Das VALORANT Jahr 2020

RIOT’s erster Einstieg in das Shooter-Genre hat dem Entwickler so einiges positives Feedback beschert. Auch wenn das Spiel zum Release selbstverständlich einige Probleme hatte, ist es bereits in einem Zustand den viele ältere Titel gerne erreichen würden. VALORANT gibt es noch nicht einmal seit einem ganzen Jahr, und doch hat die kompetitive Szene uns so einige erinnerungswürdige Momente beschert.

Im Mai 2020 fand das erste richtige VALORANT Event statt. Der LVL Clash wurde damals noch exklusiv für deutsche Teams angeboten. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch kaum Profiteams und so gewann ein Team namens ‘VALORANDO’ dieses Event. Mit Niels “luckeRRR” Jasiek war aber bereits ein zukünftiger Profi an Bord. Marcel “rAx” Klenner, Christian “ItzzChrizZ” Blank, René “Braexco” Rehling und Alexander “Caint” Syukrin bildeten den Rest des Squads. Alle fünf kamen, wie viele andere Spieler, aus Counter-Strike, PUBG, Overwatch oder Fortnite und versuchten in diesem neuen Spiel, ihre Karrieren neu zu beleben.

Für diese fünf lief das bislang weniger erfolgreich, doch es gibt jetzt schon so einige Star-Spieler. Mit Oscar “mixwell” Cañellas verließ ein dekorierter Veteran die Counter-Strike-Szene und versuchte, sich in VALORANT zu etablieren. Zunächst war er Teil eines Mix-Teams, bis er in das erste IGNITION Series Event eintrat.

MIXWELL ZIEHT DURCH DIE IGNITION SERIES

Diese Turniere wurden von RIOT sanktioniert und von anderen Organisatoren veranstaltet. Sie sollten als Vorgeschmack zu den richtigen kompetitiven VALORANT-Circuit dienen, den der Entwickler im nächsten Jahr aufbauen wollte. Beim G2 Esports Invitational tauchte mixwell auf und gewann mit seinen Jungs prompt das Event. Das Team war praktisch unbesiegbar und so war es keine Überraschung, dass er als erster Spieler des G2-Lineups angekündigt wurde. Im Juni und Juli folgten langsam die restlichen Vier, sodass zum August-Beginn ein voller Roster stand.

Dieses Team zog anschließend durch alle verbleibenden IGNITION Series Events und holte jedes Mal den ersten Platz. Damit sind mixwell und David “Davidp” Prins die einzigen Spieler, die jedes dieser RIOT-Turniere gewonnen haben. Doch die Europäer sind nicht das einzige beeindruckende Team, das seinen regionalen Wettkampf dominieren konnte. Auf nordamerikanischem Boden waren es zwei Teams, die sich die IGNITION-Siege untereinander aufgeteilt haben.

TSM UND SENTINELS

T1 war das erste Profi-Team weltweit, das einen VALORANT-Spieler verpflichtete. Braxton “brax” Pierce war ein ehemaliger Counter-Strike-Spieler, der aufgrund von Matchfixing in jungen Jahren von Valve-Events verbannt wurde. Damit bestand praktisch keine Möglichkeit für ihn, bei einem großen Team unterzukommen, das Major-Ambitionen hatte.  Sein Wechsel zu dem neuen Spiel war also verständlich und über die nächsten Monate hinweg wurde um ihn herum ein starker Roster aufgebaut. Dieses Team durfte dann auch im ersten IGNITION Series Event der Region teilnehmen. Dort schafften brax und Co. auch den Einzug ins Finale – doch den Sieg bekamen sie nicht.

Denn Team SoloMid hatten über die Monate hinweg ebenfalls ein Team aufgebaut, welches aus Counter-Strike-Veteranen bestand. Unter der Führung von Stephen “reltuC” Cutler erspielten sich James “hazed” Cobb, Matthew “Wardell” Yu, Yassine “Subroza” Taoufik und Taylor “drone” Johnson einen 3-0 Sieg und die Trophäe des T1 x Nerd Street Gamers Showdowns. Beim PAX Arena Invitational kamen sie unversehrt aus der Gruppe raus, doch bald trafen sie auf einen neuen Gegner. Die Sentinels hatten bislang eher schwach aufgespielt, doch bei diesem Turnier stiegen sie zur Top-Form auf. In einem absolut einseitigen 2-0 Match fegten sie TSM vom Server. Später holten sie auch gleich den Turniersieg gegen Cloud9, womit dem TSM-Jungs die Chance zum Wiederholungssieg verwehrt blieb.

