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Escape-from-Tarkov-Studio wird Publisher und sucht gezielt „zu riskante“ Spiele

Jonas Teichmann
Jonas Teichmann Chefredakteur & Esports-Experte

Battlestate Games erweitert sein Geschäft und steigt selbst ins Publishing ein. Das Studio hinter Escape from Tarkov hat mit Battlestate Games Publishing ein eigenes Label gegründet, das künftig externe Entwickler bei der Veröffentlichung ihrer Spiele unterstützen soll. Gesucht werden dabei ausdrücklich Projekte, die bei klassischen Publishern möglicherweise durchs Raster fallen.

Battlestate nennt unter anderem Ideen, die als „zu ambitioniert, zu nischig oder zu riskant“ gelten. Vorgaben bei Genre, Plattform oder Spielmodus gibt es dagegen kaum. Sowohl Singleplayer- als auch Multiplayer-Projekte können eingereicht werden – und selbst Spiele, die sich noch in einer sehr frühen Konzeptphase befinden, kommen grundsätzlich infrage.

Battlestate sucht keine sicheren Mainstream-Projekte

Die Ausrichtung des neuen Labels passt ziemlich gut zum eigenen Ruf des Studios.

Escape from Tarkov gehört seit Jahren zu den kompromissloseren Multiplayer-Shootern. Komplexe Waffenmechaniken, harte Konsequenzen bei Niederlagen, umfangreiche Inventarsysteme und ein bewusst geringer Komfort machen das Spiel gerade für Einsteiger alles andere als zugänglich.

Battlestate möchte nun offenbar genau diese Haltung auf sein Publishing-Geschäft übertragen.

Das Unternehmen beschreibt seine Zielrichtung mit Begriffen wie detailliert, kompromisslos, hardcore und immersiv. Es geht also nicht darum, möglichst viele unkomplizierte Produktionen für ein breites Publikum zu veröffentlichen.

Stattdessen möchte Battlestate Projekte finden, bei denen andere Publisher möglicherweise bereits bei der ersten Präsentation abwinken würden.

Genre und Plattform spielen zunächst keine Rolle

Überraschend offen fällt dagegen die eigentliche Auswahl aus.

Battlestate Games Publishing beschränkt sich nicht auf taktische Shooter oder Extraction-Games. Nach Angaben des Unternehmens werden Projekte aus grundsätzlich jedem Genre berücksichtigt.

Das gilt ebenfalls für:

  • Singleplayer-Spiele
  • Multiplayer-Titel
  • unterschiedliche Plattformen
  • verschiedene Settings
  • frühe Konzepte
  • Spiele mitten in der Entwicklung
  • bereits veröffentlichte Projekte

Damit könnte das Label auch für kleinere Studios interessant werden, deren Spiel überhaupt nichts mit Escape from Tarkov gemeinsam hat.

Entscheidend dürfte vielmehr sein, ob Battlestate in dem Projekt jene Eigenständigkeit und Konsequenz erkennt, die das Unternehmen selbst als Kern seiner Marke betrachtet.

Entwickler sollen ihre IP vollständig behalten

Ein besonders interessantes Versprechen betrifft die Eigentumsrechte.

Battlestate erklärt, dass Entwickler 100 Prozent ihrer Intellectual Property behalten sollen.

Das bedeutet: Die Rechte an Spielwelt, Figuren und Marke sollen beim ursprünglichen Studio bleiben und nicht im Rahmen des Publishing-Deals an Battlestate übergehen.

Gerade für unabhängige Entwickler ist das ein wichtiger Punkt. Publishing-Verträge können je nach Finanzierung und Verhandlung sehr unterschiedlich ausfallen, und langfristige Rechte an einer erfolgreichen Marke gehören zu den wertvollsten Bestandteilen eines Studios.

Battlestate positioniert sein Modell deshalb ausdrücklich als Möglichkeit, Entwickler zu unterstützen, ohne ihnen die Kontrolle über ihre eigene Idee abzunehmen.

Auch sehr frühe Projekte können sich bewerben

Das Publishing-Label befindet sich noch in einer frühen Phase, nimmt aber bereits Projektvorschläge entgegen.

