Crytek hat Anfang September 2026 eine neue Entlassungswelle durchgeführt, die beide Hauptstandorte des Studios trifft. Betroffen sind die Zentrale in Frankfurt am Main und das Büro in Istanbul. Nach Informationen von Insider Gaming verloren mindestens 30 Menschen ihren Arbeitsplatz, darunter das komplette Qualitätssicherungsteam der türkischen Niederlassung. Eine offizielle Stellungnahme des Unternehmens liegt bis heute nicht vor.
Damit ist es der zweite Stellenabbau bei Crytek innerhalb von rund achtzehn Monaten – und diesmal ohne die begleitende Erklärung, die das Studio im Februar 2025 noch veröffentlicht hatte.
Komplettes QA-Team in Istanbul aufgelöst
Der Schwerpunkt der Kürzungen liegt auf den unterstützenden Bereichen, nicht auf der Kernentwicklung. In Istanbul soll die gesamte Abteilung für Qualitätssicherung geschlossen worden sein. In Frankfurt traf es Beschäftigte aus mehreren Bereichen:
- Publishing: Vermarktung und Veröffentlichung der hauseigenen Titel
- Social Media: Community-Betreuung und Kanalpflege
- Qualitätssicherung: Testing am deutschen Standort
Die Betroffenen erfuhren laut den Quellen von Insider Gaming zu Monatsbeginn von ihrer Kündigung. Die Entscheidung sei intern als unerwartet beschrieben worden. Wie hoch die tatsächliche Gesamtzahl ausfällt, ist offen: Die Zahl von 30 Entlassungen gilt als bestätigte Untergrenze, eine abschließende Bilanz steht noch aus. Crytek hat auf Anfragen bislang nicht reagiert.
Der zweite Stellenabbau innerhalb von achtzehn Monaten
Die Kürzungen fügen sich in eine längere Entwicklung ein. Bereits im Februar 2025 hatte Crytek einen deutlich größeren Einschnitt öffentlich gemacht und dabei ungewöhnlich offen über die finanzielle Lage gesprochen.
| Zeitpunkt | Ereignis |
|---|---|
| Q3 2024 | Entwicklung des nächsten Crysis-Teils wird intern gestoppt |
| Februar 2025 | Rund 15 Prozent der etwa 400 Mitarbeiter werden entlassen (etwa 60 Stellen), Crysis 4 offiziell auf Eis gelegt |
| September 2026 | Erneute Kündigungen in Frankfurt und Istanbul, mindestens 30 Betroffene, keine offizielle Mitteilung |
Studiogründer Avni Yerli begründete den Schritt vor anderthalb Jahren mit den schwierigen Marktbedingungen der Branche. Man habe versucht, Entwickler vom gestoppten Crysis-Projekt auf Hunt: Showdown 1896 umzuschichten, das Studio könne aber nicht wie bisher weiterarbeiten und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähig bleiben. Damals gab es Abfindungen und Unterstützung bei der Jobsuche. Ob das auch diesmal gilt, ist unbekannt.
Was das für Crysis 4 und Hunt: Showdown 1896 bedeutet
Entgegen anderslautenden Darstellungen arbeitet Crytek nicht aktiv am nächsten Crysis. Das Projekt ruht seit dem dritten Quartal 2024. Es ist weiterhin auf der Unternehmenswebsite gelistet und wurde nie offiziell eingestellt, ein Entwicklungsupdate gab es seit dem Teaser von 2022 jedoch nicht mehr. Game Director Mattias Engström, der zuvor Hitman 3 verantwortet hatte, verließ das Studio bereits im November 2024 in Richtung IO Interactive.
Für Fans heißt das: Crysis 4 ist kein abgesagtes Spiel, aber auch kein aktives. Die aktuellen Entlassungen ändern daran unmittelbar nichts, weil sie die Entwicklungsteams offenbar nicht betreffen. Sie verlängern aber die Phase, in der zu dem Projekt schlicht nichts passiert.
Anders liegt der Fall bei Hunt: Showdown 1896. Der Live-Service-Shooter ist Cryteks tragende Einnahmequelle und wird weiter mit Inhalten versorgt. Genau hier wird der Wegfall eines kompletten QA-Teams jedoch spürbar. Qualitätssicherung ist bei einem Spiel mit regelmäßigen Updates, saisonalen Events und laufenden Balance-Anpassungen keine Nebenrolle, sondern die Instanz, die Fehler vor dem Livegang abfängt. Wie Crytek diese Arbeit künftig abdeckt, ob intern umverteilt oder über externe Dienstleister, ist bislang nicht kommuniziert.
Ein Studio, das seine Substanz Schicht für Schicht abträgt
Crytek wurde 1999 von den Brüdern Cevat, Avni und Faruk Yerli gegründet und zählt mit Far Cry, der CryEngine und der Crysis-Reihe zu den prägenden deutschen Entwicklerhäusern. Der Standort Istanbul war seit Jahren Teil dieser Struktur.
Was die aktuelle Welle so unangenehm macht, ist weniger ihr Umfang als ihr Muster. Wer Publishing, Social Media und Qualitätssicherung streicht, spart dort, wo die Kosten sofort sichtbar sind und der Schaden erst später auffällt. Ein Studio kann eine Weile ohne eigene Vermarktungsabteilung und ohne eigenes Testing funktionieren, bei einem Live-Service-Titel mit fester Update-Kadenz rächt sich das erfahrungsgemäß in Form fehlerhafter Patches und schleppender Kommunikation mit der Community.
Dass Crytek diesmal auf eine öffentliche Erklärung verzichtet, ist ebenfalls bemerkenswert. Im Februar 2025 hatte das Unternehmen die eigene Lage vergleichsweise transparent dargelegt. Das Schweigen im September 2026 lässt Raum für Spekulationen, den eine kurze Mitteilung schließen könnte. Bis dahin bleibt der Eindruck eines Studios, das seit zwei Jahren im Sparmodus fährt, ohne dass ein Weg aus dieser Lage erkennbar wäre.
Quellen:

