Dass Call of Duty die Gemüter spaltet, ist eine Untertreibung. Der jüngste Ableger Black Ops 7 wurde von weiten Teilen der Fangemeinde regelrecht abgestraft: eine Kampagne, die sich verzettelte, ein zweifelhaftes Endgame, uneinheitliche Grafik und vor allem die Always-online-Pflicht, die Spieler selbst im Solomodus an eine stabile Verbindung kettete. Mit Modern Warfare 4 schlägt Infinity Ward nun einen spürbar anderen Ton an und kündigt Entscheidungen an, die einige der größten Kritikpunkte direkt adressieren.
Die Kampagne kehrt offline zurück
Der wohl wichtigste Punkt für enttäuschte Black-Ops-7-Spieler: Die Kampagne von Modern Warfare 4 lässt sich vollständig offline spielen. Wer beim Vorgänger nach einer zu langen Pause aus der laufenden Mission geworfen wurde oder bei einer instabilen Verbindung seinen Fortschritt verlor, kann aufatmen. Infinity Ward stellte auf Nachfrage klar, dass es keine erzwungene Online-Anbindung mehr gibt. Damit ist Modern Warfare 4 die erste Call-of-Duty-Kampagne seit zwei Jahren, die ohne ständige Internetverbindung auskommt, nachdem sowohl Black Ops 6 als auch Black Ops 7 auf eine Dauerverbindung bestanden hatten.
Ein Aktivision-Vertreter bestätigte zudem, dass die Kampagne reines Singleplayer-Material ist. Den Co-op-Ansatz von Black Ops 7, der für fehlende Checkpoints und abgebrochene Missionen bei Verbindungsabbrüchen mitverantwortlich war, gibt es nicht mehr. Einzelspieler bleibt Einzelspieler, ohne fremde Stimmen in der Lobby während einer Zwischensequenz und ohne das berüchtigte Problem, dass ein Update die laufende Partie unterbricht.
Inhaltlich setzt die Kampagne auf ein ernsteres Szenario, als man es zuletzt von der Reihe kannte. Im Zentrum steht eine groß angelegte nordkoreanische Invasion Südkoreas, die den Konflikt rasch über die koreanische Halbinsel hinaus bis nach New York, Paris und Mumbai trägt. Während eine junge südkoreanische Einheit an der zusammenbrechenden Front ums Überleben kämpft, führt der zurückgekehrte Captain Price aus dem Verborgenen seinen eigenen, persönlichen Krieg.
Große Änderungen im Mehrspielermodus
Auch beim Multiplayer reagiert das Studio auf einen häufig geäußerten Kritikpunkt: die teils völlig aus dem Zusammenhang gerissenen Kooperationen und Kosmetik-Pakete. Seit dem Aufstieg von Warzone und den saisonalen Gratis-Updates hat sich Call of Duty zusehends in einen Jahrmarkt verwandelt, der nicht jedem Spieler gefiel. Promi-Operator und Popkultur-Crossover gehören längst zum Inventar der Reihe, kollidieren aber regelmäßig mit dem bodenständigen Militär-Setting, für das Modern Warfare einst stand.
Infinity Ward verspricht hier eine Kehrtwende. Jeder Aspekt von Modern Warfare 4 sei in der Story des Spiels verankert, und jede Entscheidung müsse sich authentisch anfühlen und zu dem passen, was Modern Warfare ausmacht. Ausdrücklich schließt das Studio kosmetische Gegenstände und Kooperationen in dieses Versprechen ein und betont, man wolle bodenständig und transparent bleiben sowie das Feedback der Community einholen. Auf die Frage, ob Spieler erneut mit Figuren wie Lady Gaga, Nicki Minaj oder gar dem Zeichentrickhelden Omni-Man rechnen müssten, fiel die Antwort der Community-Teams klar verneinend aus, verbunden mit der Aufforderung, man möge dieses Versprechen ruhig schriftlich festhalten.
Warum die Skepsis trotzdem bleibt
So vielversprechend die Ankündigungen klingen, ein Selbstläufer ist das Vertrauen der Fans nicht. Die Reihe hat sich in der Vergangenheit bereits mehrfach mit bodenständigen Vorsätzen verabschiedet, nur um im Saisonverlauf wieder zu schrillen Crossover-Bundles zurückzukehren. Black Ops 7 selbst war mit dem Anspruch gestartet, geerdeter zu sein, und fügte später dennoch fragwürdige Event-Inhalte hinzu. Die eigentliche Bewährungsprobe folgt daher erst nach dem Start, wenn die Lizenzdeals und die ersten Crossover anlaufen.
Genau deshalb wird die Community die Worte von Infinity Ward genau im Auge behalten. Dass die Botschaft diesmal vor dem Release kommt und nicht erst mitten in einer laufenden Season, spricht zumindest für ein gewisses Problembewusstsein. Modern Warfare 4 erscheint am 23. Oktober für PS5, Xbox Series X/S, PC und erstmals auch für die Nintendo Switch 2, wobei der neue Extraction-Modus DMZ am 7. Juni gesondert vorgestellt werden soll.
Worauf es jetzt ankommt
Infinity Ward sagt vieles, was die enttäuschte Fangemeinde hören will, und trifft mit der Rückkehr zur Offline-Kampagne und dem Verzicht auf den erzwungenen Co-op-Zwang gleich mehrere wunde Punkte des Vorgängers. Das ernstere Setting und das klare Bekenntnis zu einem bodenständigen Multiplayer runden den Eindruck ab, dass das Studio diesmal tatsächlich zugehört hat. Ob daraus die ersehnte Trendwende wird, entscheidet sich allerdings nicht im Mai, sondern im Spielalltag der ersten Seasons. Bis dahin gilt: Die Versprechen sind stark, doch geliefert werden muss erst noch.
