Vier Tage Wettbewerb, 32 Trios, eine Million US-Dollar Preisgeld und ein Finale, das über elf Karten ging: Die Call of Duty: Warzone Resurgence Series Championship beim Esports World Cup 2026 in Paris endete mit einem Ergebnis, das vor einem Jahr niemand für möglich gehalten hätte. G2 Esports holt den Titel und 250.000 Dollar — mit exakt derselben Aufstellung, die beim EWC 2025 auf Platz 17 landete und das Finale komplett verpasste.
Anthony „Anziety“ Moran, Ashton „Bigman“ Ezard und Aarondeep „Cythe“ Dhami spielen seit vier Jahren zusammen. Unter G2 stehen sie seit Februar 2026.
Das Finale ging bis zur letzten Karte
Fünf Teams gingen mit Matchpoint in die elfte und letzte Karte. Wer in dieser Konstellation einen Fehler macht, verliert alles — und genau deshalb war das Finale bis in die Schlusssekunden offen.
G2 ließ am Ende keinen Zweifel und beendete das Turnier mit 210,4 Punkten. Zweiter wurde T1 mit 183,8 Punkten, dahinter JD Gaming mit 181,4. Der Abstand an der Spitze betrug damit rund 27 Punkte.
Bemerkenswert ist die Konstanz über die gesamte Distanz. Über elf Karten hinweg landete G2 nur zweimal außerhalb der Top fünf und führte das gesamte Feld mit 150 Kills an. In der Gruppenphase hatte das Trio zuvor 235,2 Punkte geholt und Gruppe B knapp hinter JD Gaming abgeschlossen, die auf 240 kamen.
Anziety wurde als Sony MVP des Turniers ausgezeichnet und erhält dafür einen Bonus von 25.000 Dollar zusätzlich zum Preisgeldanteil. Seine Reaktion direkt nach dem Sieg fiel entsprechend knapp aus — er habe schlicht keine Worte.
Der eigentliche Punkt ist der ausgebliebene Roster-Wechsel
Die Warzone-Szene ist berüchtigt dafür, wie schnell dort Aufstellungen auseinanderfallen. Ein schwaches Wochenende reicht regelmäßig, um ein Trio zu zerlegen. Genau darin liegt der Grund, warum diese Geschichte über die übliche Turnierberichterstattung hinausgeht.
Nach dem 17. Platz beim EWC 2025 gab es reichlich Kritik, und das Trio blieb trotzdem zusammen. Auch nach der Verpflichtung durch G2 im Februar lief das Jahr nach Einschätzung mehrerer Beobachter solide, aber unbeständig — als Favorit ging die Mannschaft in Paris nicht an den Start.
Cythe formulierte es nach dem Sieg sinngemäß so: Vier Jahre mit demselben Team, im Vorjahr fast Letzter, und nun der Beweis für alle Zweifler. Wer einen hasse, sagte er, zeige damit nur, dass man etwas richtig mache. Bigman ergänzte, es sei die Geschichte gewesen, die so kommen musste — vom Tiefpunkt zum Titel. Angekommen sei das bei ihm noch nicht, das Finale habe sich für ihn wie ein Trainingsspiel angefühlt.
Diese letzte Bemerkung ist die aufschlussreichste des ganzen Abends. Ein Trio, das seit vier Jahren dieselben Rotationen und dieselbe Kommunikation fährt, spielt ein Finale mit fünf Matchpoints tatsächlich anders als eine Mannschaft, die seit drei Monaten zusammensitzt.
Was der Sieg für G2 bedeutet
Neben Preisgeld und Trophäe gehen 1.000 Punkte in die Wertung der EWC Club Championship. Für G2, das in dieser Wertung um die vorderen Plätze mitspielt, ist das ein spürbarer Schub in einer Phase, in der noch mehrere Titel vergeben werden.
Auf der Gegenseite steht Team Falcons. Der Favorit vor dem Turnier hatte die Survival-Stufe am 1. August mit 237 Punkten noch souverän gewonnen und beendete das große Finale anschließend ohne Ertrag. In einem Format, in dem elf Karten über den Ausgang entscheiden, kann ein einziger schlechter Tag eine ganze Woche entwerten — Falcons hat das an diesem Sonntag erlebt.
Wie es beim EWC weitergeht
Die Resurgence Series war die erste Ausgabe ihrer Art und lief vom 30. Juli bis 2. August in der Paris Expo Porte de Versailles. Parallel dazu sind bei Call of Duty in dieser Woche bereits weitere Entscheidungen gefallen: FaZe Vegas setzte sich im Finale der COD Champs gegen OpTic Texas durch und verhinderte damit den dritten Titel in Folge für die Texaner.
Der Esports World Cup läuft weiter, und für G2 ist der Warzone-Titel damit weniger ein Abschluss als ein Zwischenstand. Für das Trio dahinter ist er allerdings mehr als das — nämlich der Beleg dafür, dass in einer Szene, die auf ständigen Wechsel setzt, Beständigkeit gelegentlich die bessere Strategie ist.

