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Fabio | Oktober 28, 2021

CS:GO – Die perfekte Underdog-Geschichte der Copenhagen Flames

Selbst wenn das Team ab jetzt kein Match mehr gewinnt, haben die Flames bereits Geschichte geschrieben. So einen überraschenden Lauf eines absoluten Underdog-Teams haben wir seit langer Zeit nicht mehr erlebt! Wie sind die Spieler zu so einem Leistungs-Schub gekommen?

Alles begann mit der IEM Fall. Im europäischen Qualifier für das letzte RMR-Turnier konnten sie und die Movistar Riders die zwei letzten Spots sichern. Wisla Krakow und Cowana Gaming gingen dabei leider leer aus. Für die Flames war das der bisher größte Erfolg – eine Offline-LAN (während Corona!) mit einigen der besten Teams der Welt. Genau wie die Movistar Riders wurde ihnen aber keine große Chance zugeschrieben. Klar, mit Astralis, Vitality und Co. an Bord war es schwer, das kleine dänische Team als Favoriten zu sehen. Damit hätten wir alle aber nicht falscher liegen können!

Upsets in Gruppe A

Die IEM Fall schickte sie in ein Bracket mit fünf anderen Teams: G2, BIG, mousesports, FPX und AURA. Im Eröffnungsspiel kamen die Copenhagen Flames an FunPlus Phoenix vorbei, was schon eine beachtliche Leistung war. Das ganze wurde von Jakob “jabbi” Nygaard möglich gemacht, der ein 1.48er Rating und 28 Kills an Land holte. Am nächsten Tag kam das Team nur knapp gegen AURA an. Der IGL, Rasmus “HooXi” Nielsen konnte sie mit einem 16-14 an den Schweden vorbei befördern. Vielleicht hatten sich die Flames nur wenig auf dieses Team vorbereitet und performten deswegen so schlecht. Am dritten Tag folgte nämlich schon das nächste Upset!

Nach einem 19-16 Overtime-Sieg gegen G2 Esports stand das Team plötzlich 3-0 in der Gruppe A. G2 waren für ihre Leistungsschwankungen bekannt, aber hier kamen erstmals vorsichtige Prognosen, dass CPH in der Top 3 landen könnten. Die Analysten und Experten wollten die dänischen Spieler nicht zu viel loben, denn ein Sieg gegen ein Top-Team hieß noch lange nicht, dass sie das Level halten können.

Als HooXi und Co. dann aber am vierten Tag ein 16-8 gegen mousesports erzielten, war klar: Dieses Team spielt um die Major-Qualifikation! Ein 1.78er Rating für Fredrik “roeJ” Jørgensen und ein 4-0 für die Copenhagen Flames, denen der Einzug in die Playoffs schon sicher war. Mit einem weiteren Sieg gegen BIG konnte das Team sogar den ersten Platz der Gruppe erreichen.

Die Playoffs der IEM Fall EU

In den Playoffs hatten die Flames nur ein großes Ziel: Nicht den letzten Platz erreichen! Das konnten sie auch schaffen, denn selbst nach Niederlagen gegen Vitality und die Movistar Riders war zumindest das 2-0 gegen Fiend drin. Hier zeigte sich erstmals das Limit des dänischen Teams. Die Franzosen von Vitality waren ihnen eine Nummer zu groß und auch Alejandro “alex” Masanet und Co. konnten sie mit einem 2-0 besiegen. Klar, roeJ und seine Jungs überlebten bis zur Nachspielzeit auf Vertigo, aber danach waren die Riders auf Ancient ganz eindeutig stärker.

Am Ende war das gar nicht mehr wichtig. Das Team war aus dem Nichts gekommen und hatte sich einen Spot im Major erkämpft! Mit ein paar Wochen Vorbereitungszeit ging es also wieder nach Hause und in die Planungsphase für das PGL Major in Stockholm. Die Resultate dieser Vorbereitung lassen sich jetzt wirklich sehen.

Copenhagen Flames, oder: Wie man die Pick-Ems ruiniert

Seid ehrlich: Wer hat damit gerechnet, dass dieses Team mit einem 3-0 aus der New Challengers Stage herausreitet? Heroic, FaZe, sogar mousesports hätte vor Beginn dieses Turniers ein höheres Standing gehabt! Im Eröffnungsspiel plättete das dänische Team seine Rivalen von Astralis. Das läutete gerade zu prophetisch den Niedergang des ehemals besten Teams der Welt ein, denn Astralis gaben danach noch ein zweites 6-16 ab.

Die Flames hingegen kamen in den 1-0 Pool. Dort warteten BIG auf sie, waren nach einen 16-11 auf Nuke aber auch wieder Geschichte. Gegen Heroic hätte das Upset-Spiel aber enden müssen. Das dänische Team galt als klarer Favorit für diese Stage und die Flames konnten sich unmöglich auf alle Eventualitäten in diesem Bracket vorbereitet haben. Am Ende haben sie es aber trotzdem geschafft.

Die Flames waren im Best-of-Three absolut zielsicher. Ein schnelles 16-7 auf Vertigo, ein relativ knappes 11-16 auf Nuke. Ohne die 30er Bombe von Martin “stavn” Lund hätten CPH wahrscheinlich da schon gewonnen. Sie brauchten aber auch nur noch ein 16-12 auf Overpass und hatten den Sieg in der Tasche.

Was können wir aus der New Challengers Stage lernen?

Die Flames haben gegenüber der IEM Fall einen wichtigen Schritt getan: Sie kommen gegen Gegner an, auf die sie sich nicht zwingend vorbereitet haben. In der damaligen Gruppe hatten sie 5 andere Teams, die sie anti-stratten mussten. Diese Zahl ist beim Major auf 15 gewachsen und es liegt klar auf der Hand, dass sie den einzelnen Gegnern vor Ort nicht so viel Aufmerksamkeit widmen konnten. Trotzdem waren sie erfolgreich gegen Astralis, BIG und Heroic. Das können sie nur durch starke individuelle Leistungen und dynamische Anpassungen während des Spiels erreicht haben.

Dadurch schaffen sie auch Vertrauen für die kommende Stage. In dieser Form könnten sie sich auch mit Teams wie Vitality messen und sicherlich ein besseres Resultat ranholen als noch bei der IEM Fall. In wenigen Tagen erleben wir das Team wieder in Aktion und bis dahin muss jeder Zuschauer bei seinen Pick-Ems wirklich hart nachdenken, ob die Flames nicht in die Top 8 gehören sollten. Nach den letzten Tagen fällt es schwer, sie verlieren zu sehen.

 

(Header-Bild via Twitter/CPH Flames)