondern werden über sozialen Druck geregelt
  • Historisch üblich: Vor der Saison 2023 einigten sich die Profis darauf, Scharfschützengewehre und Rauchgranaten aus dem Wettbewerb zu nehmen, was damals unter anderem 100-Thieves-Mitgründer Nadeshot öffentlich kritisierte

Ein GA gegen eine Hardware-Marke wäre allerdings etwas anderes als der Verzicht auf eine Waffe im Spiel. Es träfe ein Unternehmen, nicht eine Spielmechanik.

Die Antwort von GameSir

Der Hersteller reagierte am 10. September mit einer Stellungnahme auf X. Man habe erfahren, dass mehrere CDL-Profis ein GA gegen die eigenen Controller erwägen und dahinter eingebaute Cheats vermuten.

GameSir stellte klar, dass es sich um vollkommen reguläre Hardware handle. Man unterstütze und liefere weder Cheats noch unerlaubte Modifikationen, ausdrücklich auch keine Rückstoßunterdrückung und keine Zielhilfe. Kontrollen durch Veranstalter seien willkommen.

Zusätzlich bot das Unternehmen interessierten Profis Testgeräte samt vollständiger technischer Offenlegung an, konkret die Modelle Tarantula Pro 8K PC mit symmetrischem Layout und G7 Pro 8K PC im asymmetrischen Xbox-Zuschnitt.

Die Turnier-Firmware ist die eigentliche Nachricht

Wichtiger als das Dementi ist, was danach kam. GameSir verweist inzwischen auf eine eigene Turnier-Firmware für genau diese beiden Modelle, die Makro- und Turbofunktionen vollständig deaktiviert.

Nach Angaben des Unternehmens bringt das die Controller in Übereinstimmung mit den Hardware-Regeln großer Veranstalter einschließlich der CDL, ohne die grundlegenden Leistungsmerkmale zu verändern. Die Firmware steht über die offiziellen Support-Seiten bereit.

Damit ist der technische Streitpunkt zumindest formal ausgeräumt. Ob die Profis das akzeptieren, ist eine andere Frage.

Neu ist dieses Vorgehen für GameSir nicht. Im Januar 2026 lieferte das Unternehmen rund 80 Exemplare des G7 Pro an Spieler der Apex-Legends-Serie ALGS, die von einem kurzfristigen Controller-Verbot betroffen waren, und warb dabei mit Xbox-Lizenzierung und Regelkonformität.

Ein Hintergrund, der mitschwingt

In der Berichterstattung wird ein möglicher wirtschaftlicher Aspekt angesprochen, der zur Fairness dazugehört, aber ausdrücklich Spekulation bleibt.

Ein Großteil der CDL-Teams wird von Scuf oder Battle Beaver ausgestattet oder gesponsert. GameSir gilt als deutlich günstigere Alternative, was den Herstellern im Markt nicht gleichgültig sein dürfte. Belege für einen Zusammenhang zwischen Sponsoring und der Debatte gibt es nicht, und keiner der Beteiligten hat sich in diese Richtung geäußert.

Umgekehrt gilt: Dass Profis bei Hardware mit Automatisierungsfunktionen misstrauisch werden, ist in einem Wettbewerb mit erheblichen Preisgeldern nachvollziehbar und für sich genommen kein Vorwurf.

Was offen bleibt

Drei Dinge sind derzeit ungeklärt. Erstens, ob das GA überhaupt zustande kommt. Zweitens, ob die Liga selbst eingreift, denn ein offizielles Verbot existiert nicht und Berichte über einen bereits erfolgten CDL-Bann gehen über die Faktenlage hinaus. Drittens, ob eine Firmware-Lösung ausreicht, wenn das Misstrauen dem Hersteller gilt und nicht der einzelnen Funktion.

Genau daran hängt der Fall. Eine Absprache, die eine Marke ausschließt statt eine Funktion, wäre in einem Wettbewerb, in dem Controller das einzige zugelassene Eingabegerät sind, ein bemerkenswerter Präzedenzfall.

Quellen:

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Jonas Teichmann

Über den Autor

Jonas Teichmann

Jonas Teichmann ist Texter und E-Sport-Redakteur bei Fragster.de. In seinen Artikeln verbindet er aktuelle News mit klarer Einordnung und einem Blick für die Details, die in der Szene wirklich zählen. Ob CS2, League of Legends oder die großen internationalen Turniere: Jonas bereitet Themen so auf, dass sowohl eingefleischte Fans als auch Neueinsteiger schnell den Überblick bekommen. Sein Fokus liegt auf verständlicher Sprache, sauberer Struktur und dem Anspruch, Entwicklungen nicht nur zu melden, sondern auch nachvollziehbar zu erklären. Dabei greift er Trends, Meta-Änderungen und Teamdynamiken genauso auf wie relevante Hintergrundgeschichten.

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