Michał Nowakowski, einer der beiden Vorstandschefs von CD Projekt Red, rechnet nicht damit, dass die aktuelle Krise am Speichermarkt den Konsolenmarkt zerlegt. In einem Gespräch mit The Game Business bezeichnete er die Preisentwicklung zwar als objektive Schwierigkeit, hält Konsolen aber für unverzichtbar – und sein eigenes Unternehmen für hinreichend flexibel, falls die nächste Gerätegeneration auf sich warten lässt.
Worum es geht
Der Hintergrund ist eine anhaltende Knappheit bei Speicherbausteinen, ausgelöst durch die Bestellmengen aus dem KI-Sektor. Die Folgen sind an mehreren Stellen sichtbar: PlayStation 5, Xbox Series X und S sowie Nintendo Switch 2 sind in diesem Jahr allesamt teurer geworden. Xbox-Chefin Asha Sharma hat eingeräumt, dass auch die kommende Konsole des Konzerns von den Speicherkosten betroffen sein wird, und die Steam Machine hat sich aus demselben Grund bereits verschoben.
Kurzfristig entspannen dürfte sich das nicht. Analysten rechnen damit, dass die Engpässe bis mindestens 2027 anhalten. Samsung, SK Hynix und Micron fahren ihre Investitionen zwar massiv hoch – die Rede ist von einer Steigerung um rund 340 Prozent zwischen 2024 und 2027 –, bis neue Kapazitäten Wirkung zeigen, vergehen aber Jahre. Für die kommende Konsolengeneration kursieren entsprechend Preisschätzungen in der Nähe von 1.000 Dollar.
Was Nowakowski sagt
Seine Argumentation läuft über die Zielgruppe. Konsolen seien nötig, um Gelegenheitsspieler und Menschen zu erreichen, die sich dem Medium erst annähern. Entscheidend sei die Einfachheit: anschließen und loslegen. An dieser Funktion ändere die Krise nichts, und deshalb sei er überzeugt, dass die Geräte den Sturm überstehen.
Die Gerüchte über eine Verschiebung der nächsten Generation kennt er, ohne sie zu bewerten – er wisse nicht, ob sie zuträfen. Sollten sie zutreffen, wäre das für sein Unternehmen kein Beinbruch: Man würde sich anpassen, kommerzielle Sorgen habe man deswegen nicht.
Der zweite Teil der Argumentation dreht sich um Inhalte. Wie man Spieler erreiche, sei letztlich zweitrangig; wenn das Angebot stimme, fänden die Leute einen Weg, es zu spielen. Sollte zum Erscheinen der eigenen Spiele die PlayStation 5 und die Xbox Series noch das sein, worauf gespielt wird, dann sei man eben dort.
Eine Einschränkung räumt er allerdings ein. Die Entwickler würden sich stets so viel Rechenleistung wie möglich wünschen. Verzögert sich die neue Hardware, müssten einzelne Ideen zurückgestellt werden, weil sie sich auf den aktuellen Geräten nicht umsetzen lassen.
Wo die Aussage einzuordnen ist
Damit steht Nowakowski nicht allein. Take-Two-Chef Strauss Zelnick hatte im Vormonat erklärt, steigende Hardwarepreise würden sein Unternehmen nicht ausbremsen. Beide Konzerne haben einen ähnlichen Vorteil: Ein erheblicher Teil ihrer Verkäufe läuft ohnehin über den PC, was das Risiko einer Konsolenkrise abfedert.
Bemerkenswert ist außerdem, was im selben Gespräch sonst noch zur Sprache kam. CD Projekt Red hat die hauseigene REDengine zugunsten der Unreal Engine aufgegeben, weil die eigene Technik für jedes neue Projekt praktisch von vorn aufgebaut werden musste – erst dieser Wechsel macht die parallele Arbeit an mehreren Titeln praktikabel. Zum Verhältnis von Kosten und Anspruch sagte Nowakowski, man sei kostenbewusst, entscheidend bleibe aber die Qualität; ein rein kostengetriebener Ansatz vertrage sich nicht mit einem Projekt wie The Witcher 4.
Was ansteht
Kurzfristig steht die Neuauflage von The Witcher 3 an, die am 29. September erscheint; die Erweiterung Songs of the Past folgt 2027. The Witcher 4 ist für 2028 vorgesehen, danach folgen die Fortsetzung von Cyberpunk 2077 und die neue Marke Hadar. Termine und Plattformen dieser Projekte können sich nach Angaben des Unternehmens je nach Marktlage verschieben.
Was das für deutsche Käufer bedeutet
Konkreter als die Branchendebatte ist die Preisfrage im Handel. Für Europa kursiert derzeit die unbestätigte Angabe, Sony könnte die Preise für PlayStation 5, PS5 Pro und PS Portal um jeweils rund 100 Euro anheben; im Raum steht für die PS5 Pro ein Wert von 899,99 Euro. Die Angabe stammt von einem einzelnen französischen Leaker und ist von Sony nicht bestätigt.
Passen würde sie ins Bild. Sony hatte zwar erklärt, für die Speicherknappheit vorgesorgt zu haben und Einbußen über Spiele und Abonnements ausgleichen zu wollen. Angelegte Vorräte sind allerdings endlich, und bei anhaltend hohen Verkaufszahlen laufen sie irgendwann aus. Wer ohnehin eine Anschaffung plant, sollte den Markt in den kommenden Wochen also im Auge behalten.

