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nieraus | April 28, 2021

CS:GO – Device hinterlässt große Fußstapfen

Am Samstag wurde die CS:GO-Community vom bisher wahrscheinlich größten Transfer der CS:GO-Geschichte überrascht: AWPer Nicolai “device” Reedtz hat das erfolgreichste Lineup aller Zeiten, Astralis, gegen das unerfahrene Team von NiP eingetauscht. Während der historische Roster-Move das schwedische Team direkt eine Klasse nach oben katapultiert, klafft im dänischen Top-Team eine riesige Lücke. Wir diskutieren die verschiedenen Optionen.

Angefeuert von einem Twitch-Clip des NaVi-AWPers Oleksandr “s1mple” Kostyliev, entfachten unter der Woche Gerüchte in der CS:GO-Community, dass Astralis-Superstar Device womöglich das dänische Top-Team verlassen würde. Am Samstag platzte dann die Bombe: Das schwedische Team der Ninjas in Pyjamas haben sich überraschend die Dienste des dänischen AWPers gesichert und somit einen absoluten Transfercoup geschnürt. Während der 25-jährige Profi den Wechsel mit seiner Wohnsituation in Schweden und der Ausrichtung seiner Legacy begründete, bleiben für die Ausrichtung des Rosters von Astralis viele Fragen offen.

Eine Lücke, die niemand schließen kann

Klar ist: Einen Spieler wie Device kann niemand eins zu eins ersetzen. Das untermauerte der dänische AWPer zuletzt auch noch einmal eindrucksvoll in der ESL Pro League Season 13 beim 16:10-Sieg gegen Fnatic auf Train, bei dem er 40 Kills beisteuerte. Ein Blick auf seine Statistiken und Erfolge reicht schon, um wirklich jeden davon zu überzeugen, dass “devve” wie er sich selbst nennt, nicht umsonst bei vielen Experten und Fans ganz oben auf dem Zettel in puncto GOAT-Debatte steht. Trotzdem müssen die Truppen von Lukas “gla1ve” Rossander versuchen, die Lücke bestmöglich zu stopfen. Sowohl eine interne als auch eine externe Lösung sind möglich.

 

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Abb.: Device mit der hltv.org MVP Medaille

Die interne Lösung: Bubzkji & dupreeh

Die dänische Szene hatte lange Jahre in CS:GO ein zentrales Problem. Keiner der einheimischen AWPer konnte auf dem höchsten Niveau mit der internationalen Konkurrenz mithalten. Auch Astralis blieb lange Zeit von diesem Schicksal nicht verschont und scheiterte oft an der puren Dominanz der damaligen Top-Sniper Kenny “kennyS” Schrub, Ladislav “GuardiaN” Kovacs oder Jesper “JW” Wecksell. Das änderte sich aber rasant, als Device sich im Jahr 2016 nach ein paar holprigen Turnieren dazu entschloss, die Rolle des AWPers zu übernehmen. Auf ein ähnliches Szenario könnten die Dänen auch dieses Mal setzen.

Während drei der fünf verbleibenden Spieler im Astralis-Lineup die AWP fast nie benutzen, haben sowohl Entry Fragger Peter “dupreeh” Rasmussen als auch Sixth Man Lucas “Bubzkji” Andersen das grüne Scharfschützengewehr in ihrer Karriere immer wieder in Gebrauch gehabt. Im Jahr 2020 verzeichneten die Profis laut HLTV immerhin 0.05 beziehungsweise 0.04 AWP-Kills pro Runde. Dupreeh bewies sogar Ende 2017 bereits, dass er das Zeug zum Main-AWPer hat, als er Device mehrere Turniere vertrat, da dieser aus gesundheitlichen Gründen aussetzen musste. Ob einer der beiden sich einen permanenten Rollentausch überhaupt zutraut ist völlig offen.

Die externe Lösung: Alte Bekannte oder junges Blut

Einen Vorteil hat Astralis vermutlich im Gegensatz zu jedem anderen Team: Jeder Däne will für sie spielen. Die CS:GO-Profis sind in ihrer Heimat waschechte Superstars. An der Auswahl wird es demnach also nicht scheitern. Eine Option wäre eine Rückkehr eines alten Weggefährten. Zum einen wäre da Jakob “JUGi” Hansen, der zurzeit teamlos und somit kostengünstig wäre. Das Problem ist nur, dass der 24-Jährige seit Jahren seiner einst starken Form hinterläuft. Selbst bei seinem kurzen Intermezzo im vergangenen Jahr bei Astralis konnte der AWPer alles andere als überzeugen und war häufig am Ende des Scoreboards anzutreffen. Dem Anspruch des legendären Rosters würde er wohl nicht gerecht werden.

