Einer der bekanntesten Apex-Legends-Profis geht hart mit dem aktuellen Zustand des Battle Royales ins Gericht. Phillip „ImperialHal“ Dosen von Team Falcons kritisierte Respawn Entertainment öffentlich und erklärte, Apex Legends habe innerhalb des vergangenen Jahres seine Identität verloren. Welche einzelne Änderung für seinen Frust verantwortlich ist, ließ der ehemalige ALGS-Champion allerdings offen.
Die Kritik kommt in einer Phase, in der Respawn Apex Legends ungewöhnlich stark umbaut. Neue Spielmechaniken, umfassende Waffenänderungen, experimentelle Modi, Crossover und Tests am Ranked-System haben das Battle Royale innerhalb weniger Seasons spürbar verändert.
ImperialHal: Apex Legends hat seine Identität verloren
ImperialHal richtete seine Kritik direkt an den offiziellen Apex-Legends-Account auf X.
Der Profi schrieb, das Spiel sei inzwischen schlecht und habe innerhalb des vergangenen Jahres seine gesamte Identität verloren. Eine ausführliche Erklärung lieferte er in dem Beitrag nicht. Auch auf Nachfragen aus der Community ging er zunächst nicht näher ein.
Gerade deshalb sollte seine Aussage nicht automatisch mit einer einzelnen Gameplay-Änderung verbunden werden.
Fest steht jedoch, dass ImperialHal bereits zuvor wiederholt unzufrieden mit der Entwicklung von Apex Legends war. Im März 2026 schrieb er beispielsweise, das Spiel werde nach einem damaligen Update zunehmend wie Fortnite. Zwischenzeitlich stellte er sogar öffentlich die Frage in den Raum, ob es für ihn Zeit sei, seine Karriere zu beenden.
Apex Legends wurde innerhalb eines Jahres stark verändert
ImperialHals Kritik fällt nicht aus dem Nichts.
Respawn hat Apex Legends seit Ende 2025 in mehreren Bereichen deutlich verändert. Dazu gehört unter anderem Wildcard, ein schnellerer und bewusst chaotischerer Spielmodus mit zusätzlichen Modifikatoren.
In der Season „Amped“ erklärte Respawn sogar, die sogenannten Wild Cards dauerhaft innerhalb des Modus behalten zu wollen, nachdem das Studio nach eigenen Angaben positives Spielerfeedback erhalten hatte. Die Effekte können beispielsweise Nachladezeiten verkürzen, zusätzliche Granaten ermöglichen oder Teamkameraden beim Wiederbeleben Boni geben.
Hinzu kamen neue Systeme rund um Waffen, Beute und sogenannte Amps sowie zahlreiche umfangreichere Balance-Experimente.
Diese Veränderungen entfernen sich teilweise bewusst vom deutlich reduzierteren Apex-Legends-Gameplay der Anfangsjahre, bei dem Gunplay, Bewegung und vergleichsweise klar definierte Legendenfähigkeiten im Mittelpunkt standen.
Auch die aktuelle Season „Marked“ verändert das Gameplay deutlich
Mit Season 30 „Marked“, die am 4. August 2026 startete, ging Respawn erneut mehrere größere Systeme an.
Bloodhound erhielt eine umfassende Überarbeitung, Loba und Rampart wurden verändert und World’s Edge bekam ein Map-Update. Gleichzeitig stellte Respawn das komplette System der Energiewaffen um.
Energie-Munition liegt seitdem beispielsweise nicht mehr regulär als Beute auf der Karte. Stattdessen besitzen entsprechende Waffen einen eigenen Munitionsvorrat, der sich automatisch regeneriert.
Respawn überarbeitete außerdem die Verteilung hochwertiger Beute, passte Amps an und führte neue korrumpierte Aufsätze ein. Das Studio bezeichnet die Maßnahmen selbst als Teil des Ziels, Apex Legends weiterzuentwickeln und stärker als kompetitives Battle Royale auszurichten.
Genau diese Geschwindigkeit bei grundlegenden Systemänderungen dürfte zumindest erklären, warum die Diskussion um die Identität des Spiels derzeit wieder aufflammt – auch wenn ImperialHal selbst keinen einzelnen dieser Punkte ausdrücklich als Ursache seiner Kritik genannt hat.
