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donk verteidigt Spirit-Coach hally nach EWC-Zittersieg

Jonas Teichmann
Jonas Teichmann Chefredakteur & Esports-Experte

Team Spirit steht bei der Esports World Cup 2026 in den Playoffs – überzeugend war der Weg dorthin allerdings nicht. Nach dem hart erkämpften 2:1 gegen BIG sprach Danil „donk“ Kryshkovets ungewöhnlich offen über die Probleme seines Teams. Besonders deutlich wurde der 19-Jährige bei der Kritik an Head Coach Sergey „hally“ Shavaev: Wer hally nicht für einen großartigen Coach halte, liege seiner Ansicht nach schlicht falsch.

Die Verteidigung kommt zu einem interessanten Zeitpunkt. Spirit gehörte vor dem Turnier zu den Favoriten, verlor in Paris aber bereits das Auftaktmatch gegen JiJieHao und hatte anschließend auch gegen deutlich niedriger eingeschätzte Gegner Probleme. Gegen BIG stand das Team zeitweise kurz vor dem Aus.

BIG bringt Spirit an den Rand des Ausscheidens

Für BIG war die Serie gegen Spirit eine große Chance, doch am Ende blieb der deutschen Organisation nur ein bitteres 1:2.

Auf Cache spielte BIG zunächst eine hervorragende T-Seite und brachte Spirit früh aus dem Konzept. Besonders die Vorbereitung und das Utility-Spiel der Deutschen bereiteten Spirit erhebliche Probleme. BIG gewann die Map mit 13:9.

donk gab anschließend selbst zu, dass sein Team dort klar unterlegen gewesen sei.

„Ich denke, wir hätten dieses Best-of-Three ehrlich gesagt verdient verloren. Auf Cache wurden wir einfach komplett ausgespielt“, erklärte der Spirit-Star nach der Partie.

Auf Dust2 sah es zunächst kaum besser aus.

BIG führte zwischenzeitlich deutlich und Gleb „gr1ks“ Gazin sorgte unter anderem mit einem spektakulären 1v3-Clutch sowie vier Kills in einer Pistol Round für wichtige Runden. Spirit lag zeitweise mit 5:10 zurück.

Dann kippte die Serie.

Spirit gewann acht Runden in Folge und drehte Dust2 noch zum 13:10. Auf Mirage hielt BIG zunächst mit, konnte seine gute CT-Seite anschließend aber nicht in einen Sieg verwandeln. Spirit entschied die letzte Map mit 13:7 für sich.

MapSpiritBIG
Cache913
Dust21310
Mirage137
Serie21

donk war mit 65 Kills bei 45 Toden der entscheidende Spieler der Serie.

donk verschweigt Spirits konkrete Probleme bewusst

Dass bei Spirit derzeit trotzdem nicht alles rundläuft, bestreitet donk nicht.

Bereits zum Start des EWC hatte das Team überraschend mit 10:13 gegen JiJieHao verloren. Anschließend musste Spirit auch gegen Luminosity deutlich mehr investieren als erwartet.

Nach dem BIG-Match wurde donk deshalb gefragt, was momentan innerhalb des Teams nicht funktioniert.

Eine genaue Antwort wollte er nicht geben – allerdings aus einem nachvollziehbaren Grund. Spirit kenne seine Probleme und arbeite daran, wolle den kommenden Gegnern aber nicht verraten, wo die Schwächen liegen.

Einige der Schwierigkeiten ließen sich laut donk außerdem nicht innerhalb von ein oder zwei Tagen lösen. Die Pause vor den Playoffs müsse nun genutzt werden, um zumindest einen Teil davon zu beheben.

Kritik an hally wurde nach S0tF1ks Erfolgen lauter

Damit kommt automatisch die Trainerfrage ins Spiel.

hally musste im Frühjahr aus gesundheitlichen Gründen mehrere Turniere auslassen. Dmitry „S0tF1k“ Forostyanko aus der Spirit-Academy übernahm vorübergehend seine Aufgaben.

Ausgerechnet während dieser Phase verbesserten sich die Ergebnisse deutlich.

Bei der IEM Rio erreichte Spirit das Finale. Anschließend gewann das Team die PGL Astana 2026 mit einem 3:0 gegen Falcons und beendete damit eine neunmonatige Durststrecke ohne Turniersieg.

