Image

Die Frage, die nie beantwortet scheint: Ist Poker nun ein Sport oder nicht?

Autoren-Bild Andrea Mertens Mai 23, 2025

Wer schon einmal in einer hitzigen Diskussion darüber saß, was denn nun eigentlich ein Sport ist und was nicht, merkt schnell, dass die Gemüter ganz schön unterschiedlich denken.

Der eine sagt, nicht mal Golf sei ein Sport. Der andere behauptet, eSports verdienen diesen Titel mehr als Breakdancing. Die Debatte ist also lebendig und die Argumente sind so vielfältig wie die Meinungen selbst.

Doch wie kann man ein für alle mal entscheiden, ob Poker nun ein Sport ist oder nicht? In diesem Artikel wagen wir einen Anlauf und stellen ein paar verschiedene Positionen gegenüber, die uns dabei helfen sollen, die unmögliche Frage kompetent einzuordnen und eine persönliche Meinung zu entwickeln.

In Deutschland haben bereits 75 % der Menschen zumindest einmal im Online Casino gespielt, und viele davon haben eben auch Poker ausprobiert. Das Internet hat Poker professionalisiert und strukturiert, und bringt es damit auf Augenhöhe mit vielen anderen anerkannten Sportarten.

Aber zunächst gilt es, sich mal richtig mit Poker vertraut zu machen. Denn das Spiel ist ziemlich gut zugänglich. Heute kann fast jeder, der neugierig ist, ohne Anmeldung online Poker spielen und sich selbst ein Bild machen.

Das senkt die Hemmschwelle und macht erfahrbar, wie komplex das Spiel wirklich ist – schon in einfachen Runden. Und wer dann einmal im digitalen Turnierraum wie bei https://www.hochgepokert.com/casino/ saß, merkt schnell, dass man hier ohne Vorbereitung nicht weit kommt.

Den Begriff Sport besser verstehen

Doch was ist Sport eigentlich? Manche sagen, dass Sport körperlich fordernd sein muss. Man rennt, springt, jagt anderen hinterher und rennt sie womöglich um. Man blockt, wirft, klettert, fängt einen Ball oder wirft einen Speer. Klar, all diese Bestandteile können beim Sport vorhanden sein. Aber trotzdem können sie nicht die einzigen Marker sein.

Denn man könnte ja auch vom Wettkampfcharakter einer Aktivität sprechen oder auf die mentale Ausdauer verweisen, die man dafür braucht. Wieder andere halten einfach alles für Sport, bei dem man ein bisschen trainiert und nicht sofort wieder aufhört.

Offizielle Definitionen helfen da kaum weiter. In Deutschland gibt es keine allgemeingültige rechtliche Definition von Sport und in anderen Ländern sieht es ähnlich aus. Die olympischen Spiele bieten zwar eine Art Referenzrahmen, aber auch dort haben längst nicht alle Disziplinen den gleichen Charakter.

Schließlich ist auch Schießen olympisch, obwohl dort niemand ins Schwitzen kommt, zumindest nicht körperlich. Und das tut man bei Karate auf jeden Fall, und trotzdem findet man diesen Sport bei den olympischen Spielen nicht.

Argumente gegen Poker als Sport

Beginnen wir also mal mit der skeptischen Seite. Poker sieht auf den ersten Blick tatsächlich nicht nach Sport aus. Man sitzt. Man hebt Karten. Man spricht wenig. Von außen betrachtet passiert so gut wie nichts, und das stundenlang.

Und dann ist da noch der Zufallsfaktor. Die Karten, die man bekommt, kann man sich nicht aussuchen. Wer also mit Poker argumentiert, dass es Können statt Glück sei, muss gut erklären, warum auch Anfänger manchmal Profis schlagen, und nicht nur einmal.

Auch körperlich messbare Leistung fehlt weitgehend. Es gibt keine Distanzen, keine Gewichte, keine Zeiten. Und wer Sport automatisch mit Bewegung gleichsetzt, wird mit Poker vermutlich nie ganz warm. Zumindest eben nicht als Sport.