Doch das gleiche geschah mit den Sentinels beim nächsten IGNITION Series Event. Das FaZe Clan Invitational bot ein unbeschreiblich spannendes Finale, in dem Team SoloMid mit einem Overtime-Sieg auf der letzten Map gerade noch einmal die Trophäe ergattern konnten. Damit führten TSM die Rankings an und zogen in das letzte Turnier dieser Serie. Bei Pop Flash geschah jedoch das große Upset – reltuC und seine Jungs kamen noch nicht einmal aus der Gruppenphase raus! Ein überraschend starkes Dignitas hielt sie in zwei Matches vom Playoffs-Einzug ab. Damit gaben sie den Sentinels freie Fahrt, ein 3-0 zu erspielen und ihre zweite Trophäe abzuholen.

FIRST STRIKE NA

Doch all diese Events waren nur ein Vorgeschmack auf die eigentlichen Pläne der VALORANT-Entwickler. RIOT kündigten für den Dezember die First Strike Turniere an. Diese sollten die ersten ‘richtigen’ Events für das Spiel werden und auf eine internationale Weltmeisterschaft hinaus arbeiten. In Nordamerika fiel dies mit einem ganz besonderen Ereignis zusammen.

Nick “nitr0” Canella hatte bereits im August seinen Übergang zu VALORANT angekündigt. Bei den 100 Thieves fand er sein Zuhause. Das Team war gerade im Begriff, das Lineup fast komplett zu überarbeiten. Lediglich Spencer “Hiko” Martin verlieb und mit Joshua “steel” Nissan kam bald ein weiterer hochprofilierter CS-Spieler an Bord. Mit Peter “Asuna” Mazuryk und Quan “dicey” Tran war das Lineup komplett. Die fünf Spieler traten beim First Strike an.

Dort schafften sie es, T1 relativ schnell auszuschalten. Im Halbfinale kamen dann die Sentinels, die ihnen mehr Widerstand boten. Doch nach einem Overtime-Sieg auf Icebox und einem 13-9 auf Bind waren die Weichen für einen Finaleinzug gestellt. Dort trafen sie auf TSM, die sich bereits gegen Immortals und Team Envy durchgesetzt hatten. Für hazed und Co. bat sich hier also die Möglichkeit, eine Führung gegenüber den Sentinels zu erreichen und das Jahr mit einem Knaller zu beenden.

Doch die 100 Thieves wollten ihre eigene Erfolgsgeschichte schreiben. Nach dem Medienhype um ihre Neuzugänge waren die Erwartungen hoch gesteckt, aber sie konnten ihnen mehr als nur gerecht werden. Das Finale war heiß umkämpft, doch steel und seine Jungs holten eine 15-13 Overtime auf Split. Nach einem 13-11 auf Bind waren TSM nun kurz davor das Finale zu verlieren. Auf Ascent konnten sie einen entschiedenen Sieg liefern und zeigten wenigstens Kampfgeist. Auf der vierten Map war davon aber nicht mehr viel zu finden. Dort wurden 100T nach einem 13-7 schnell zum Sieger des First Strike NA gekürt.

FIRST STRIKE EU

Trotz der Niederlagen von TSM und Sentinels war der Turnierausgang relativ vorhersehbar. Die Performance der Thieves hatte stetig zugenommen und es war abzusehen, dass sie sich bald zumindest in die Top 3 der Teams spielen würden. In Europa passierten jedoch nur Überraschungen. Mit G2 Esports, FunPlus Phoenix und Team Liquid im Event war die Erwartung, dass eines dieser Teams den Turniersieg erreichen würde. Schließlich hatten G2 bislang praktisch jedes relevante Event gewonnen – wieso sollte es also anders sein?

Doch am Ende waren es Team Heretics, die die Trophäe mit nach Hause nahmen. Christian “loWel” Garcia Antoran und seine Jungs konnten sich gegen Liquid und G2 durchsetzen. Anschließend zogen sie gegen SUMN FC ins Finale und konnten dort ein relativ schnelles 3-1 verbuchen. Damit ist die Siegessträhne von mixwell und Co. beendet. Die Konkurrenz schläft nicht und hat die vergangenen Monate genutzt, um aufzuholen. G2 werden im kommenden Jahr einiges leisten müssen, um erneut den europäischen Top-Spot erklimmen zu können.

VALORANT CHAMPIONS

Doch auch First Strike ist nur der Beginn von dem, was RIOT für dieses Spiel geplant haben. Im kommenden Jahr beginnt die Champions Tour, welche auf das VALORANT Champions 2021 Event hinaus arbeiten wird. Auf der ganzen Welt werden Wettkämpfe in den verschiedensten Regionen stattfinden. Dort können sich dann die besten Teams herausstellen und für das Champions 2021 Event qualifizieren. Dieses Turnier soll als Abschluss des Jahres dienen und wird sicherlich das größte Event werden, das VALORANT jemals erlebt hat.

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