Zum Inhalt springen
DE LIVE
Aktuelle News

Exodus zeigt erstmals, warum es als Mass-Effect-Nachfolger gehandelt wird

Jonas Teichmann
Jonas Teichmann Chefredakteur & Esports-Experte

Exodus entwickelt sich immer mehr zu einem der interessantesten Sci-Fi-RPGs des kommenden Jahres. Eine neue rund einstündige Gameplay-Preview zeigt ausführlicher, wie Kämpfe, Begleiter, Entscheidungen und die ungewöhnliche Welt des Spiels funktionieren. Die Parallelen zu Mass Effect sind dabei kaum zu übersehen – gleichzeitig beginnt Entwickler Archetype Entertainment, dem Spiel eine deutlich eigene Identität zu geben.

Exodus 2

Exodus erscheint nach aktuellem Stand am 27. April 2027 für PC, PlayStation 5 und Xbox Series X. Hinter dem Projekt stehen zahlreiche Entwickler mit Erfahrung bei BioWare und anderen großen Rollenspielstudios.

Exodus

Gerade Fans, die seit Jahren auf ein neues großes Mass Effect warten, dürften Exodus deshalb ziemlich genau beobachten.

Kämpfe erinnern stark an Mass Effect

Die gezeigte Mission spielt offenbar bereits einige Zeit nach Beginn der Handlung. Protagonist Jun besitzt zu diesem Zeitpunkt ein eigenes Raumschiff, mehrere Begleiter und kann auf die Kräfte einer geheimnisvollen Celestial-Technologie zurückgreifen.

Vor einer Mission werden zwei Begleiter ausgewählt.

In der gezeigten Demo sind das Suliman und Elise, die sich spielerisch deutlich unterscheiden.

Suliman eignet sich stärker für eine vorsichtige Vorgehensweise. Er kann sich zu Gegnern teleportieren und sie aus nächster Nähe ausschalten, bevor ein offener Kampf überhaupt begonnen hat.

Elise verfolgt dagegen einen wesentlich weniger subtilen Ansatz. Sie steuert einen großen Mech und setzt vor allem auf Raketen sowie andere schwere Waffen.

Das Grundprinzip erinnert stark an Mass Effect: Jun bleibt die zentrale spielbare Figur, während die Fähigkeiten der beiden Begleiter gezielt ausgelöst und auf bestimmte Gegner angesetzt werden können.

Jun bekommt deutlich mehr Werkzeuge als Commander Shepard

Exodus geht beim eigentlichen Kampfsystem allerdings einen Schritt weiter.

Jun besitzt mehrere Waffen, Gadgets und zusätzliche Fähigkeiten, die über einen außerirdischen Handschuh freigeschaltet werden.

So kann er sich beispielsweise tarnen, um unbemerkt eine bessere Position einzunehmen und anschließend mit einem Scharfschützengewehr anzugreifen.

Andere Kräfte erlauben es, Gegner festzusetzen oder Teile der Umgebung zu beeinflussen.

Die unterschiedlichen Systeme lassen sich miteinander kombinieren. Ein stärkerer Gegner kann beispielsweise zunächst immobilisiert, anschließend im Nahkampf attackiert und schließlich mit einer Schrotflinte unter Druck gesetzt werden.

Das klingt auf dem Papier nach klassischem Action-RPG, soll aber durch die große Zahl verschiedener Werkzeuge deutlich flexibler ausfallen.

Munition soll wieder eine Rolle spielen

Interessant ist auch, dass Exodus nicht versucht, jede Einschränkung aus dem Kampfsystem zu entfernen.

Munition ist begrenzt und muss entsprechend bewusst eingesetzt werden.

Gerade stärkere Waffen wie das Scharfschützengewehr besitzen vergleichsweise kleine Magazine. Wer jeden kleineren Gegner mit der stärksten verfügbaren Waffe erledigt, könnte später in wichtigeren Kämpfen vor Problemen stehen.

Das gibt den Gefechten zumindest etwas zusätzliche taktische Tiefe.