Spieler lobten in Interviews insbesondere S0tF1ks Arbeit an Grundlagen, Utility und kleineren taktischen Fehlern. Dadurch entstand innerhalb der Community schnell die Frage, ob Spirit ohne hally möglicherweise sogar besser funktioniert.

Im Juni reagierte die Organisation darauf mit einer neuen Struktur. hally blieb beziehungsweise wurde wieder Head Coach und Verantwortlicher für die grundsätzliche Spielphilosophie, während S0tF1k zusätzlich an Bereichen wie Strategien, Mechaniken und Granaten arbeiten sollte.

Die Diskussion um hally verschwand damit allerdings nicht.

„Es ist dumm, hally nicht als großartigen Coach zu sehen“

donk stellt sich nun ausdrücklich gegen diese Kritik.

Für ihn wird die öffentliche Wahrnehmung eines Trainers viel zu stark von kurzfristigen Ergebnissen bestimmt.

„Wenn du gewinnst, wirst du geliebt. Wenn du verlierst, wirst du gehasst. Das ist Counter-Strike“, erklärte donk.

Anschließend wurde er noch deutlicher:

„Es ist dumm, hally nicht als großartigen Coach zu sehen.“

donk verweist dabei insbesondere auf Spirits Erfolge, bevor er selbst Ende 2023 in das Hauptteam aufstieg.

Die damalige Mannschaft erreichte 2022 das Halbfinale beim PGL Major Antwerp und wenige Monate später das Viertelfinale des IEM Rio Major. Spirit gehörte in dieser Phase zeitweise zu den fünf besten Teams der Welt.

Eine historische Besonderheit gehört allerdings zur Einordnung: hally war zwar Head Coach und hatte am Aufbau der Antwerp-Mannschaft erheblichen Anteil, durfte während des Majors selbst aber nicht hinter den Spielern stehen. Valve und PGL hatten ihn wegen eines früheren Vorfalls im Zusammenhang mit dem bekannten Spectator-Bug vom Turnier ausgeschlossen. Seine Sperre wurde später im Jahr 2022 aufgehoben.

Beim Rio Major war er wieder regulär Teil des Teams.

Spirit hat vor den Playoffs noch Arbeit vor sich

Unabhängig von der Trainerdebatte dürfte Spirit mit seiner bisherigen Leistung in Paris kaum zufrieden sein.

Das Team gehört individuell weiterhin zu den stärksten Line-ups des Turniers, musste sich seinen Playoff-Platz aber wesentlich härter erarbeiten als erwartet. Gerade die deutliche Niederlage auf Cache gegen BIG zeigte Schwächen, die stärkere Gegner im K.-o.-Teil bestrafen könnten.

Das EWC-Format lässt Spirit zumindest etwas Zeit. Die Gruppenphase endet am 16. August, die anschließenden Single-Elimination-Playoffs laufen vom 19. bis 23. August. Der genaue Gegner von Spirit steht zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht fest.

Für BIG ist das Turnier dagegen beendet. Die deutsche Organisation zeigte gegen einen der Turnierfavoriten über weite Strecken eine starke Serie, konnte eine ausgezeichnete Ausgangslage auf Dust2 aber nicht verwerten.

Spirit lebt weiter – und die Diskussion um hally ebenfalls. donk hat zumindest unmissverständlich klargemacht, auf welcher Seite er dabei steht.

Quelle: HLTV

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Jonas Teichmann

Über den Autor

Jonas Teichmann

Jonas Teichmann ist Texter und E-Sport-Redakteur bei Fragster.de. In seinen Artikeln verbindet er aktuelle News mit klarer Einordnung und einem Blick für die Details, die in der Szene wirklich zählen. Ob CS2, League of Legends oder die großen internationalen Turniere: Jonas bereitet Themen so auf, dass sowohl eingefleischte Fans als auch Neueinsteiger schnell den Überblick bekommen. Sein Fokus liegt auf verständlicher Sprache, sauberer Struktur und dem Anspruch, Entwicklungen nicht nur zu melden, sondern auch nachvollziehbar zu erklären. Dabei greift er Trends, Meta-Änderungen und Teamdynamiken genauso auf wie relevante Hintergrundgeschichten.

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