Cyberpunk-Crossover brachte noch mehr neue Mechaniken
Auch bei Events experimentiert Apex inzwischen deutlich stärker.
Im Juli 2026 startete beispielsweise ein großes Crossover mit Cyberpunk 2077 und Cyberpunk: Edgerunners. Dabei erhielt E-District eine Night-City-Überarbeitung, während Spieler Cyberware wie Sandevistan und Blackwall Breach nutzen konnten.
Mit Skippy kehrte zudem eine bekannte Waffe aus Cyberpunk 2077 als besondere Alternator-Variante zurück.
Solche Kooperationen sind für Live-Service-Spiele inzwischen nichts Ungewöhnliches. Sie tragen aber gleichzeitig dazu bei, dass Apex Legends heute deutlich anders wirkt als das vergleichsweise puristische Battle Royale, das Respawn 2019 veröffentlicht hatte.
Respawn experimentiert auch mit Ranked
Parallel arbeitet Respawn weiter am kompetitiven Kern des Spiels.
Bereits in Season 29 testete der Entwickler unter anderem Einschränkungen für vorgefertigte Gruppen sowie eine reine Solo-Warteschlange für Spieler ab Diamond. Ziel war es laut Respawn, Probleme und Frust innerhalb des Ranked-Modus besser zu verstehen.
Eine noch größere Überarbeitung ist bereits angekündigt.
Respawns aktuelle Roadmap sieht für Season 32 ein umfangreiches Ranked-Update vor. Das Studio spricht von einem grundlegend neuen „Look and Feel“ für den Modus und verweist ausdrücklich auf anhaltendes Feedback aus der Community.
Damit dürfte sich Apex Legends auch in den kommenden Monaten weiter verändern.
ImperialHal gehört zu den erfolgreichsten Apex-Spielern
Die Kritik bekommt vor allem deshalb Gewicht, weil sie von einem der prägendsten Spieler der Apex-Geschichte kommt.
Phillip „ImperialHal“ Dosen spielt seit 2019 professionell Apex Legends. Über viele Jahre trat er für TSM an, bevor er 2024 zu Team Falcons wechselte. Zu seinen größten Erfolgen gehören der Gewinn der ALGS Championship 2023 sowie mehrere weitere internationale Titel.
Der inzwischen 27-Jährige ist weiterhin aktiv und gehört bei Team Falcons zum aktuellen Apex-Kader.
Seine Aussagen sind deshalb mehr als die Kritik eines gelegentlichen Spielers: ImperialHal hat praktisch die gesamte kompetitive Geschichte von Apex Legends auf höchstem Niveau miterlebt.
Trotz der Kritik bleibt Apex sein Lieblingsspiel
Seine drastische Wortwahl bedeutet allerdings nicht, dass ImperialHal mit Apex Legends abgeschlossen hat.
Bereits einen Tag nach seiner Kritik kündigte er einen weiteren Stream an und bezeichnete Apex dabei weiterhin als sein Lieblingsspiel.
Das macht seine Aussage eher zu scharfer Kritik an der aktuellen Richtung als zu einer endgültigen Abrechnung mit Respawn.
Und genau darin steckt vermutlich der interessanteste Punkt: ImperialHal fordert nicht, dass Apex Legends aufhört, sich weiterzuentwickeln. Seine Kritik richtet sich vielmehr gegen die Frage, wie weit ein inzwischen mehr als sieben Jahre altes Live-Service-Spiel verändert werden kann, bevor das verloren geht, was es ursprünglich von Fortnite, Warzone und anderen Battle-Royale-Titeln unterschieden hat.
Respawn scheint diesen Konflikt selbst erkannt zu haben. Mit weiteren Waffen-, Legenden- und Ranked-Überarbeitungen auf der Roadmap wird Apex Legends auch künftig nicht stillstehen. Ob die Entwickler damit wieder näher an das Spiel herankommen, das ImperialHal vermisst, dürfte sich spätestens mit den kommenden Seasons zeigen.

