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Fragster | Mai 24, 2022

Erste Gewerkschaft bei Raven Software entstanden

Am Montag den 23. Mai haben die Mitarbeiter der Qualitätssicherung des Studios Raven Software für eine Gewerkschaft gestimmt. Damit sind sie das erste große Studio in den USA die eine Gewerkschaft hat – und wie es aussieht, werden sie nicht die letzten sein, denn immer mehr Mitarbeiter wollen sich schlechte Arbeitsbedingungen nicht mehr bieten lassen und organisieren sich gewerkschaftlich.

Die Abstimmung wurde live auf Twitch gestreamt. 28 QA-Entwickler des Studios in Wisconsin haben daran teilgenommen und das Ergebnis waren 19 Ja- und drei Nein-Stimmen. Damit hat sich die Gewerkschaft durchsetzen können.

Anerkannte Gewerkschaft bei Raven Software

Unter dem Namen Game Workers Alliance (GWA) ist die Gewerkschaft jetzt vom National Labor Relations Board rechtlich anerkannt und kann ihren ersten Vertrag mit Activision Blizzard aushandeln, um eine bessere Bezahlung und andere verbesserte Arbeitsbedingungen zu erreichen. Das wurde auch Zeit, denn Activision Blizzard und andere große Unternehmen sind mittlerweile bekannt für schlechte Arbeitsbedingungen und miese Bezahlung.

In einem Statement der GWA heißt es: “Activision Blizzard hat unermüdlich daran gearbeitet, unsere Bemühungen um die Gründung unserer Gewerkschaft zu untergraben, aber wir haben uns nicht unterkriegen lassen. Jetzt, da wir die Wahl gewonnen haben, ist es unsere Pflicht, diese grundlegenden Werte zu schützen, auf denen unsere Gewerkschaft steht.”

Activision Blizzard sieht die Formung der Gewerkschaft nicht so gerne: “Wir respektieren und glauben an das Recht aller Angestellten, zu entscheiden, ob sie eine Gewerkschaft unterstützen oder nicht. Wir glauben, dass eine wichtige Entscheidung, die das gesamte Raven Software-Studio mit etwa 350 Mitarbeitern betrifft, nicht von 19 Raven-Mitarbeitern getroffen werden sollte.”

Letztes Jahr im Dezember protestieren 60 Mitarbeiter für bessere Arbeitsbedingungen. Das hat dazu geführt, dass einige der QA-Mitarbeiter entlassen wurden. Unter dem Druck der neuen Gewerkschaft verpflichtete sich Activision Blizzard später, allen verbleibenden QA-Mitarbeiter mehr zu zahlen und den Mindestlohn auf 20 Dollar pro Stunde zu erhöhen. Die gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter waren die einzigen, die von der Gehaltserhöhung ausgeschlossen waren. Nun werden sie ihre eigenen Löhne aushandeln müssen.

Activision wollte Gewerkschaft um jeden Preis verhindern

Der Verhandlungsprozess selbst war nicht gerade einfach und Raven QA stieß auf jede Menge Widerstand. Als die Mitarbeiter im Januar ihre Absicht ankündigten, wehrte sich Activision Blizzard mit Händen und Füßen. Der Verwaltungschef von Activision Blizzard, Brian Bulatao, hatte seine Mitarbeiter in einer E-Mail sogar regelrecht angefleht, sich nicht gewerkschaftlich zu organisieren.

Als die QA-Mitarbeiter von Raven sich trotzdem gewerkschaftlich organisieren wollten, versuchte das Unternehmen, eine Abstimmung im gesamten Studio zu erzwingen, anstatt nur die wenigen Dutzend Mitarbeiter entscheiden zu lassen. Das National Labor Relations Board (NLRB) lehnte auch diesen Versuch ab, und stattdessen starteten die Activision-Manager eine lange, gewerkschaftsfeindliche Kampagne und behaupteten sogar, dass eine gewerkschaftliche Organisation zu schlechteren Spielen führen würde.

Andere Unternehmen organisieren sich ebenfalls

In den letzten Monaten war Activision auch mit mehreren Klagen wegen Verletzung von Arbeitnehmerrechten konfrontiert und hat auch hier verloren. Die NLRB teilte am Montag mit, dass ihr Regionalbüro in Los Angeles eine Beschwerde vom Dezember für begründet hielt, in der dem Unternehmen vorgeworfen wurde, Mitarbeiter auszuspionieren und zu bedrohen, weil sie untereinander über die Arbeitsbedingungen diskutierten, und dass seine Richtlinien für soziale Medien übermäßig restriktiv seien.

Activision ist jedoch nicht das einzige große Videospielunternehmen, das von der NLRB verstärkt unter die Lupe genommen wird. Auch das nordamerikanische Vodeo Games hat sich im letzten Jahr gewerkschaftlich organisiert. Nicht nur in der Gaming Industrie organisieren sich Gewerkschaften. Auch bei Amazon, Starbucks und Apple haben sich mittlerweile Gewerkschaften gebildet.

 

Bildnachweis: @WeAreGWA | Twitter