Image

Forsen im Profi-LoL? Creator-Experiment sorgt für Diskussionen im europäischen Esport

fragster Jonas Januar 7, 2026

Im europäischen League of Legends-Esport bahnt sich eine ungewöhnliche Personalie an. Forsen, seit Jahren einer der bekanntesten Variety-Streamer auf Twitch, erwägt den Einstieg in ein europäisches Tier-2-Team. Ob daraus tatsächlich ein offizieller Wettbewerbseinsatz wird, hängt jedoch von sportlichen Voraussetzungen und den Ligaregeln ab.

Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der Creator-Teams im NLC zunehmend Aufmerksamkeit erzeugen. Spätestens seit Caedrels Projekt Los Ratones, das mit enormen Reichweiten sogar kurzzeitig in Richtung LEC-Umfeld strahlte, ist klar: Unterhaltung und Wettbewerb verschmelzen stärker denn je. Forsens Fall unterscheidet sich jedoch deutlich von bisherigen Beispielen.

Reichweite trifft auf sportliche Realität

Forsen bringt enorme mediale Strahlkraft mit, sportlich wirft sein Vorhaben jedoch Fragen auf. Während er über solide Grundlagen in League of Legends verfügt, liegt sein aktuelles Ranked-Niveau deutlich unter dem, was im semiprofessionellen Bereich erwartet wird. Mit einem Rang um Platin 3 erfüllt er derzeit nicht die formalen Voraussetzungen für eine Teilnahme an offiziellen NLC-Spielen, die mindestens Diamant 3 verlangen.

Hinzu kommt der Zeitfaktor. Der Start von Stage 1 steht unmittelbar bevor. Um die nötige Wertung zu erreichen, müsste Forsen innerhalb weniger Tage mehrere hundert LP aufholen – ein Szenario, das selbst für etablierte High-Elo-Spieler als extrem ambitioniert gilt.

Ein Line-up mit klarer Sollbruchstelle

Das Team 4 Swines & a Bum sorgt bereits jetzt für Aufmerksamkeit, nicht zuletzt durch seine namhafte Besetzung:

  • Toplane: Drututt
  • Jungle: Forsen
  • Midlane: Pobelter
  • ADC: Jackspektra
  • Support: Veigar v2

Mit Pobelter steht ein erfahrener Ex-NA-Profi im Kader, während Jackspektra ebenfalls auf relevante Wettbewerbserfahrung zurückblickt. Auf dem Papier wirkt das Line-up konkurrenzfähig – doch der Jungle ist die Schlüsselrolle. Tempo, Objective-Kontrolle und Vision laufen hier zusammen, Fehler wirken sich unmittelbarer aus als auf fast jeder anderen Position.

Champion-Pool als zusätzliches Risiko

Erschwerend kommt Forsens eingeschränkter Champion-Pool hinzu. Sein Fokus liegt nahezu ausschließlich auf Briar – einem Champion, der in der Solo-Queue stark performt, unter Turnierbedingungen jedoch hohe Risiken birgt. Die selbstprovozierende Mechanik erhöht das Sterberisiko, während koordinierte Teams Snowball-Versuche gezielt bestrafen können.

Gerade im strukturierten NLC-Umfeld reduziert sich der Spielraum für individuelle Fehler drastisch. Was im Ranked funktioniert, stößt hier schnell an seine Grenzen.

Zwischen Ausnahmegenehmigung und Leistungsnachweis

Parallel zur sportlichen Frage steht die formale Zulassung im Raum. Forsens Teilnahme würde der Liga zweifellos enorme Reichweite bescheren, doch bislang sprechen die Regularien klar gegen eine Sonderbehandlung. Anpassungen wären theoretisch möglich, sind aktuell aber nicht bestätigt.

Damit steht Forsen vor einer doppelten Hürde: Er muss sowohl die sportliche Qualifikation als auch die formale Teilnahmeberechtigung kurzfristig erfüllen. Gelingt das nicht, bleibt sein Ausflug in den Profi-LoL vorerst ein viel diskutiertes Experiment – mit hohem Unterhaltungswert, aber ungewissem Ausgang.