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Esport bleibt bei den Asian Games: Der OCA widerspricht seinem eigenen Beschluss

Armin Schwarz
Armin Schwarz Redakteur & Themenexperte

Der Olympische Rat Asiens hat das angekündigte Ende des Esport bei den Asian Games dementiert. Der Medaillenstatus bleibe erhalten, teilte der Verband am 28. September 2026 mit. Ein Beschluss aus dem Jahr 2024 sagt genau das Gegenteil.

Der Verband dementiert seine eigene Entscheidung

Wochenlang berichteten Fachmedien über das bevorstehende Aus. Jetzt widerspricht der Verband diesen Darstellungen deutlich.

Veröffentlicht wurde die Stellungnahme am 28. September 2026. Zugeschrieben wird sie Husain Al-Musallam, dem Generaldirektor des Verbandes.

Wörtlich heißt es, der Verband habe keine Entscheidung über eine Entfernung des Esport getroffen. Fortsetzen werde man die Wettkämpfe innerhalb der Asian Games. Zugesagt wird zudem weitere Unterstützung für die Entwicklung in Asien. Erhalten bleibe dabei ausdrücklich der Status als Medaillenwettbewerb.

Das Papier von 2024 steht weiterhin online

Hier beginnt das eigentliche Problem. Der widersprochene Beschluss ist frei zugänglich.

Gefasst wurde er auf der 90. Sitzung des Exekutivkomitees. Datiert ist das Dokument auf den 26. November 2024.

Unterzeichnet hat es derselbe Generaldirektor, der jetzt dementiert. Zurückgezogen oder geändert wurde das Papier bislang nicht. Erklärt hat der Verband diesen Widerspruch ebenfalls nicht. Genau diese Lücke sorgt für die anhaltende Verwirrung.

Was in dem Beschluss von 2024 steht

Der Wortlaut lässt kaum Spielraum für Auslegungen. Beschlossen wurde die Sache demnach einstimmig.

Angenommen hat das Komitee einen klar formulierten Vorschlag. Entfernt werden sollte der Esport nach den Spielen in Aichi und Nagoya. Vorgesehen war stattdessen ein eigener Wettbewerb.

Gedacht war dieser für Disziplinen abseits des klassischen Sports. Genannt wurden dabei auch Denksportarten wie Schach und Kartenspiele. Ein solcher Zusammenschluss wirkt aus Sicht des Verbandes durchaus schlüssig. Für den Esport bedeutete er allerdings den Verlust der großen Bühne.

Der Begriff Mind Sports verrät die Absicht

Aufschlussreich ist bereits der Name der neuen Veranstaltung. Zusammengefasst werden dort Esport und Denksport.

Eingeordnet wird das Spielen am Bildschirm damit neben Schach und Karten. Sportlich anerkannt ist diese Einordnung keineswegs unumstritten.

Genau gegen diese Zuordnung wehren sich zahlreiche Verbände seit Jahren. Argumentiert wird dabei mit körperlicher Belastung und Reaktionsvermögen. Eine Zusammenlegung mit Denksportarten schwächt diese Argumentation erheblich. Deutlicher könnte die Botschaft des Beschlusses kaum ausfallen.

Kuwait richtet ab 2027 eigene Spiele aus

Parallel zum Dementi läuft die Vorbereitung dieser neuen Veranstaltung. Unterzeichnet wurde der Ausrichtervertrag am 19. September 2026.

Austragungsort ist Kuwait. Stattfinden sollen dort erstmals die Asian Esports and Mind Sports Games, geplant für 2027.

Dargestellt hat der Verband diesen Schritt als Erweiterung. Zusätzliche Gelegenheiten für Sportler in Asien sollen entstehen, ohne den Esport bei den Asian Games zu schwächen.

Genau diese Lesart wirft Fragen auf. Im Beschluss von 2024 diente derselbe Wettbewerb ausdrücklich als Ersatz. Aus einem Ersatz wird in der neuen Darstellung eine Ergänzung. Belege für diesen Kurswechsel legte der Verband nicht vor.

In Aichi geht es derzeit um elf Medaillen

Handfest ist immerhin die Lage in diesem Jahr. Bei den laufenden Spielen zählt der Esport zum offiziellen Programm.

AngabeWert
Zeitraum der Wettkämpfe23. September bis 2. Oktober 2026
AustragungsortMessegelände in Tokoname, Präfektur Aichi
MedaillenwettbewerbeElf
Teilnehmende Nationen23
Beteiligte TitelUnter anderem eFootball, Gran Turismo 7, League of Legends

Vertreten sind sowohl Rennspiele als auch Titel für Telefone. Hinzu kommt ein Wettbewerb, der mehrere Prügelspiele zusammenfasst.

Auffällig ist die starke Ausrichtung auf den asiatischen Markt. Mehrere der beteiligten Titel spielen in Europa kaum eine Rolle. Qualifikationsturniere fanden zuvor in Vietnam, Malaysia und Singapur statt.

Warum der Medaillenstatus so wichtig ist

Der Unterschied zu einer reinen Vorführung ist erheblich. Eine Medaille verändert die Stellung einer Disziplin grundlegend.

Anerkannt werden Erfolge dadurch von staatlichen Stellen. Zahlreiche Länder Asiens fördern Sportler mit Medaillenchancen finanziell.

Hinzu kommen Prämien, Ausbildungsplätze und in Einzelfällen Befreiungen vom Wehrdienst. Wegfallen würde dieser Rahmen mit dem Verlust des Status. Genau darin liegt die eigentliche Sprengkraft dieser Debatte. Um Aufmerksamkeit allein geht es dabei kaum.

Für Doha 2030 fehlt jede Zusage

Entscheidend ist letztlich die nächste Ausgabe. Ausgetragen werden die Asian Games 2030 in Doha.

