Der US-Videospielriese Electronic Arts (EA) steht offenbar kurz vor einem historischen Eigentümerwechsel. Laut einem Bericht des Wall Street Journal bereitet ein Konsortium aus Private-Equity-Investoren, darunter Silver Lake sowie der saudische Staatsfonds PIF (Public Investment Fund), eine Übernahme im Volumen von rund 50 Milliarden US-Dollar vor. EA, der Entwickler und Publisher von Marken wie Madden NFL, The Sims, Battlefield und Mass Effect, soll im Zuge dessen von der Börse genommen werden.
Aktienkurs springt um 14 %
Die Nachricht löste an der Börse sofort eine deutliche Reaktion aus: Die EA-Aktie kletterte um 14 % auf 193 US-Dollar pro Anteilsschein. Sollte die Übernahme tatsächlich umgesetzt werden, wäre dies eine der größten Leveraged Buyouts (fremdfinanzierten Übernahmen) aller Zeiten. Beobachter rechnen mit einer offiziellen Bekanntgabe bereits in der kommenden Woche.
Hintergründe: Schwache Spiele, harte Einschnitte
Die mögliche Übernahme folgt auf zwei Jahre voller Umstrukturierungen bei EA:
- Massenentlassungen und Studioschließungen
- Schlechte Verkaufszahlen bei EA Sports FC 25
- Verhaltener Start von Dragon Age: The Veilguard
Diese Faktoren haben den Druck auf das Unternehmen erheblich erhöht und das Interesse externer Investoren verstärkt.
Saudi-Arabiens wachsender Einfluss im Gaming-Sektor
Gerüchte über eine mögliche Übernahme von EA kursierten bereits 2022. Ein Jahr später erhöhte der Public Investment Fund (PIF) seine Beteiligung auf rund 25 Millionen EA-Aktien – damals knapp 9,4 % des Unternehmens. Parallel dazu baute der Fonds seine Positionen bei weiteren Spieleentwicklern und -publishern aus und übernahm 2023 direkt den Free-to-Play-Anbieter Scopely.
Der PIF ist eine staatlich kontrollierte Organisation unter Leitung des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman (MBS).
Kritik an Saudi-Investitionen
Die zunehmenden Aktivitäten des PIF im Games-Sektor stoßen international auf Kritik. Hintergrund sind die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien, insbesondere die Einschränkungen von Frauenrechten und die Repressionen gegen LGBTQ-Personen.
Kritiker werfen Riad vor, mit massiven Investitionen in Sport und Unterhaltung ein „Image-Washing“ zu betreiben, um von diesen Defiziten abzulenken. Für die Gaming-Branche stellt der mögliche Einstieg des saudischen Staatsfonds bei einem Schwergewicht wie EA daher nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine politische Debatte dar.