Die Preview beschreibt das eigentliche Gunplay als direkt und befriedigend, wobei insbesondere größere Kämpfe noch Verbesserungspotenzial zeigen.

Begleiter greifen nicht sofort alles an

Auch das Verhalten der Begleiter ist bemerkenswert.

Wer einen Kampf zunächst heimlich angeht, muss nicht befürchten, dass Elise unmittelbar ihren kompletten Raketenbestand auf die nächstgelegene Wache feuert.

Die Begleiter respektieren offenbar den aktuellen Spielstil und beginnen erst dann offensiv zu kämpfen, wenn der Spieler selbst eine offene Konfrontation auslöst.

Das könnte gerade für unterschiedliche Builds wichtig werden.

Ein Kritikpunkt zeigt sich allerdings bei größeren Bosskämpfen: Gegner konzentrieren sich offenbar teilweise sehr stark auf Jun und ignorieren die Begleiter selbst dann, wenn diese permanent auf sie feuern.

Hier könnte Archetype bis zum Release noch nacharbeiten.

Entscheidungen sollen Beziehungen beeinflussen

Exodus möchte jedoch ausdrücklich mehr sein als nur ein Third-Person-Shooter mit Rollenspielelementen.

Während der Preview reagieren Begleiter mehrfach auf Entscheidungen des Spielers. Je nachdem, wie Jun handelt, verändert sich ihre Zustimmung.

Zusätzlich existiert offenbar ein Alignment-System.

Im gezeigten Abschnitt werden beispielsweise Paladin-Punkte vergeben, wenn Jun sich gegen aggressivere oder moralisch fragwürdigere Entscheidungen entscheidet.

Interessanter ist jedoch die Frage, welche langfristigen Konsequenzen solche Entscheidungen haben.

In einer Situation kann Jun einem einfachen Gegner das Leben schenken. Die Preview deutet an, dass selbst eine solche scheinbar unbedeutende Figur möglicherweise Jahre oder Jahrzehnte später erneut eine Rolle spielen könnte.

Genau das wäre für Exodus besonders wichtig.

Zeitdilatation ist das große RPG-Experiment

Denn das zentrale Konzept des Spiels basiert auf Zeitdilatation.

Jun reist durch den Weltraum. Während für ihn vergleichsweise wenig Zeit vergeht, können auf anderen Planeten Jahre oder sogar Jahrzehnte verstreichen.

Dadurch sollen Entscheidungen ungewöhnlich langfristige Konsequenzen bekommen.

Kehrt der Spieler später an einen bekannten Ort zurück, könnten Figuren gealtert, politische Verhältnisse verändert oder ganze Gesellschaften weiterentwickelt sein.

Damit möchte Archetype etwas umsetzen, das klassische Rollenspiele normalerweise nur schwer darstellen können.

Die Entscheidung aus einer Mission müsste also nicht fünf Stunden später Konsequenzen haben – sondern innerhalb der Spielwelt möglicherweise 50 Jahre danach.

Wie konsequent das fertige Spiel dieses Versprechen einlösen kann, bleibt allerdings eine der größten offenen Fragen.

Exodus erschafft eine ziemlich ungewöhnliche Galaxie

Auch beim Worldbuilding versucht Archetype, über klassische Sci-Fi-Motive hinauszugehen.

Ein Beispiel sind die sogenannten Awakened.

Dabei handelt es sich um hochintelligente Tiere, die gemeinsam mit Menschen und außerirdischen Spezies die Welt von Exodus bevölkern.

Die gezeigte Mission führt auf den Planeten Khonsu.

Dort leben die Kay, eine Spezies intelligenter Frösche. Sie betreiben ein Schutzschild, das den Planeten vor Weltraumschrott bewahrt.

Nach einer Invasion funktioniert dieses System allerdings nicht mehr zuverlässig, wodurch die gesamte Welt bedroht wird.

Einer der Kay namens C42 begleitet Jun während der Mission und fällt insbesondere durch seine ausgesprochen lebhafte Persönlichkeit auf.

