Dan Houser hat Grand Theft Auto VI bislang nicht gesehen – und möchte das möglichst auch so beibehalten. Der frühere Rockstar-Mitgründer und langjährige Autor der GTA-Reihe arbeitet mit seinem neuen Studio Absurd Ventures inzwischen selbst wieder an großen Spielen. Gerade deshalb will er vermeiden, dass ihn GTA 6 bei der Entwicklung seiner eigenen Projekte beeinflusst. Gleichzeitig bestätigte Houser neue Details zu zwei Spielen, darunter eine Open-World-Komödie und ein dystopisches Science-Fiction-Projekt rund um eine außer Kontrolle geratene künstliche Intelligenz.
Houser gehörte über Jahrzehnte zu den wichtigsten kreativen Köpfen von Rockstar Games. Er arbeitete an zahlreichen Grand-Theft-Auto-Titeln und war auch an Red Dead Redemption beteiligt. 2020 verließ er das Unternehmen und gründete später Absurd Ventures.
Mit dem neuen Studio arbeitet Houser inzwischen wieder an mehreren Geschichten und Spielen. Ausgerechnet das neue GTA möchte er deshalb momentan lieber auf Abstand halten.
Houser möchte sich nicht mit GTA 6 vergleichen
In einem Interview erklärte Houser, dass er GTA 6 bisher noch nicht gesehen habe.
Das sei keine bewusste Kritik an Rockstar oder dem neuen Spiel. Vielmehr meide er grundsätzlich Werke, die ihn während der eigenen Entwicklung kreativ ablenken könnten.
Besonders bei Open-World-Spielen ist das für ihn offenbar wichtig.
Houser erklärte, dass er einen großen Teil seiner Arbeitszeit damit verbringe, selbst offene Spielwelten zu entwickeln und darüber nachzudenken, wie diese anschließend vermarktet werden können. Deshalb wolle er nicht ständig beobachten, welche Lösungen andere Studios für ähnliche Probleme finden.
Sein Ziel sei es, eigene Ideen zu entwickeln, statt sich bei jedem System zu fragen, wie Rockstar etwas umgesetzt habe und was er selbst anders gemacht hätte.
Das gilt laut Houser nicht ausschließlich für GTA 6. Er spielt generell nur noch wenige andere Open-World-Spiele.
Bei GTA dürfte die Distanz allerdings besonders schwierig sein. Schließlich war Houser an nahezu der gesamten Entwicklungsgeschichte der Reihe beteiligt.
Absurd Ventures arbeitet an einer neuen Open-World-Komödie
Houser bestätigte gleichzeitig, dass Absurd Ventures an mindestens zwei Spielen arbeitet.
Eines davon wird eine Open-World-Komödie.
Das Projekt soll besonders stark auf Humor und Figuren setzen. Interessant ist dabei Housers Hinweis auf eine sogenannte „Character Memory“, also ein System, bei dem sich Charaktere offenbar stärker an frühere Ereignisse oder Begegnungen erinnern sollen.
Wie genau diese Mechanik funktioniert, erklärte Houser noch nicht.
Weitere Informationen sollen allerdings innerhalb der kommenden Monate folgen.
Damit könnte sich langsam zeigen, wie stark sich Housers neue Open World von seinen früheren Arbeiten bei Rockstar unterscheidet.
Eine humorvolle offene Spielwelt klingt zunächst natürlich nach einem Bereich, mit dem Houser bestens vertraut ist. Gerade Grand Theft Auto kombiniert seit Jahrzehnten große offene Städte mit gesellschaftlicher Satire, absurden Figuren und schwarzem Humor.
Absurd Ventures dürfte allerdings versuchen, daraus eine eigene Identität zu entwickeln.
Zweites Spiel dreht sich um eine außer Kontrolle geratene KI
Das zweite Projekt schlägt eine völlig andere Richtung ein.
Houser beschreibt es als dystopische Science-Fiction-Geschichte über eine Spieleentwicklung, die vollständig aus dem Ruder läuft.
Im Mittelpunkt steht offenbar eine künstliche Intelligenz, die ein eigenes Bewusstsein entwickelt.
Das allein wäre für Science-Fiction noch keine besonders ungewöhnliche Idee. Houser ergänzt dem Konzept allerdings einen typisch schrägen Ansatz.
Die KI wurde demnach von zwei Menschen entwickelt, die sich gegenseitig nicht ausstehen konnten. Dadurch soll auch die künstliche Intelligenz selbst eine Art inneren Konflikt besitzen und sich gewissermaßen nicht mögen.
Wie daraus spielerisch eine Geschichte entsteht, ist noch nicht bekannt.
Die Beschreibung deutet aber darauf hin, dass Absurd Ventures auch hier stark auf Figuren, Dialoge und schwarzen Humor setzen möchte.
Absurd Ventures soll mehr als nur Spiele entwickeln
Houser betrachtet sein neues Unternehmen nicht ausschließlich als klassisches Entwicklerstudio.
Absurd Ventures arbeitet an mehreren Medienprojekten und möchte seine neuen Marken über verschiedene Formate erzählen.
Dazu gehören neben Videospielen auch andere Formen von Unterhaltung.
Bereits zuvor hatte das Unternehmen erste Schauspieler für das sogenannte Absurdaverse vorgestellt. Dieses Universum soll unter anderem Grundlage eines großen, erzählerisch ausgerichteten Open-World-Spiels werden.
Damit verfolgt Houser einen anderen Ansatz als bei Rockstar.
Anstatt zunächst ein einzelnes Spiel aufzubauen und dieses später möglicherweise auf andere Medien auszuweiten, sollen die neuen Welten offenbar von Beginn an für unterschiedliche Formate gedacht werden.
Houser blickt trotzdem positiv auf seine Rockstar-Zeit zurück
Seine Distanz zu GTA 6 bedeutet nicht, dass Houser sich von seiner Vergangenheit bei Rockstar lösen möchte.
Er bezeichnete es als Privileg, an erfolgreichen Spielen gearbeitet und gemeinsam mit großen Teams neue Dinge ausprobiert zu haben.
Mit Absurd Ventures wolle er nun versuchen, etwas Vergleichbares für die aktuelle Zeit zu schaffen – allerdings mit neuen Marken und auf eine andere Art.
Gerade das erklärt auch, warum er GTA 6 vorerst meiden möchte.
Houser will offenbar nicht versuchen, Rockstar nachzuahmen oder das neue Grand Theft Auto ständig als Vergleichsmaßstab für seine eigenen Projekte heranzuziehen.
Stattdessen möchte er herausfinden, welche Ideen Absurd Ventures unabhängig davon entwickeln kann.
Mehr zu den neuen Spielen soll bald folgen
Konkrete Erscheinungstermine für die beiden Projekte gibt es noch nicht.
Zumindest bei der Open-World-Komödie sollen aber bereits in den kommenden Monaten weitere Informationen folgen.
Damit könnte Absurd Ventures erstmals genauer zeigen, wie sich Housers Arbeit nach Rockstar spielerisch verändert hat.
Bis dahin bleibt eine ungewöhnliche Situation: Einer der Menschen, die Grand Theft Auto über Jahrzehnte entscheidend mitgeprägt haben, gehört vermutlich zu den wenigen Open-World-Entwicklern, die GTA 6 ganz bewusst nicht spielen wollen.
Nicht aus Desinteresse – sondern weil Dan Houser lieber vermeiden möchte, dass Rockstars nächstes großes Spiel seine eigenen Ideen beeinflusst.

