Die schwedische Counter-Strike-2-Spielerin und Kommentatorin Tilde „7liciousCSGO“ Byström sorgt weltweit für Aufsehen, nachdem sie auf X ein Foto von ihrem Nebenjob geteilt hat. Das Bild zeigt die Esportlerin an ihrem Arbeitsplatz – beim Sandwich-Zubereiten.
Was zunächst wie ein humorvoller Post wirkte, entwickelte sich innerhalb weniger Stunden zu einer Diskussion über die finanzielle Situation im professionellen Frauen-Esport.
After 10 years in esports, I’m officially a sandwich maker pic.twitter.com/G1TykLX6JS
— Tilde Byström (@7liciousCSGO) November 19, 2025
„Nach 10 Jahren Esport bin ich offiziell Sandwich-Maker“
Am 19. November veröffentlichte 7licious das Foto mit einem ironischen Daumen nach oben und dem Satz:
„After 10 years in esports, I’m officially a sandwich maker.“
In dem Bild sieht man sie vor mehreren fertig verpackten Sandwiches – ein bewusst überspitzter Kommentar zur Lage der Branche und zu typischen sexistischen Kommentaren, mit denen sie in ihrer Karriere konfrontiert wurde.
Der Post explodierte innerhalb kürzester Zeit:
- über 300.000 Likes,
- mehr als 18 Millionen Aufrufe in unter 24 Stunden.
Selbst Pizza Hut kommentierte den Beitrag mit: „Pizza maker is also fire.“
7licious antwortete: „YO! I know how to make a pizza.“
Hinter der Ironie steckt eine ernste Botschaft
Fragster sprach am 20. November mit 7licious über die Hintergründe des viralen Fotos.
Sie erklärt, dass der Post zwei Bedeutungen hatte – ein Running Gag der Gaming-Szene und eine bittere Wahrheit über die finanzielle Lage im Frauen-CS.
„Als Gamerin habe ich den Satz ‚Geh zurück in die Küche und mach mir ein Sandwich‘ eine Million Mal gehört“, erzählt sie.
„Aber es stimmt auch, dass ich jeden Morgen von 5 bis 10 Uhr wirklich Sandwiches mache, um meine Miete zahlen zu können.“
Sie betont, dass sie trotz Esport-Erfahrung, Stream-Karriere und Erfolgen mit internationalen Organisationen immer Nebenjobs gebraucht hat, um sich ihren Traum vom professionellen CS2 leisten zu können.
Frauen-Esport in der Krise: 7licious spricht über strukturelle Probleme
Der virale Post kommt in einer schwierigen Phase für die weibliche CS-Szene:
- Die Liga ESL Impact stellte nach Season 8 den Betrieb ein – wirtschaftlich „nicht mehr tragbar“.
- Top-Teams wie NAVI lösten ihre Frauen-Line-ups auf und sprachen von einem „unhaltbaren Geschäftsmodell“.
Für Spielerinnen wie 7licious hat das dramatische Auswirkungen:
„Um überleben zu können und CS2 weiter zu spielen, muss ich zusätzlich arbeiten. Das war eigentlich schon immer so.“
Vergangenheit bei EG Gold & Ghost Gaming – aber nie ein Vollzeitgehalt
Byström spielte bereits für namhafte Organisationen wie Evil Geniuses Gold und Ghost Gaming.
Doch keines der Teams konnte ein Gehalt zahlen, das für ein Vollzeit-Profi-Dasein ausreichte.
Stattdessen balanciert sie seit Jahren:
- Profi-Karriere
- Casting & Kommentieren
- Streaming
- Nebenjobs
Ein Lebensmodell, das im Frauen-Esport eher die Regel als die Ausnahme ist.
Ihr großer Traum: eine gemischte Liga für CS2
Trotz der schwierigen Lage verliert 7licious ihr Ziel nicht aus den Augen:
„Der Traum ist, dass Frauen-CS sich so weit entwickelt, dass wir in Zukunft gemischte Teams haben können.“
Sie hofft auf eine Szene, in der Spielerinnen und Spieler gemeinsam auf höchstem Niveau antreten – ohne getrennte Strukturen, ohne finanzielle Nachteile, ohne Debatten über „Nachwuchsförderung“ oder „Eigenständigkeit“.
Ein viraler Moment, der die Realität des Esports offenlegt
Der Hype um 7licious‘ Sandwich-Post ist lustig – aber auch bitter ernst.
Er zeigt, wie fragil die wirtschaftliche Grundlage vieler Esportlerinnen ist, selbst wenn sie technisch und taktisch zur Weltspitze gehören.
Ihr viraler Moment bringt ein Thema ins Rampenlicht, das im Schatten der großen CS2-Bühne oft vergessen wird:
Talent allein reicht nicht – ohne finanzielle Stabilität kann keine nachhaltige Frauen-Esport-Szene bestehen.