Argumente für Poker als Sport

Wer sich dagegen mit der Welt des professionellen Pokers beschäftigt, merkt schnell, dass es hier gar nicht nur um Glück geht. Profispieler trainieren täglich. Sie analysieren Spielzüge, verinnerlichen Wahrscheinlichkeiten, lernen, ihre Emotionen zu kontrollieren. Und sie tun das mit einer Ernsthaftigkeit, die viele sogenannte klassische Sportarten in nichts nachsteht.

Außerdem gibt es nationale und internationale Turniere, Weltmeisterschaften, Rankings und Preisgelder in Millionenhöhe. Spieler wie Carlos Mortensen, Shannon Shorr, Josh Arieh und Shaun Deeb haben nach einem einzelnen Pokerspiel bereits jeweils 12 Millionen US-Dollar verdient.

Mentaler Druck, taktisches Denken und stundenlange Konzentration machen das Spiel zu einer echten Herausforderung, allerdings eben für den Kopf, nicht für die Beine.

Poker als Denksport

Vielleicht liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Man muss Poker nicht gleich als Leichtathletik-Ersatz sehen, um ihm sportlichen Charakter zuzugestehen. Viele Beobachter schlagen deshalb eine Zwischenkategorie vor, und die soll sich Denksport nennen. In Indien und Brasilien ist Poker als solcher bereits offiziell anerkannt.

Wie Schach oder Bridge verlangt Poker strategische Planung, tiefes Verständnis und psychologisches Geschick. Und wer einmal versucht hat, sich über mehrere Stunden nicht in die Karten schauen zu lassen, weiß, dass auch das seine ganz eigene Form von Leistung ist.

Eine Studie von Marco Alberto Javarone zeigt, dass rationale Spieler in Pokerturnieren signifikant erfolgreicher sind als irrationale Spieler, was darauf hindeutet, dass Poker als Geschicklichkeitsspiel klassifiziert werden kann.

Vielleicht ist Poker einfach ein Symbol dafür, dass wir unseren Sportbegriff überdenken sollten. In einer Welt, in der sich eSports immer weiter etablieren, Schach von Millionen live verfolgt wird und Breakdance olympisch wird, darf auch Poker zumindest die Frage stellen. Bin ich vielleicht doch ein Sport?

Es geht am Ende nicht darum, jedem Wettbewerb sofort den Sportstempel aufzudrücken. Aber wenn wir geistige Höchstleistung, Konzentration, Strategie und Disziplin ernst nehmen, dann sollte auch Poker seinen Platz in der Debatte bekommen. Und den hat er ja auch schon, was manche schon für ein Argument an sich halten.

Eine Definitionsfrage mit offenem Ende

Ob Poker nun Sport ist oder nicht, wird wohl auch in den nächsten Jahren niemand endgültig beantworten. Aber vielleicht muss man das auch gar nicht. Vielleicht reicht es schon, Poker als das zu sehen, was es ist. Und das ist eine anspruchsvolle, faszinierende und sehr professionelle Disziplin, die Kopf, Mut und jede Menge Menschenkenntnis erfordert.

Und wer es ausprobiert hat, weiß auf jeden Fall, dass man schon im Sitzen ins Schwitzen geraten kann.

Autoren-Bild

Über Andrea Mertens |

Andrea Mertens ist seit über 15 Jahren als Sportjournalistin tätig und berichtet seit fünf Jahren intensiv über die Welt des Esports. Mit ihrer langjährigen Erfahrung im klassischen Sportjournalismus bringt sie fundiertes Fachwissen, analytische Kompetenz und ein tiefes Verständnis für Wettkampfstrukturen in ihre Berichterstattung ein.Ihr Fokus liegt auf der Schnittstelle zwischen traditionellem Sport und kompetitivem Gaming. Ob große Turniere, Team-Analysen oder Entwicklungen in der Esports-Szene - Andrea verbindet journalistische Präzision mit Leidenschaft für Gaming-Kultur. Besonders gerne schreibt sie über Titel wie Counter-Strike, League of Legends und Valorant, behält aber auch branchenübergreifende Trends stets im Blick.Durch ihre klare, zugängliche Schreibe macht sie komplexe Themen für ein breites Publikum verständlich und liefert sowohl Einsteigern als auch erfahrenen Fans wertvolle Einblicke. Bei Fragster.de berichtet Andrea über aktuelle News, Hintergründe und die spannendsten Geschichten aus Sport und Esports.

Mehr Artikel von diesem Autor →