Eine neue Auswertung von CS2 Tracker wirft ein ziemlich unschönes Licht auf den Textchat von Counter-Strike 2. In der bislang ausgewerteten Stichprobe tauchte in 9,8 Prozent der Matches mindestens eine vom Dienst erfasste Variante des N-Worts auf. Noch höher liegt der Anteil, wenn weitere von CS2 Tracker beobachtete rassistische, homophobe und ableistische Beleidigungen einbezogen werden: Dann sind 17,6 Prozent der analysierten Partien betroffen.
Wichtig ist allerdings die Einordnung: Es handelt sich nicht um 10 Prozent aller weltweit gespielten CS2-Matches, wie teilweise berichtet wird. Die Zahl stammt aus der Datenbank von CS2 Tracker. Zum Zeitpunkt der Auswertung umfasste diese rund 224.800 Matches, 495.000 Spieler und 5,5 Millionen Chatnachrichten.
Fast jedes sechste ausgewertete Match enthält einen erfassten Slur
Die Dimension der Stichprobe ist trotzdem bemerkenswert.
CS2 Tracker kam bei seiner aktuellen Auswertung auf folgende Werte:
| Auswertung | Anteil |
|---|---|
| analysierte Matches | ca. 224.800 |
| analysierte Chatnachrichten | ca. 5,5 Mio. |
| erfasste Spieler | ca. 495.000 |
| Matches mit mindestens einem erfassten Slur | 17,6 % |
| Matches mit mindestens einer N-Wort-Variante | 9,8 % |
| chattende Spieler mit mindestens einem erfassten Slur | 7,0 % |
| chattende Spieler mit einer N-Wort-Variante | 3,5 % |
Damit findet der Tracker in ungefähr jedem 5,7. untersuchten Match mindestens einen der beobachteten diskriminierenden Begriffe. Beim N-Wort entspricht der Wert fast exakt einer von zehn Partien.
Die viel zitierte Zahl von 310 Nachrichten pro Sekunde ist missverständlich
Einige Berichte gehen noch einen Schritt weiter und behaupten, in Counter-Strike würden etwa 310 Hassnachrichten pro Sekunde verschickt.
Das ist so nicht richtig.
CS2 Tracker schätzt rund 310 normale Chatnachrichten pro Sekunde insgesamt. Auf Basis seiner Stichprobe extrapoliert der Anbieter daraus etwa 6,5 erfasste Slurs pro Sekunde. Für Varianten des N-Worts liegt die Hochrechnung bei ungefähr 3,3 pro Sekunde.
Diese Hochrechnungen sind außerdem keine offiziellen Valve-Daten. CS2 Tracker legt dafür Annahmen von ungefähr 26 Millionen monatlichen Spielern und rund 400 Millionen Competitive-Matches pro Jahr zugrunde.
Entsprechend sollten insbesondere die hochgerechneten Jahreszahlen nicht mit tatsächlich gezählten Nachrichten verwechselt werden.
Mehr als eine halbe Million problematische Nachrichten pro Tag?
Wendet man die innerhalb der Stichprobe gemessenen Raten auf das gesamte Matchmaking an, kommt CS2 Tracker trotzdem auf enorme theoretische Größenordnungen.
Geschätzt werden unter anderem:
- rund 560.000 Nachrichten mit einem erfassten Slur pro Tag
- rund 290.000 Nachrichten mit einer N-Wort-Variante pro Tag
- rund 204 Millionen erfasste Slurs pro Jahr
- rund 105 Millionen N-Wort-Verwendungen pro Jahr
Das klingt dramatisch – und ist es auch. Allerdings handelt es sich bei diesen Zahlen ausdrücklich um Extrapolationen des Betreibers, nicht um eine vollständige Auswertung aller Counter-Strike-Partien.
Für die eigentliche Stichprobe sind die Zahlen wesentlich belastbarer: Dort wurden die Begriffe tatsächlich innerhalb der verarbeiteten Match-Demos gefunden.
Der Tracker erfasst längst nicht jede Form von Beleidigung
Interessanterweise könnte das System bestimmte Formen toxischer Kommunikation sogar übersehen.
CS2 Tracker sucht derzeit nach exakten Wortübereinstimmungen ausgewählter Begriffe. Absichtlich falsch geschriebene Varianten, Zeichenersetzungen oder Beleidigungen in anderen Sprachen werden nicht vollständig erfasst.
Gerade für die internationale Counter-Strike-Community ist diese Einschränkung erheblich. Deutschsprachige, polnische, russische, französische oder andere lokale Beschimpfungen tauchen in der Statistik nicht automatisch auf.
Gleichzeitig bedeutet das nicht, dass der tatsächlich gemessene Anteil problemlos auf sämtliche CS2-Partien übertragen werden kann. Die bislang von CS2 Tracker verarbeiteten Demos müssen nicht zwingend eine vollständig repräsentative Stichprobe der gesamten Community darstellen.
Auch Voice-Chat ist in dieser Statistik nicht enthalten.
Die Zahlen zeigen deshalb sehr konkret, was in der ausgewerteten Datenmenge passiert – nicht die vollständige Menge toxischer Kommunikation in Counter-Strike 2.
Öffentliche Chat-Historien sorgen selbst für Diskussionen
Aufmerksamkeit bekam CS2 Tracker ursprünglich durch eine andere Funktion.
Der Dienst macht Chatnachrichten aus ausgewerteten Counter-Strike-Matches bestimmten Spielerprofilen zuordenbar und durchsuchbar. Dadurch lassen sich teilweise ältere Aussagen einzelner Nutzer nachvollziehen.
Genau das hat in der Community eine Diskussion über Privatsphäre und den Umgang mit öffentlich verfügbaren Matchdaten ausgelöst.
Mit dem neuen Slur-Tracking geht die Plattform noch einen Schritt weiter und führt Statistiken darüber, welche Accounts bestimmte beleidigende Begriffe besonders häufig verwendet haben.
Die daraus entstandenen Ranglisten zeigen teilweise extreme Fälle. Sie sind allerdings kaum repräsentativ für den gewöhnlichen Spieler – einzelne Accounts können die Begriffe in extrem hoher Frequenz in den Chat schreiben.
Die Zahlen sagen trotzdem etwas über das Toxicity-Problem von CS2 aus
Die Grenzen der Statistik machen das Ergebnis nicht bedeutungslos.
Mehr als 5,4 Millionen ausgewertete Nachrichten aus über 224.000 Matches sind eine ausreichend große Datenmenge, um zumindest ein Problem sichtbar zu machen: Diskriminierende Sprache ist im öffentlichen CS2-Textchat keineswegs ein seltenes Ausnahmephänomen.
Dass fast jedes zehnte ausgewertete Match mindestens eine N-Wort-Variante enthält und in knapp jedem sechsten bis sechsten Match irgendeiner der vom Tracker beobachteten Slurs auftaucht, ist selbst mit allen methodischen Einschränkungen eine auffällige Quote.
Gleichzeitig zeigt die Auswertung, warum mit den Zahlen sorgfältig umgegangen werden muss. Aus „9,8 Prozent der von CS2 Tracker analysierten Matches“ wird schnell „10 Prozent aller Counter-Strike-Matches“. Und aus geschätzten 310 Chatnachrichten pro Sekunde werden in der Weitergabe plötzlich 310 Hassnachrichten.
Die tatsächlichen Daten sind auch ohne solche Übertreibungen deutlich genug.