Ein Oktopus im Kampfanzug gehört zur Crew

Noch ungewöhnlicher ist Salt.

Der Awakened-Oktopus gehört ebenfalls zu den Begleitern und bewegt sich innerhalb eines mit Wasser gefüllten mechanischen Körpers.

Solche Figuren könnten Exodus dabei helfen, sich visuell und erzählerisch stärker von Mass Effect abzugrenzen.

Denn die Parallelen sind offensichtlich:

  • eigenes Raumschiff
  • Begleiter mit persönlichen Geschichten
  • Third-Person-Kämpfe
  • steuerbare Teamfähigkeiten
  • moralische Entscheidungen
  • unterschiedliche Planeten
  • große Science-Fiction-Geschichte

Gerade deshalb braucht Exodus eigene Ideen.

Die Awakened und die enormen Zeitsprünge könnten genau diese Rolle übernehmen.

Von ehemaligen BioWare-Entwicklern aufgebaut

Dass Exodus ständig mit Mass Effect verglichen wird, ist kein Zufall.

Entwickler Archetype Entertainment beschäftigt zahlreiche Veteranen, die zuvor an großen Rollenspielen gearbeitet haben. Das Studio wurde unter anderem von ehemaligen BioWare-Entwicklern aufgebaut.

Publisher ist Wizards of the Coast.

Archetype erweitert das Universum bereits seit längerer Zeit außerhalb des eigentlichen Spiels. Zu Exodus existieren unter anderem Kurzgeschichten, ein Roman und ein Tabletop-Projekt.

Das erklärt auch, warum die Welt schon vor dem Release ungewöhnlich ausgearbeitet wirkt.

Ist Exodus wirklich „Mass Effect 5“?

So weit würde ich nach einer Preview noch nicht gehen.

Der Autor des zugrunde liegenden Hands-on-Berichts bezeichnet Exodus zwar sinngemäß als das „Mass Effect 5, das er sich erhofft hat“. Das ist aber eine persönliche Einschätzung und keine Aussage der Entwickler.

Dass sich Exodus an BioWares großer Sci-Fi-RPG-Reihe orientiert, ist jedoch offensichtlich.

Besonders das Kampfsystem mit zwei Begleitern, individuellen Fähigkeiten und einem starken Hauptcharakter erinnert unmittelbar an Shepard und seine Crew.

Entscheidend wird deshalb nicht sein, ob Exodus Mass Effect nachahmen kann.

Interessanter ist, ob das Spiel die eigenen großen Ideen tatsächlich umsetzt – insbesondere die Konsequenzen von Entscheidungen über mehrere Jahrzehnte hinweg.

Die bisherige Gameplay-Preview liefert dafür noch keinen Beweis. Sie zeigt aber eine solide Grundlage aus guten Kämpfen, interessanten Begleitern und einer ungewöhnlichen Science-Fiction-Welt.

Wenn Archetype jetzt noch das langfristige Choice-and-Consequence-System liefert, könnte Exodus tatsächlich zu einem der spannendsten Rollenspiele 2027 werden.

Für dich ausgewählt

Das könnte dich auch interessieren

Jonas Teichmann

Über den Autor

Jonas Teichmann

Jonas Teichmann ist Texter und E-Sport-Redakteur bei Fragster.de. In seinen Artikeln verbindet er aktuelle News mit klarer Einordnung und einem Blick für die Details, die in der Szene wirklich zählen. Ob CS2, League of Legends oder die großen internationalen Turniere: Jonas bereitet Themen so auf, dass sowohl eingefleischte Fans als auch Neueinsteiger schnell den Überblick bekommen. Sein Fokus liegt auf verständlicher Sprache, sauberer Struktur und dem Anspruch, Entwicklungen nicht nur zu melden, sondern auch nachvollziehbar zu erklären. Dabei greift er Trends, Meta-Änderungen und Teamdynamiken genauso auf wie relevante Hintergrundgeschichten.

Alle Artikel ansehen →
Gerade veröffentlicht

Neueste News

Alle ansehen →