Genannt hat der Verband dafür bislang keine Disziplinen. Weder Titel noch Anzahl der Wettbewerbe stehen fest.

Angekündigt wurden lediglich spätere Einzelheiten. Damit bleibt das Dementi eine Absichtserklärung ohne belastbaren Inhalt. Überprüfen lässt sich die Zusage erst mit der Veröffentlichung des Programms. Erfahrungsgemäß dauert das bei solchen Veranstaltungen mehrere Jahre.

Vier Jahre liegen zwischen den beiden Ausgaben. Personelle Wechsel im Verband sind in diesem Zeitraum wahrscheinlich. Ein Dementi bindet dabei weder Nachfolger noch künftige Gremien. Verbindlich wäre allein eine Aufnahme in das offizielle Programm. Genau diese Aufnahme steht bislang aus.

Aus europäischer Sicht bleibt es unübersichtlich

Für Anhänger in Deutschland wirkt diese Debatte zunächst fern. Dennoch hängt daran mehr als ein regionaler Streit.

Asien gilt seit Jahren als Vorreiter bei der offiziellen Anerkennung des Esport. Argumente aus diesen Ländern nutzen europäische Verbände regelmäßig für eigene Forderungen.

Beim Internationalen Olympischen Komitee stockt die Entwicklung dagegen. Die geplanten Olympic Esports Games in Saudi-Arabien scheiterten Ende Oktober 2025. Beendet wurde die Zusammenarbeit im Einvernehmen beider Seiten.

Angekündigt hat das Komitee seitdem einen neuen Ansatz. Ein Termin für eine erste Ausgabe fehlt allerdings weiterhin. Solange Asien und das Komitee beide zögern, bleibt der Weg in den offiziellen Sport blockiert. Für europäische Spieler ändert sich damit auf absehbare Zeit nichts.

Ein Kommunikationsproblem mit echten Folgen

Unabhängig vom Ergebnis hinterlässt dieser Vorgang Schäden. Verlässlichkeit gehört zu den Grundvoraussetzungen jeder Planung.

DatumEreignis
26. November 2024Beschluss zur Entfernung nach Aichi und Nagoya
19. September 2026Ausrichtervertrag mit Kuwait unterzeichnet
23. September 2026Beginn der Wettkämpfe in Aichi
28. September 2026Dementi des Verbandes
2027Erste Spiele in Kuwait geplant

Betroffen sind zahlreiche Beteiligte abseits der Öffentlichkeit. Nationale Verbände planen Fördermittel über Jahre hinweg.

Verunsichert werden ebenso Sportler und deren Betreuer. Wer sich auf einen Wettbewerb vorbereitet, braucht Klarheit über dessen Fortbestand. Zwei sich widersprechende Aussagen desselben Verbandes liefern diese Klarheit nicht.

Verschärft wird die Lage durch den Weg der Veröffentlichung. Verbreitet wurde die Mitteilung zunächst über einen chinesischen Nachrichtendienst. Erschienen ist sie dort ausschließlich in chinesischer Sprache.

Für einen kontinentalen Verband ist dieses Vorgehen bemerkenswert. Zahlreiche Mitgliedsländer sprechen weder Chinesisch noch lesen sie diesen Dienst. Eine Übersetzung mussten Fachmedien selbst anfertigen. Missverständnisse werden auf diesem Weg geradezu provoziert.

Diese Punkte bleiben offen

Trotz des Dementis bleiben zentrale Fragen unbeantwortet:

  • Ob der Beschluss von 2024 formal aufgehoben wurde, sagt der Verband nicht
  • Unklar bleibt, welche Titel 2030 in Doha antreten dürfen
  • Zum Verhältnis zwischen beiden Veranstaltungen fehlen Angaben
  • Eine Stellungnahme in englischer Sprache lag zunächst nicht vor

Solche Unklarheiten lassen sich leicht beseitigen. Eine überarbeitete Fassung des Beschlusses würde genügen.

Bislang wählte der Verband jedoch den umgekehrten Weg. Ein Dementi ohne Änderung der Dokumente wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet. Beobachter verweisen daher auf die kommenden Wochen.

Ohnehin endet die aktuelle Ausgabe bereits am 2. Oktober. Danach dürfte die öffentliche Aufmerksamkeit deutlich nachlassen. Genau dieser Zeitpunkt eignet sich erfahrungsgemäß für unauffällige Entscheidungen. Verfolgen solltest du daher besonders die Wochen nach dem Abschluss.

Eine Zusage, die erst noch belegt werden muss

Positiv klingt das Dementi auf den ersten Blick. Beim genauen Hinsehen fehlt ihm allerdings jede Substanz.

Ein Verband, der einen einstimmigen Beschluss für ungültig erklären will, hebt diesen Beschluss auf. Genau das ist bislang nicht geschehen. Stattdessen stehen zwei gegensätzliche Aussagen unverändert nebeneinander. Vertrauen entsteht auf diesem Weg nicht.

Erklären lässt sich der Kurswechsel wohl mit öffentlichem Druck. Die Berichte über das angekündigte Aus lösten in Asien erhebliche Kritik aus. Ein Dementi kostet dabei nichts, solange keine Zahlen und Titel folgen müssen.

Belastbar wird die Zusage erst mit dem Programm für Doha. Bis dahin bleibt der Esport bei den Asian Games ein Wettbewerb auf Widerruf. Wer die Entwicklung verfolgt, sollte die kommenden Veröffentlichungen des Verbandes genau lesen. Entscheidend ist dabei nicht die Ankündigung, sondern das geänderte Dokument.

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Über den Autor

Armin Schwarz

Armin Schwarz schreibt für Fragster über Gaming und Esports.

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