Dabei muss noch kein fertiger Prototyp vorhanden sein.

Battlestate möchte ausdrücklich auch Konzepte prüfen, die sich erst am Anfang ihrer Entwicklung befinden. Auf der anderen Seite können sich sogar Entwickler melden, deren Spiel bereits veröffentlicht wurde und die für die weitere Entwicklung oder Verbreitung Unterstützung suchen.

Das erweitert die Zahl potenzieller Bewerber erheblich.

Ein kleines Studio mit einer ungewöhnlichen Idee müsste damit nicht erst mehrere Jahre aus eigener Tasche entwickeln, bevor eine Zusammenarbeit überhaupt interessant wird.

„Zu ambitioniert, zu nischig oder zu riskant“

Am auffälligsten ist trotzdem die Wortwahl des neuen Publishers.

Battlestate sucht nach eigenen Angaben genau jene Projekte, die von anderen Geldgebern womöglich mit Aussagen wie „zu ambitioniert“, „zu nischig“ oder „zu riskant“ abgelehnt wurden.

Das klingt zunächst wie klassische Marketing-Sprache, könnte aber durchaus zum Unternehmen passen.

Escape from Tarkov selbst wäre in vielen klassischen Publisher-Pitch-Meetings vermutlich kein besonders leicht zu verkaufendes Konzept gewesen. Ein extrem komplexer Shooter mit hohen Einstiegshürden, drastischem Verlustsystem und einer bewusst wenig komfortablen Nutzererfahrung widerspricht vielen Regeln, nach denen große Produktionen normalerweise auf möglichst breite Zielgruppen zugeschnitten werden.

Gerade daraus entwickelte sich jedoch die Identität des Spiels.

Noch keine ersten veröffentlichten Spiele bekannt

Welche externen Projekte Battlestate tatsächlich unter Vertrag nimmt, steht derzeit noch nicht fest.

Das Unternehmen hat zunächst lediglich die Gründung des Labels sowie den offenen Aufruf an Entwickler bekannt gegeben.

Entsprechend lässt sich noch nicht beurteilen, wie hoch die Budgets ausfallen, welche konkreten Leistungen Battlestate übernimmt oder wie viele Spiele gleichzeitig unterstützt werden sollen.

Auch die ersten Deals dürften zeigen, wie breit die versprochene Genre-Offenheit in der Praxis wirklich ist.

Immer mehr erfolgreiche Entwickler werden selbst zu Publishern

Battlestate Games ist mit diesem Schritt nicht allein.

Gerade erfolgreiche Indie- und AA-Studios nutzen ihre Erfahrung und Einnahmen zunehmend, um anschließend selbst andere Entwickler zu finanzieren oder zu veröffentlichen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Teams, die bereits eigene Spiele gebaut und vermarktet haben, kennen viele Probleme kleinerer Studios aus eigener Erfahrung.

Battlestate bringt zusätzlich eine Community mit, die gerade ungewöhnliche, schwierige und kompromisslose Spiele gewohnt ist.

Ob daraus ein erfolgreicher Publisher entsteht, hängt nun von der Auswahl der ersten Projekte ab.

Die grundsätzliche Richtung ist jedenfalls klar: Battlestate Games Publishing sucht nicht nach dem nächsten möglichst sicheren Mainstream-Spiel, sondern ausdrücklich nach Ideen, die andere Publisher möglicherweise für zu riskant halten.

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Jonas Teichmann

Über den Autor

Jonas Teichmann

Jonas Teichmann ist Texter und E-Sport-Redakteur bei Fragster.de. In seinen Artikeln verbindet er aktuelle News mit klarer Einordnung und einem Blick für die Details, die in der Szene wirklich zählen. Ob CS2, League of Legends oder die großen internationalen Turniere: Jonas bereitet Themen so auf, dass sowohl eingefleischte Fans als auch Neueinsteiger schnell den Überblick bekommen. Sein Fokus liegt auf verständlicher Sprache, sauberer Struktur und dem Anspruch, Entwicklungen nicht nur zu melden, sondern auch nachvollziehbar zu erklären. Dabei greift er Trends, Meta-Änderungen und Teamdynamiken genauso auf wie relevante Hintergrundgeschichten.

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