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Fragster | Januar 25, 2022

ESL und FACEIT für 1,5 Milliarden Dollar von Saudi Arabien gekauft

Großer Shock in der Gaming-Community: Sowohl FACEIT als auch die ESL sind zusammen für eine Summe von 1,5 Milliarden Dollar aufgekauft worden – und zwar von niemand anderem als der saudischen Regierung. Leider ist Saudi Arabien vor allem für Menschenrechtsverletzungen bekannt und das findet die Community gar nicht gut. Es hagelt Kritik von allen Seiten.

Hinter dem Kauf von der ESL und FACEIT steht die Savvy Gaming Group (SGG), eine Organisation aus dem umstrittenen Land Saudi Arabien. Diese Organisation wird vom Public Investment Fund der Regierung finanziert, der jede Menge Geld in Projekte pumpt, um die Wirtschaft anzukurbeln. Geleitet wird der Fund von CEO Brian Ward, der zuvor als Senior VP bei Activision tätig war. Die ESL wurde für 1 Milliarde Dollar gekauft, die Esport-Plattform FACEIT für 500 Millionen Dollar und die beiden Unternehmen werden jetzt unter der neuen Leitung fusionieren.

Lest hier noch mehr zu dem NEOM Projekt:

Menschenrechtsverletzungen in Saudi Arabien

Anscheinend sollen die Marken der beiden Unternehmen (FACEIT, ESL, DreamHack, ESEA und Badlion) wie gewohnt weitergeführt werden. Nachdem der Deal bekannt wurde, zeigten sich Fans, Spieler und andere Leute aus der Community gleichermaßen von dem Deal schockiert und es gab jede Menge negatives Feedback, genauso wie schon beim saudischen NEOM-Projekt.

Saudi Arabien hat zwar jede Menge Geld, aber ist nicht gerade bekannt für seine tollen Menschenrechte. Ganz im Gegenteil. Dort gilt nach wie vor die Todesstrafe, Folter und öffentliches Auspeitschen sind legal, Frauenrechte sind so gut wie nicht existent, modernes Sklaventum ist dort nichts ungewöhnliches und Homosexualiät kann mit dem Tod bestraft werden. Um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Wenn jetzt also die ESL und FACEIT unter dem saudiarabischen Leitschirm fusionieren, fragt man sich natürlich wie inklusiv die Community dann noch sein darf, weil die saudiarabischen Werte ganz klar gegen die der LGBTQ-Community gehen. Auch falls sie sich nicht direkt einmischen will kaum jemand etwas mit einer so diktatorischen Regierung zu tun haben.

Das Ziel von Saudi Arabien hinter dem Kauf

Diese Megasumme von 1,5 Milliarden Dollar ist eine Menge Geld und es scheint so, als würde Saudi Arabien unbedingt einen Fuß in die Welt des Esport bekommen. Erst mit ihrem Projekt NEOM und jetzt mit dem Kauf der ESL und FACEIT. Der saudiarabische Public Investment Fund (PIF) hat einen Wert von 400 Milliarden Dollar, von daher sind 1,5 Milliarden davon nur Peanuts.

Das Ziel des Funds ist es, Saudi Arabiens Wirtschaft wieder anzukurbeln und das Land abzusichern, falls es irgendwann mal kein Öl mehr gibt. Mit Geld von diesem Fund wurden bereits Anteile in Activision Blizzard gekauft, die sich ebenfalls nicht groß für Menschen- und Frauenrechte interessieren. Der Deal war 3 Milliarden schwer. Mit der Investition in Sport und Esport, soll die Viewerschaft regelrecht “gekauft” werden, denn ein weiteres Ziel der Regierung ist es im Weltgeschehen mitzumischen, aber unter dem Vorwand der “Liebe zum Sport” ihre Gräueltaten unter den Teppich fallen zu lassen.

Kein Einzelfall

Mehrere diktatorische Regime sind schon dabei, sich große Fußballvereine zu kaufen. SaudiArabien und AbuDhabi haben sich erst vor kurzem Newcastle United gekauft bzw. sind Eigentümer von Manchester City geworden. Der Kauf von Newcastle war besonders umstritten und sogar Amnesty International hat sich zu dem Deal geäußert. “Von Anfang an haben wir darauf hingewiesen, dass dieser Deal ein klarer Versuch der saudischen Behörden ist, ihre erschreckende Menschenrechtsbilanz mit dem Glanz des Spitzenfußballs zu übertünchen.”

Das gleiche scheint jetzt auch im Esport zu passieren. Es ist eine reine PR-Masche, die die Fans unter ihrem geliebten Sport vereinen soll und Saudi Arabien besser aussehen lassen soll, als es eigentlich ist. Die ESL hatte zu dem Deal folgendes zu sagen: “Unsere Mission bleibt unverändert: eine Welt zu schaffen, in der jeder jemand sein kann. Unser Zusammenschluss mit FACEIT und die Unterstützung von SGG geben uns mehr Know-how, Fähigkeiten und Ressourcen als je zuvor, um diese Vision zu verwirklichen.”

Während das vielleicht wahr ist, sollte aber eines ganz klar sein: Saudi Arabien verstößt regelmäßig gegen Menschenrechte und man hätte sich nicht mit einem so fragwürdigen Land verbinden müssen. Aber mal wieder steht das Geld im Fokus.

Ist das alles noch vertretbar?

Ein weiterer Punkt, der in letzter Zeit negativ auffällt, ist, dass große Unternehmen  ziemlich rasant kleinere Unternehmen aufkaufen. Ob jetzt Saudi Arabien (zwar kein Unternehmen sondern ein Land) mit ESL/FACEIT oder Microsoft mit Activision Blizzard – bekommen wir demnächst nur noch Monopole? Irgendwie geben einem dieses Deals in letzter Zeit nicht gerade das allerbeste Gefühl.

Außerdem handelt es sich um Unsummen von Geld, die auch bei vielen Leuten die Frage aufwerfen, ob das noch ethisch vertretbar ist. Microsoft hat Activision Blizzard für fast 70 Milliarden Dollar gekauft und damit den in Ungnade gefallenen CEO Bobby Kotick noch viel reicher gemacht als schon zuvor.

All diese Käufe haben nur eines im Sinn: den Käufer noch reicher zu machen oder wie im Fall von Saudi Arabien außerdem noch ihren Ruf aufzupolieren. Gleichzeitig werden die Leute bei Blizzard so schlecht bezahlt, dass sie kaum davon leben können und es wurden einige Stimmen in der Community laut, dass das alles ethisch nicht mehr vertretbar sei.

Was haltet ihr davon, dass die saudiarabische Regierung FACEIT und die ESL gekauft hat? Wir wollen eure Meinung hören! Diskutiert jetzt mit uns auf TikTok und Twitter!