Kurt Kuhlmann hat erklärt, warum The Elder Scrolls 6 bis heute nicht erschienen ist. Der frühere Loremaster der Reihe und Co-Lead-Designer von Skyrim war der Ansicht, dass die Mehrheit der Belegschaft von Bethesda Game Studios nach Fallout 4 mit einer direkten Rückkehr nach Tamriel gerechnet hatte.
Stattdessen kamen Fallout 76 und Starfield. Beides, so Kuhlmann, nicht aus dem Studio heraus, sondern von oben.
Die Aussagen stammen aus einem Gespräch mit dem FRVR-Podcast. Kuhlmann ist dabei kein beliebiger Zeitzeuge: Er kam 1996 zu Bethesda, schrieb die Hauptquestreihe von Oblivion und verantwortete bei Skyrim mit das Design.
Der unterbrochene Rhythmus
Bethesda hatte über Jahre einen festen Wechsel etabliert: Fallout, dann Elder Scrolls, dann wieder Fallout. Kuhlmann beschreibt das als angenehmen Takt, weil der Wechsel zwischen Reihen und Genres dem Team alle paar Jahre etwas grundlegend Neues bot.
Nach diesem Muster wäre nach Fallout 4 von 2015 der nächste Elder-Scrolls-Teil an der Reihe gewesen. Man habe genau das erwartet, sagt Kuhlmann sinngemäß, denn so habe man es immer gehalten.
Rechnerisch hätte das gepasst: Zwischen Skyrim 2011 und Fallout 4 lagen vier Jahre. Ein Elder Scrolls 6 um 2019 wäre keine unrealistische Annahme gewesen.
Fallout 76 zog das ganze Studio hinein
Der erste Bruch war Fallout 76. Nach Kuhlmanns Darstellung war das Projekt gar nicht für das Hauptstudio vorgesehen. Ursprünglich sollten es die BattleCry Studios übernehmen, das heutige Bethesda Game Studios Austin, nachdem deren eigenes Spiel eingestellt worden war.
Am Ende band der Mehrspielerableger dann doch Entwickler aus dem Hauptteam. Und selbst danach stand kein Elder Scrolls 6 an. Man sei nie kurz davor gewesen, plötzlich an Teil sechs zu arbeiten, obwohl sich das die meisten gewünscht hätten.
„Ratet mal, Team, wir machen jetzt ein Weltraumspiel“
Der zweite und folgenreichere Bruch war Starfield. Kuhlmann beschreibt die Entscheidung als Vorgabe, nicht als gemeinsamen Wunsch. Todd Howard habe die Genehmigung für Bethesdas erstes neues geistiges Eigentum seit Jahrzehnten gesichert, ein ambitioniertes Projekt, das das größte Weltraum-Rollenspiel aller Zeiten werden sollte.
Die Ankündigung an die Belegschaft fiel nach Kuhlmanns Schilderung entsprechend aus. Es sei nicht so gewesen, dass alle im Studio unbedingt ein Weltraumspiel hätten machen wollen. Vielmehr habe es geheißen: Ratet mal, Team, wir machen jetzt dieses Weltraumspiel.
Gefragt, ob er lieber an Teil sechs gearbeitet hätte, bejahte Kuhlmann und ergänzte, das gelte vermutlich für die Mehrheit des Studios.
Kuhlmanns eigene Erklärung dafür, dass Howard damit durchkam: Der Erfolg von Fallout 4 habe ihm gegenüber Bethesda und ZeniMax den nötigen Spielraum verschafft.
Die Zeitrechnung
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 2011 | Skyrim erscheint |
| 2015 | Fallout 4 erscheint, Erwartung im Studio: als Nächstes Teil sechs |
| 2018 | Ankündigung von Elder Scrolls 6 mit einem Teaser bei der E3 |
| 2018 | Fallout 76 erscheint |
| 2023 | Starfield erscheint |
| 2026 | weiterhin keine substanziellen Informationen zu Teil sechs |
Seit dem Teaser von 2018 sind acht Jahre vergangen. Öffentlich zu sehen war seither im Wesentlichen eine Bergkette.
Ein Detail, das die Dauer erklärt
Ein Nebensatz Kuhlmanns führt zu Howards eigener Aussage von 2023. Damals räumte der Studiochef ein, er habe geglaubt, die Antworten schneller zu finden. Sieben Jahre habe Starfield gebraucht, um überhaupt einen Zustand zu erreichen, in dem es Spaß machte.
Wer diese Zahl neben die Zeitrechnung legt, versteht die Lücke besser. Nicht die Entscheidung für Starfield allein hat Teil sechs verzögert, sondern der Aufwand, den ein neues geistiges Eigentum ohne bestehende Grundlagen erzeugt.
Kuhlmann nennt zudem einen weiteren Faktor: Das Erscheinen von The Elder Scrolls Online dürfte den Durst der Fans nach einem neuen Teil zumindest teilweise gestillt haben.
Was das über die Lage bei Bethesda sagt
Kuhlmann urteilt nicht einseitig. Er hält den regelmäßigen Wechsel zwischen den Reihen ausdrücklich für einen Gewinn und beschreibt es als angenehm, alle paar Jahre etwas völlig anderes vor sich zu haben.
Bemerkenswert bleibt die Schilderung trotzdem. Ein Studio, dessen Belegschaft mehrheitlich an einer bestimmten Marke arbeiten will, verbringt stattdessen acht Jahre mit zwei Projekten, die beide gemischt aufgenommen wurden. Fallout 76 startete katastrophal, Starfield erhielt gemischte Wertungen und ging bei den Preisverleihungen weitgehend leer aus.
Ob das für Teil sechs Gutes oder Schlechtes bedeutet, lässt sich daraus nicht ableiten. Bethesda selbst erklärt seit Jahren, man liege im Plan und wolle es richtig machen. Nach acht Jahren Schweigen ist das eine Aussage, die schwer zu überprüfen ist.
Einzuordnen bleibt außerdem, dass Kuhlmann das Unternehmen verlassen hat. Seine Schilderung ist die eines Beteiligten mit Innensicht, aber eben auch die eines Ehemaligen, dem Bethesda bislang nicht widersprochen hat.

