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leni | Dezember 7, 2022

Epic Games: miese Verträge und schlechte Bezahlung von Künstlern?

Die Illustratorin Deb JJ Lee hat ein Freelance-Jobangebot von Epic Games abgewiesen, denn der Vertrag wäre mies gewesen und die Bezahlung ebenfalls schlecht. Die Künstlerin wies darauf hin, dass Fortnite jedes Jahr Milliarden von Dollar einbringt und es sich durchaus leisten kann, ein normales Gehalt zu zahlen.

Hinter den Spielen, die wir alle so gerne zocken, steckt jede Menge kreative Arbeit. Harte Arbeit. Tausende Illustratoren, Künstler, Entwickler und weitere Kreative arbeiten teils jahrelang an den Ideen um uns ein fantastisches Spiel zu liefern. Es wäre also nur fair, wenn man sie auch gut bezahlen würde oder? Epic Games sieht das anscheinend nicht so. In Bezug auf den Umgang mit Künstlern und deren Urheberrechten haben sie einen verdammt schlechten Ruf und der wurde jetzt mal wieder bestätigt.

Künstlerin wehrt sich gegen Epic Games

Vor kurzem hat der Fortnite-Entwickler einer Künstlerin 3.000 Dollar für eine Illustration und das Urheberrecht angeboten – was bedeutet, dass die Künstlerin die Drucke nicht verkaufen oder die Kunst anderswo veröffentlichen kann. Sie lehnte ab. Jetzt wehren sich mehrere Künstler gegen diese Verträge, in denen sie kaum Recht haben und schlecht bezahlt werden.

Bei dieser Künstlerin handelt es sich um Deb JJ Lee. Sie hat getwittert, dass sie ein Angebot über 3.000 Dollar für eine Illustration für Fortnite bekommen hat, es aber mit der Begründung abgelehnt hat, dass sie sich für das “Wohlergehen von freiberuflichen Künstlern” einsetzt. Während 3000 Dollar für uns in Europa erstmal nach viel Geld klingt, sind die Kosten in den USA oft sehr viel höher. Außerdem muss das Gehalt noch versteuert werden und dann bleibt nicht mehr viel, bzw. gar nichts übrig.

“Mit dem gegebenen Budget fühlt es sich nicht ethisch an, dieses Projekt in Angriff zu nehmen”, tweetete sie. “Die Zeit, die ich für einen WFH-Auftrag für so ein Spiel benötigen würde, bei dem ich nicht einmal Drucke verkaufen kann, würde mir kaum ein existenzsicherndes Einkommen ermöglichen.” Lee schätzte, dass die Art der erforderlichen Illustration “Wochen” an Arbeit in Anspruch nehmen würde, und wies darauf hin, dass Fortnite Milliarden von Dollar scheffelt.

Epic Games hat genug Geld

Lee hoffte, dass das Anwaltsteam die Vertragsbedingungen überdenken würde. Nach Angaben des Künstlers behaupteten die Vertreter, dass alle Verträge “festgelegte Bedingungen für Honorare und Konditionen” hätten und dass das Unternehmen “nicht die Zeit und die Arbeitskraft habe, jeden einzelnen zu verhandeln.” Allerdings hatte Fortnite die Anwälte, um Apple wegen der App-Store-Gebühren zu verklagen und um gegen Betrüger vorzugehen! Ob Epic nun unterbesetzt ist oder nicht, es sieht trotzdem schlecht aus, dass der Standardvertrag so geizig gestaltet ist.

Lee betonte, dass eine lizenzierte Nutzung etwas anderes ist als ein Buyout. Im ersten Fall behält der Künstler die Rechte an seinem Werk. Bei letzterem verkauft der Künstler seine Exklusivitätsrechte, was bedeutet, dass die Kosten höher sein können. Lee erzählte auch, dass sie ihr Urheberrecht schon einmal für Zehntausende von Dollar an einen großen Kunden verkauft haben.

“Das Urheberrecht ist wahrscheinlich eine, wenn nicht sogar die wertvollste Sache, die ein Künstler verkaufen kann”, so Lee. “Wenn ich das Urheberrecht an meiner Illustration für Fortnite abgebe, bedeutet das, dass Epic rechtlich in der Lage ist, unendlich viel Geld mit meiner Illustration zu verdienen, die sie nach Belieben und wann immer sie wollen wiederverwenden können, egal ob es sich um gedrucktes Merch, eine Instagram-Werbung oder eine große Werbetafel handelt.”

Weitere Künstler schließen sich Lee an

Mehrere professionelle Künstler haben Lee unterstützt und vertreten ebenfalls ihren Standpunkt. Andere Künstler haben von ähnlichen Fällen in ihrer Karriere berichtet, in denen Kunden Preise vorschlugen, die für die Künstler bei weitem nicht ausreichend waren, um davon zu leben. “Mehr zu verlangen … wird einem Multi-Milliarden-Dollar-Unternehmen nicht schaden.”, sagte Lee.

Einer ihrer Kunden für Tabletop-Rollenspiele bot ihr mit Kickstarter-Geldern “ein viel besseres Angebot”. Man kann nur hoffen, dass mehrere Künstler anfangen, solche schlechten Angebote abzulehnen, damit Epic Games, genauso wie andere Firmen, endlich anfängt, die Arbeit der Kreativen wertzuschätzen und auch gerecht zu bezahlen. Denn ohne Kreative gäbe es keine Spiele.