Wer sich schon einmal ernsthaft mit dem Gedanken beschäftigt hat, ein eigenes eSports-Team aus dem Boden zu stampfen, merkt ziemlich schnell, dass Gaming-Skills und Teamgeist hier nicht ausreichen. Vielmehr geht es auch um ein ganzes Bündel aus rechtlichen Formularen, finanziellen Stolpersteinen und operativer Komplexität, das selbst hartgesottene Start-up-Enthusiasten nervös werden lässt.
Das gilt besonders dann, wenn aus dem Hobby ein professioneller Anspruch werden soll. Die Parallelen zu anderen kommerziellen Projekten drängen sich schnell auf. Wer etwa ein deutsches Online Casino auf die Beine stellen möchte, muss sich durch ähnliche bürokratische Wände kämpfen, braucht Kapital, rechtliche Absicherung und eine gute Portion Durchhaltevermögen und auch im eSports gilt, dass der Wille allein nicht reicht, wenn das Fundament wackelt.
Die richtige Rechtsform finden
Der erste Stolperstein lauert bereits bei der Frage, in welcher Form ein Team überhaupt auf die Beine gestellt werden kann. Ein Verein? Eine GmbH? Oder doch lieber erst mal lose WhatsApp-Gruppe mit Clan-Logo? Wer langfristig professionell auftreten will, kommt an einem formellen Rahmen nicht vorbei und der hat es in sich.
Ein eingetragener Verein (e. V.) bietet einen vergleichsweise einfachen Einstieg. Sieben Gründungsmitglieder, eine Satzung, ein gewählter Vorstand und die Anmeldung beim Amtsgericht. Schon steht das Grundgerüst. Kostenpunkt ist rund 100 bis 300 Euro, je nach Notar und Formalitäten.
Doch dann fängt die Diskussion erst richtig an. Ist eSport eigentlich Sport? Und wenn nicht, gibt es dann überhaupt Fördergelder oder Steuererleichterungen? Die Antwort lautet „Jein“. In vielen Bundesländern fehlt noch die offizielle Anerkennung, obwohl sich politisch einiges bewegt. Wer auf Gemeinnützigkeit hofft, muss genau hinsehen und oft auf Granit beißen, wenn der örtliche Sportbund die Aufnahme ablehnt.
Alternativ bleibt der Weg über eine Unternehmensgründung, etwa als GmbH. Klingt professionell, kostet aber 25.000 Euro Stammkapital, Handelsregistereintrag, Buchhaltungspflicht, Haftung inklusive. Für viele ist das der Overkill. Gleichzeitig bringt diese Form aber mehr Flexibilität, etwa bei Sponsorenverträgen oder dem Verkauf von Merchandising-Produkten. Die Entscheidung für die Rechtsform ist unterm Strich also alles andere als trivial und sollte nicht aus dem Bauch heraus getroffen werden.
Die oft unterschätzten Einstiegskosten
Wer glaubt, mit ein paar PCs aus dem Elektronikmarkt um die Ecke und einem Discord-Server sei die Grundausstattung erledigt, landet schnell auf dem harten Boden der Realität. High-End-Gaming-Hardware ist teuer und in der Regel auch nicht verhandelbar. Wer in CS:GO oder Valorant auf Augenhöhe spielen will, kann sich keine Framerate-Diskussion leisten.
Pro Spieler sind inklusive Monitor, Maus, Tastatur und Headset gut und gerne 2.000 bis 5.000 Euro fällig. Multipliziert mit fünf, sieben oder sogar zehn Personen ergibt sich eine Summe, die bereits das Budget vieler Freizeitgründer pulverisiert. Hinzu kommen laufende Kosten für Trainingsräume, Softwarelizenzen, schnelles Internet und gegebenenfalls sogar Mietflächen in eSport-Hubs oder Co-Working-Spaces.
Coaches, Analysten oder psychologische Betreuer sind im Profibereich mittlerweile Standard. Auch in der Mittelklasse wird erwartet, dass zumindest ein Coach das Spielgeschehen strategisch begleitet. Je nach Qualität und Verfügbarkeit liegt das Honorar hier schnell bei 1.000 bis 3.000 Euro pro Monat und dann wären da noch Reisen zu Turnieren, Übernachtungen, Verpflegung und Startgebühren. Wer das alles sauber auflistet, landet je nach Ambition bei einem Budget zwischen 50.000 und 200.000 Euro pro Jahr, nicht auf Lebenszeit.
