Valve hat am 9. September ein Update für Counter-Strike 2 veröffentlicht, das Chatnachrichten in Demodateien verschlüsselt. Damit endet die Möglichkeit, Spielernachrichten aus Aufzeichnungen auszulesen, ohne die Demo im Spiel zu öffnen.
Der Anlass ist offensichtlich. Zwei Wochen zuvor hatte eine Statistikseite begonnen, genau das im großen Stil zu tun und die Chatverläufe tausender Spieler öffentlich durchsuchbar zu machen.
Was Valve konkret geändert hat
Die Patchnotiz ist knapp und eindeutig. Der Chat wird in Demodateien künftig nach denselben Regeln verschlüsselt, die bereits in Counter-Strike: Global Offensive galten. Teamchat ist beim Abspielen von Demos gar nicht mehr lesbar, der globale Chat ausschließlich dann, wenn die Demo über die spieleigene Wiedergabeoberfläche läuft.
Damit ist auch die verbreitete Darstellung relativiert, Valve habe hier etwas Neues eingeführt. Tatsächlich stellt das Unternehmen einen Zustand wieder her, der im Vorgänger jahrelang selbstverständlich war und beim Wechsel zu Counter-Strike 2 verloren ging. Bis zu diesem Update lagen Chatnachrichten unverschlüsselt in den Dateien.
Das Update umfasst rund 372 Megabyte.
Wie es dazu kam
Ende August fiel Spielern auf, dass die Seite cstracker.gg Chatnachrichten aus öffentlich verfügbaren Match-Demos ausliest und sie mit Steam-Profilen verknüpft. Durchsuchbar war das ohne Konto und ohne Zustimmung der Betroffenen. Die Geschichte verbreitete sich am 27. und 28. August über Reddit und erreichte binnen Tagen auch Profispieler und Streamer.
Der Umfang war beträchtlich. Ein einzelnes indiziertes Profil enthielt über 2.800 Nachrichten aus 388 Partien, jeweils zuordenbar nach Karte, Runde und Zeitstempel.
Besonders heikel war ein technisches Detail: Valve bewahrt Match-Demos rund dreißig Tage auf seinen Servern auf. Die ausgelesenen Chattexte speicherte die Seite dagegen dauerhaft. Das Archiv wuchs also weiter, während die zugrunde liegenden Demos längst gelöscht waren. Aus flüchtigem Gerede im Spiel wurde ein permanentes, öffentliches Register.
Die Seite bot eine Möglichkeit zur Löschung an. Eine Stellungnahme von Valve gab es damals nicht.
Der unangenehmere Teil der Geschichte
Die Sache hat eine zweite Ebene, die in vielen Meldungen untergeht. Dieselbe Seite betrieb neben dem Chatarchiv eine Auswertung zu Beleidigungen, einschließlich einer Rangliste, die Spieler nach der Häufigkeit rassistischer und homofeindlicher Ausdrücke sortierte.
Nach eigenen Angaben der Seite basierte die Auswertung auf rund 494.000 Spielern. Etwa sieben Prozent davon hätten mindestens einmal eine solche Beleidigung verwendet, hochgerechnet ergäben sich rund 204 Millionen Vorfälle pro Jahr. Diese Zahlen stammen vom Betreiber selbst und wurden nicht unabhängig überprüft.
Genau hier setzt die Kritik an Valves Reaktion an. Das Unternehmen hat keine Verbesserungen bei der Moderation angekündigt, sondern den Datenzugang geschlossen. In der Community wurde das vielfach so gelesen, dass nicht das Verhalten abgestellt werde, sondern dessen Sichtbarkeit.
Fair ist das nur bedingt. Eine öffentliche Rangliste, die Einzelpersonen an den Pranger stellt, ist selbst ein zweifelhaftes Instrument, und ein permanent wachsendes Chatarchiv ohne Einwilligung der Betroffenen wäre auch dann problematisch, wenn es ausschließlich harmlose Nachrichten enthielte. Beides kann gleichzeitig zutreffen.
Was sonst im Update steckt
Neben der Verschlüsselung enthält der Patch Korrekturen an Cache und Änderungen am Skriptsystem für Karten:
- Cache: mehrere Lücken in der Geometrie geschlossen, eine Durchschussstelle auf dem B-Punkt entfernt, ein fehlender CT-Startpunkt für den Wettkampfmodus ergänzt, zusätzliche T-Startpunkte hinzugefügt
- Skripting: CSPlayerCamera überarbeitet und in CustomPlayerCamera umbenannt, neue Eigenschaft observable für benutzerdefinierte Interface-Layouts, Korrekturen bei veralteten Zuständen nach Wechsel des beobachteten Spielers, neue Klassen für die Sichtbarkeit von Kaufmenü und Punktetafel
Die Eigenschaft observable steuert, ob ein Zuschauer die Oberfläche eines Spielers so sieht wie dieser selbst. Benutzerdefinierte Layouts werden künftig immer über der Standardoberfläche gezeichnet.
Warum die Lösung umstritten bleibt
Was Valve gemacht hat, ist datenschutzrechtlich naheliegend und technisch sauber. Ein Spiel, das Kommunikationsinhalte unverschlüsselt in einer herunterladbaren Datei ablegt, lädt genau zu dem ein, was passiert ist.
Der Vorwurf, Valve schütze damit vor allem Täter, greift trotzdem einen echten Punkt auf. Denn mit der Verschlüsselung verschwindet nicht nur die Möglichkeit, Chatverläufe zu missbrauchen, sondern auch jede unabhängige Möglichkeit, das Ausmaß von Beleidigungen im Spiel überhaupt zu messen. Künftig weiß nur noch Valve, was in den Partien geschrieben wird.
Ob das Unternehmen diese Daten für die eigene Moderation nutzt, ist von außen nicht überprüfbar. Eine Ankündigung dazu gibt es nicht. Für Spieler bleibt damit eine Änderung, die ihre Privatsphäre schützt, und eine Frage, die unbeantwortet bleibt.