In Patrick “es3tag” Hansen ist ein zweiter ehemaliger Astralis-Member aktuell auf der Suche nach einem neuen Team. Der 25-Jährige gewann mit den Dänen im vergangenen Jahr die ESL Pro League Season 12: Europe und genießt bei den Spielern ein hohes Ansehen. Doch das Problem: Er begann erst im Februar bei Cloud9 aufgrund des Abgangs von Özgur “woxic” Eker zu AWPen. Somit müsste der Rifler ebenfalls aus dem Suchraster fallen.

Abb.: Patrick “es3tag” Hansen zu seiner Zeit bei Astralis

Außerdem ist fraglich, ob Astralis überhaupt dazu in der Lage ist, eine Ablöse zu stemmen, da die dänische Organisation Medienberichten zufolge in einer finanziellen Schieflage stecken soll. Sollte sich dies bewahrheiten, wäre wohl auch eine Verpflichtung von Spielern wie Frederik “acoR” Gyldstrand oder Asger “farlig” Jensen vom Tisch, die gerade erst bei ihren neuen Teams untergekommen sind.

Die Toplösung?

Als die absolute Top-Lösung gilt Heroic-IGL Casper “cadiaN” Møller. Doch genau dort fangen die Probleme an. Der 25-Jährige ist bei einem der besten Teams der Welt unter Vertrag und gewann zuletzt die ESL Pro League Season 13. Ob ein Wechsel zu Astralis aktuell überhaupt ein Fortschritt wäre, ist zumindest diskutabel. Hinzu kommt die Rollenüberschneidung und gemeinsame Historie mit Lukas “gla1ve” Rossander. Einer der beiden Profus müsste auf das Amt des IGLs verzichten. Klar ist aber: Auf dem Server macht cadiaN niemand etwas vor. Mit einem Rating von 1.14 gehört der Däne in diesem Jahr zu einem der besten AWPer der Welt.

Die Nächsten auf der Liste sind Daniel “mertz” Mertz und Mathias “MSL” Lauridsen. Während der Erstgenannte lange Zeit als einer der besten Talente der Welt galt, gehört der 26-jährige MSL eigentlich nicht in die Riege der Top-Spieler auf dem Scoreboard. Dennoch hat der erfahrene IGL als MVP der DreamHack Masters Stockholm 2018 auch schon bewiesen, dass er als AWPer auf dem höchsten Niveau funktionieren kann. Mertz hingegen schaffte es bislang nicht, sich gegen Tier-1-Spieler durchzusetzen und glänzte hauptsächlich gegen schwächere Konkurrenz. Beide wären wohl aber nur eine B-Lösung.

Ist GuardiaN eine Option?

Einer der erfahrensten AWP-Spieler der Szene könnte zumindest vorerst die Lücke stopfen. Das wäre aber ein 180° Move hin zu einem internationalen Lineup, die Community betrachtet den Slovaken aber als tatsächliche Möglichkeit. Erschwerend zur Sprachbarriere kommt seine lange Inaktivität, auch wenn er öffentlich bekannt gab alles dafür zu tun wieder zu alter Form zu kommen, ist es fraglich ob das schon der Fall ist und ob das überhaupt jemals wieder der Fall sein wird (und wenn, dann wie lange). GuardiaN kommt also auch nicht so ganz in Frage.

Harter Umbruch oder Disband?

Die Dänen haben der Welt schon oft bewiesen, dass sie ein Auge für Talente haben. Gerade in Zeiten von FPL ist es leichter denn je geworden, neue Spieler zu finden. Welche Entscheidung Astralis am Ende trifft, hängt von vielen Faktoren ab, die man von außen nur schwer bewerten kann. Auch weitere Abgänge oder ein kompletter Disband sind nicht auszuschließen, da gleich zwei Spieler, namentlich Lukas “gla1ve” Rossander und Andreas “Xyp9x” Højsleth, sich im vergangenen Jahr eine Auszeit nahmen. Ein Tweet von Astralis-Coach Danny “zonic” Sørensen entfachte am Montag neue Spekulationen.

Fest steht: Am 29. April muss man im ersten Spiel der DreamHack Masters Spring 2021 gegen Extra Salt zumindest eine Übergangslösung präsentieren. Wie genau diese aussehen wird, bleibt abzuwarten.