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| September 11, 2021

Fortnite – Apple gewinnt Rechtsstreit gegen Epic

Offiziell hat Apple den Fortnite-Rechtsstreit gegen Epic Games gewonnen, aber zu einem ziemlich hohen Preis. Der Verlag muss seine Richtlinien für In-App-Käufe ändern, um den Entwicklern mehr Macht auf der Plattform zu geben.

Die Entwickler von Fortnite haben die Beschränkungen von Apple in Bezug auf Apps mit Zahlungsoptionen, die über die im App Store angebotenen hinausgehen, angefochten. Sie hofften, die 30 %ige Umsatzbeteiligung zu vermeiden, die Apple bei jedem Kauf im App Store kassiert.

Endet der Beef der beiden durch das Urteil?

Richterin Yvonne Gonzalez Rogers befand, dass Epic gegen den Vertrag mit Apple verstoßen hat, nachdem das Unternehmen sein eigenes System für In-App-Käufe eingeführt hatte und zwingt jetzt den Entwickler, 30 % seiner Einnahmen zurückzuzahlen. Das heißt, dass das Unternehmen rund 3,5 Millionen Dollar Schadenersatz an Apple zahlen muss.

Die Richterin erließ auch eine dauerhafte Verfügung, die neue Beschränkungen für Apples App Store-Regeln vorsieht. Im Wesentlichen müssen alle Apps den Entwicklern erlauben, die Nutzer auf alternative Zahlungsmöglichkeiten hinzuweisen. Die einstweilige Verfügung wird am 9. Dezember in Kraft treten, sofern sie nicht von einem höheren Gericht angefochten und aufgehoben wird.

Yvonne Gonzalez-Rogers erließ auch eine 185-seitige dauerhafte Unterlassungsverfügung, in der sie ihre Entscheidung und ihre Überlegungen zu dem Fall erläuterte. Sie sagte, das Gericht könne nicht entscheiden, dass Apple ein “Monopolist” im Sinne des staatlichen oder bundesstaatlichen Kartellrechts sei, wie Epic behauptete. Aber sie sagte, das Gericht habe festgestellt, dass Apple nach kalifornischem Recht wettbewerbswidriges Verhalten an den Tag gelegt habe.
tim cook

“Das Gericht kann nicht zu dem Schluss kommen, dass Apple ein Monopolist im Sinne des Bundes- oder Landeskartellrechts ist”, schrieb Gonzalez-Rogers. “Nichtsdestotrotz hat der Prozess gezeigt, dass Apple ein wettbewerbswidriges Verhalten gemäß den kalifornischen Wettbewerbsgesetzen an den Tag legt.”

Vor dem Urteil hatte Apple begonnen, von seinen strengen Regeln für In-App-Käufe abzurücken, die es Entwicklern bisher untersagten, auf ihre eigenen Websites zu verlinken, um eine Anmeldung zu ermöglichen. Am 1. September kündigte Apple an, dass es nach einer Untersuchung seiner Praktiken durch die japanische Kommission für fairen Handel ab dem nächsten Jahr einigen Apps – wie Netflix, Spotify und Kindle – erlauben wird, in ihren iOS-Apps direkt auf ihre eigenen Kaufseiten zu verlinken.

Im Moment können sich User außerhalb des Apple-Ökosystems für diese Dienste anmelden und sich dann in ihre Konten einloggen. Wenn sie allerdings ein Abo oder einen anderen In-App-Kauf über eine iPhone- oder iPad-App erwerben, müssen die Entwickler bei Abonnements einen Anteil von 20 Prozent und bei anderen Käufen einen Anteil von 30 Prozent zahlen.

Das hat Entwickler wie Epic, die Apple im vergangenen Jahr verklagt haben, und Spotify, das bei den europäischen Regulierungsbehörden eine Beschwerde gegen Apple eingereicht hat, auf den Plan gerufen.

Die Schlammschlacht zwischen Apple und Epic

Das Urteil kommt ein Jahr nach dem Streit zwischen Epic und Apple, als Epic absichtlich sein eigenes In-App-Kaufsystem in ein Update der mobilen Version von Fortnite integrierte. Kurze Zeit später verbannte Apple Fortnite aus dem App Store. Epic provozierte auch Google, indem es den gleichen Vorstoß bei Android-Geräten unternahm, und wurde daraufhin ebenfalls aus dem Google Play Store verbannt.

Epic reichte innerhalb weniger Stunden Klage gegen Apple ein und startete eine PR-Kampagne, die intern als “Project Liberty” bezeichnet wurde. Dazu gehörte ein Video, in dem Fortnite-Charaktere den Super-Bowl-Werbespot aus dem Jahr 1984 nachstellten, mit dem Apple den damals größten Konkurrenten IBM provozieren wollte. Nachdem dieses Video veröffentlicht wurde, ging die Schlammschlacht weiter und Epic brachte einen Fortnite-Skin mit einem Apfel als Kopf heraus.
freefortnite
Epic ging dann auch in die Presseoffensive gegen Apple und Google, bezeichnete die Unternehmen als wettbewerbsfeindlich und gründete die Coalition for App Fairness zusammen mit Spotify, Basecamp und der Match Group, der Muttergesellschaft der Dating-Apps Match.com, OkCupid, Tinder, Hinge und Bumble.

Die Verhandlung zwischen Epic und Apple fand fast den ganzen Mai über statt, wobei hochrangige Führungskräfte der Unternehmen, darunter Epic-CEO Tim Sweeney und Apple-CEO Tim Cook, in den Zeugenstand traten.

Gleichzeitig kam in Korea ein neues Gesetz heraus, dass Epic dazu veranlasst hat Apple anzuflehen ihr Fortnite-Entwicklerkonto wiederherzustellen, damit das Spiel wieder in Südkorea veröffentlicht werden kann. Das neue koreanisches Gesetz zwingt Apple und Google im Grunde dazu, ihre Zahlungssysteme für In-App-Käufe zu verwenden. ​​Den ganzen Artikel zu der koreanischen Situation von Apple vs Epic findet ihr hier.