Die Esports Integrity Commission (ESIC) hat am 13. Mai 2025 bekannt gegeben, dass mehrere Mitglieder der mongolischen Organisation ATOX – darunter Spieler, ein Coach und ein Analyst – wegen schwerwiegender Verstöße gegen die Integritätsrichtlinien des Esports mit sofortiger Wirkung gesperrt wurden. Die Entscheidung folgt auf eine eingehende Untersuchung, die potenzielle Spielmanipulationen in offiziellen Matches aufdeckte.
Der Skandal hat die asiatische CS Szene extrem aufgeschüttelt.
Wer ist betroffen?
Insgesamt wurden sieben Mitglieder aus dem Umfeld von ATOX Esports mit mehrjährigen Banns von der Esports Integrity Commission (ESIC) belegt. Die betroffenen Personen sind:
- Sodbayar „Techno4K“ Munkhbold (Spieler)
- Tuvshintugs „Annihilation“ Nyamdorj (Spieler)
- Ayush „910“ Bat-Erdene (Spieler)
- Batzorig „bLitz“ Batbold (Spieler)
- Erkhemtugs „rate“ Batsaikhan (Coach)
- Burenbayar „boday“ Batzorig (Coach)
- Batzorig „Machinegun“ Munkhbold (Analyst und ehemaliger Spieler)
Diese Namen stehen in engem Zusammenhang mit dem ATOX-Lineup, das in der asiatischen CS-Szene zu den bekanntesten zählte. Besonders brisant ist, dass Techno4K, Annihilation, 910 und bLitz bis zuletzt die tragenden Säulen des aktiven CS2-Rosters darstellten. Ihre Sperren bedeuten einen massiven personellen Einschnitt für die Organisation.
Die verhängten Sanktionen reichen – je nach individueller Beteiligung und Verstoß – von 24 Monaten bis hin zu 5 Jahren, wie die ESIC in ihrem offiziellen Statement mitteilte. Insbesondere bLitz und Machinegun wurden als Schlüsselfiguren identifiziert, die aktiv an der Manipulation von Matches beteiligt gewesen sein sollen.
Der Vorfall: Worum geht es genau?
Die Sperren resultieren aus einer internen Untersuchung der ESIC, die unregelmäßige Wettmuster und auffällige Spielentscheidungen in diversen Matches von ATOX identifizierte. Verdächtig war insbesondere die Partie gegen Clutch Gaming im März 2025, bei der ATOX in auffällig kurzer Zeit eine komfortable Führung verspielte – begleitet von ungewöhnlich hohen Wetteinsätzen auf den Gegner.
Die Analyse der Spielaufnahmen zeigte Entscheidungen, die laut Experten als „uncharakteristisch“ und „nicht kompetitiv motiviert“ einzustufen sind. Darunter fielen gezielte Fehlplatzierungen von Utility, absichtlich missratene Trades und auffällige Rotation Patterns, die scheinbar nicht dem Teamplay dienten.
ESIC leitet Konsequenzen ein
Die ESIC, eine internationale Organisation zur Wahrung der Integrität im Esport, veröffentlichte ein umfassendes Statement zur Angelegenheit. In diesem heißt es, man habe „ausreichende Beweise für einen vorsätzlichen Verstoß gegen die Anti-Corruption-Richtlinien“ gesammelt. Die Betroffenen erhielten Banns zwischen 24 und 60 Monaten, je nach Schwere und Rolle im Vorfall.
ESIC-Chef Stephen Hanna erklärte in einem Interview:
„Wir dulden keinerlei Form der Spielmanipulation – weder im Tier-1-Bereich noch in der regionalen Szene. Dieser Vorfall zeigt erneut, dass Integritätsverletzungen auch in kleineren Märkten nicht unentdeckt bleiben.“
Die Folgen für ATOX und die Szene
Die Sperren treffen ATOX schwer. Das Team galt als eines der stärksten asiatischen Lineups der letzten Jahre, gewann mehrere regionale Turniere und nahm regelmäßig an internationalen Qualifikationsevents teil. Ihr aggressiver Spielstil und die tiefe Spielchemie brachten ihnen Respekt über die asiatische Szene hinaus ein.
Mit dem Wegfall zentraler Akteure und der Coaching-Struktur steht das Team nun vor einer ungewissen Zukunft. Die Organisation hat bislang kein offizielles Statement veröffentlicht, es wird jedoch erwartet, dass sie sich in Kürze zu internen Konsequenzen äußert.
Ein dunkler Fleck auf der asiatischen CS2-Karte
Die Enthüllungen kommen zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt. Die asiatische CS2-Szene hatte sich nach Jahren der Stagnation gerade im Aufschwung befunden, mit Teams wie Lynn Vision, The MongolZ und ATOX, die auf internationalen LANs für Aufsehen sorgten. Der Skandal wirft jedoch erneut ein Schlaglicht auf die anhaltende Problematik der Spielmanipulation in weniger regulierten Regionen des Esports.
Ein ehemaliger Pro-Spieler aus Südostasien kommentierte auf X (ehemals Twitter):
„Es ist traurig, aber kein Einzelfall. Solange Spieler keine nachhaltigen Gehälter bekommen und es kaum Kontrollinstanzen gibt, wird es solche Fälle immer wieder geben.“
Was bedeutet das für die Zukunft?
Die ESIC kündigte bereits an, weitere Untersuchungen in Asien auszuweiten. Auch andere Teams sollen im Rahmen von Analysen zu verdächtigen Wettbewegungen unter die Lupe genommen werden. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass sich dieser Fall negativ auf Sponsoringmöglichkeiten und das Vertrauen in kleinere Ligen auswirken könnte.
Für die betroffenen Spieler hingegen bedeutet das Urteil das wohl vorzeitige Ende ihrer kompetitiven Laufbahn – zumindest im professionellen Rahmen. In einer Branche, in der Reputation und Vertrauen zentrale Rollen spielen, sind derartige Verstöße kaum wiedergutzumachen.