Ohne Geldgeber läuft nichts
Die bittere Wahrheit ist, dass ohne Finanzierung wenig bis nichts geht und Einnahmen aus Preisgeldern oder Twitch-Abos reichen bei weitem nicht, um ein funktionierendes Team zu tragen. Sponsoren sind daher Pflicht. Doch der Weg dorthin ist für Newcomer steinig.
Denn warum sollte ein Unternehmen in ein Team investieren, das weder Titel gewonnen hat, noch eine nennenswerte Reichweite vorweisen kann? Viele Sponsoren sind zudem durch Skandale im eSport vorsichtiger geworden und investieren lieber in sichere Marken oder reichweitenstarke Streamer. Umso wichtiger ist es, sich strategisch zu positionieren und mit einem glaubwürdigen Konzept aufzutreten.
Spannend ist dabei, dass Branchen wie Glücksspiel durchaus offen für Engagements im eSport sind. Anbieter wie Novoline sind längst im traditionellen Sport als Sponsoren aktiv, etwa im Fußball und wer dort mitmischt, könnte auch für eSports-Partnerschaften infrage kommen, vorausgesetzt, rechtliche Fallstricke und Werberichtlinien werden beachtet.
Hinzu kommen alternative Finanzierungsquellen wie Crowdfunding, Merchandising, Coaching-Angebote oder Community-basierte Projekte. Diese können dabei helfen, das Budget aufzustocken. Doch auch sie ersetzen keine solide Planung.
Struktur, Organisation und täglicher Betrieb
Abseits der Matches auf Twitch und der Highlights auf YouTube gibt es eine operative Realität und die ist meist alles andere als glamourös. Ein Team ist eine Organisation mit Kommunikation, Zuständigkeiten, Deadlines und Verwaltung. Spieler zu sein, ist auch ein Job.
Wer übernimmt die Social-Media-Kanäle? Wer spricht mit Sponsoren? Wer plant Bootcamps oder organisiert die Buchhaltung? Ohne klare Rollenverteilung geht hier schnell der Überblick verloren. Gerade junge Teams unterschätzen diesen Aufwand massiv und verlieren sich in Chaos, Eitelkeiten oder schlichtem Zeitmangel.
Auch Verträge werden oft zu spät oder gar nicht geschlossen. Dabei geht es neben dem Geld auch um Rechte an Inhalten, Turnierverpflichtungen oder die Verwendung von Teamlogos. Juristisch kann ein falsch formulierter Vertrag mehr ruinieren als ein verpatztes Finale. Wer schlau ist, zieht frühzeitig Fachleute hinzu und klärt alle Rahmenbedingungen, bevor es ernst wird.
Strategien, mit denen Einsteiger Barrieren überwinden können
Auch wenn die Hürden hoch sind, gibt es Wege, sie zu überwinden. Ein vielversprechender Ansatz ist der Start innerhalb eines bestehenden Sportvereins. Viele Fußball- oder Handballvereine suchen nach Nachwuchs und Innovation, eSports-Abteilungen bieten hier eine Win-win-Situation. Die Infrastruktur ist da, der Verein kann sich modernisieren und das Team profitiert von Räumen, Equipment oder Verwaltung.
Eine andere Möglichkeit liegt im Community-First-Ansatz. Wer es schafft, vor dem ersten Turnier ein aktives Netzwerk aufzubauen, hat es später leichter. Social-Media-Kanäle, Discord-Events oder sogar Podcasts zum Teamalltag können dabei helfen, Vertrauen zu schaffen und Aufmerksamkeit zu generieren, lange bevor der erste Pokal geholt wird.
Auch ein bisschen Kreativität kann nicht schaden. Web3-Features, Education-Formate oder ungewöhnliche Teamformate mit wechselnden Line-ups oder integrativen Workshops bieten Chancen, sich abzuheben.
Die Gründung eines eSports-Teams ist alles in allem also machbar, aber eben kein Plug-and-Play-Abenteuer. Es braucht Struktur, Strategie und Durchhaltevermögen und manchmal auch ein bisschen Glück, das sich nur denjenigen zeigt, die vorher ihre Hausaufgaben gemacht haben.


