Es gibt Spiele, bei denen man nach den ersten Sekunden erst einmal genauer hinschauen muss. BODYCAM gehört definitiv dazu. Licht, Kamerabewegung, Waffen, Umgebungen und die Art, wie Gegner nach Treffern zu Boden gehen, erzeugen teilweise Bilder, die eher wie eine echte Aufnahme als wie ein Multiplayer-Shooter aussehen.
Und genau damit funktioniert BODYCAM zunächst hervorragend.
Wir haben den Shooter selbst gespielt und für unser Video mehrere Matches ausprobiert. Der erste Eindruck war entsprechend stark: Das Ding sieht fantastisch aus, die Waffen klingen brachial und einzelne Feuergefechte können eine Intensität entwickeln, die kaum ein klassischer Multiplayer-Shooter erreicht.
Das Problem beginnt danach.
Denn sobald sich der anfängliche „Das sieht ja wirklich echt aus“-Effekt gelegt hat, bleibt die Frage: Was hält uns eigentlich im Spiel?
Unsere Antwort fällt derzeit eher ernüchternd aus.
BODYCAM ist beeindruckend anzusehen und spannend auszuprobieren – aber nach ungefähr 20 bis 30 Minuten hatten wir erstaunlich wenig Motivation, noch fünf weitere Matches zu spielen.
Unser BODYCAM Gameplay-Test im Video
Im Video seht ihr unsere eigenen Spielszenen und bekommt einen deutlich besseren Eindruck davon, warum BODYCAM optisch so spektakulär wirkt – und weshalb uns das eigentliche Gameplay trotzdem nicht dauerhaft überzeugen konnte.
Der erste Eindruck ist phänomenal
BODYCAM basiert auf Unreal Engine 5 und ist seit Juni 2024 als Early-Access-Spiel verfügbar.
Und wenn es eine Kategorie gibt, in der man Reissad Studio kaum etwas vorwerfen kann, dann ist es die Präsentation.
Besonders stark sind:
- Beleuchtung und Schatten
- die Bodycam-Perspektive
- Waffenanimationen
- Nachladeanimationen
- Mündungsfeuer und Rauch
- Ragdoll-Physik
- Waffensounds
- extrem detaillierte Innenräume
Manchmal entstehen dadurch Szenen, bei denen wir selbst kurz überlegen mussten, ob das wirklich gerade Gameplay ist.
Vor allem dunkle Räume mit einzelnen Lichtquellen funktionieren hervorragend. Wenn Schüsse fallen, die Kamera hektisch reagiert und ein Gegner im Raum zusammenbricht, erzeugt BODYCAM eine enorme Immersion.
Als visuelle Demonstration funktioniert das Spiel sensationell.
Nur reicht eine Demonstration eben noch nicht für einen dauerhaft guten Shooter.
Die Bodycam-Perspektive ist Stärke und Schwäche zugleich
BODYCAM will sich bewusst nicht wie Counter-Strike, Call of Duty oder Battlefield steuern.
Die Kamera hängt gewissermaßen am Körper des Spielers. Bewegungen wirken dadurch unruhiger, die Waffe sitzt nicht starr in der Bildschirmmitte und schnelle Richtungswechsel fühlen sich wesentlich schwerfälliger an.
Am Anfang trägt genau das zur Atmosphäre bei.
Es fühlt sich anders an. Unberechenbarer. Nervöser.
Nach mehreren Runden wurde daraus für uns allerdings zunehmend ein Problem.
Die Bewegung fühlt sich oft schwer, langsam und teilweise regelrecht träge an.
Natürlich kann man argumentieren, dass genau das zur realistischen Ausrichtung gehört. Nur ist „realistisch“ nicht automatisch gleichbedeutend mit „spaßig“.
An manchen Stellen hatten wir nicht das Gefühl, bewusst taktisch langsam zu spielen. Wir hatten vielmehr das Gefühl, gegen die Steuerung anzukämpfen.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Feuergefechte können fantastisch sein
Wenn BODYCAM funktioniert, dann funktioniert es richtig gut.
Ein Gegner taucht plötzlich in einem Türrahmen auf. Ein paar Schüsse fallen. Das Licht flackert, die Kamera bewegt sich hektisch und Sekunden später liegt einer von beiden auf dem Boden.
Solche Situationen gehören eindeutig zu den Highlights.
Die Waffen besitzen ordentlich Druck. Treffer wirken heftig und insbesondere die Kombination aus Waffenklang und Physik vermittelt deutlich mehr Wucht als viele gewöhnliche Multiplayer-Shooter.
Auch das Nachladen sieht hervorragend aus.
Und positiv ist ebenfalls, dass wir nach einem Match relativ schnell wieder in die nächste Partie gelangen. BODYCAM hält sich zumindest an dieser Stelle nicht unnötig mit langen Zwischenbildschirmen auf.
Das große Problem: Nach kurzer Zeit passiert zu wenig
Hier liegt für uns die momentan größte Schwäche von BODYCAM.
Das Gameplay entwickelt sich nicht im gleichen Maße weiter wie die Präsentation.
Nach einigen Matches hatten wir das Gefühl, im Grunde schon verstanden zu haben, was uns das Spiel bieten will.
Die vorhandenen Modi sorgen zwar auf dem Papier für Abwechslung. Aktuell gibt es unter anderem Deathmatch, Team Deathmatch, Wingman, Body Bomb, Hardpoint und Gun Game sowie Zombies als Koop-Alternative.
Doch mehr Spielmodi lösen unser eigentliches Problem nicht automatisch.
Uns fehlen stärkere spielerische Ziele.
Uns fehlt dieses:
„Okay, eine Runde noch.“
Stattdessen stellte sich bei uns nach etwa 20 Minuten eher die Frage:
„Haben wir jetzt eigentlich schon alles Interessante gesehen?“
Und für einen Multiplayer-Shooter ist das ein ernstes Problem.
BODYCAM verlässt sich zu stark auf seinen Realismus
Das Spiel besitzt eine fantastische Grundlage.
Doch momentan scheint BODYCAM teilweise davon auszugehen, dass die ungewöhnliche Optik selbst bereits genug Motivation erzeugt.
Das funktioniert beim ersten Match.
Es funktioniert auch beim zweiten.
Vielleicht auch noch beim fünften.
Aber irgendwann kennt man den Effekt.
Dann überrascht einen die wackelnde Kamera nicht mehr. Dann hat man die beeindruckenden Animationen schon gesehen. Dann weiß man, wie fantastisch die Waffen klingen.
Und plötzlich muss BODYCAM wie jeder andere Shooter über sein Gameplay überzeugen.
Genau dort wird es dünner.
Der Sound ist gleichzeitig fantastisch und merkwürdig
Bei der Audioqualität hatten wir einen ähnlichen Eindruck.
Die Waffen klingen großartig.
Schüsse besitzen enormen Druck und gehören für uns zu den besten Elementen des gesamten Spiels.
Andere Bereiche des Sounds überzeugen deutlich weniger.
Besonders Stimmen beziehungsweise Proximity Chat wirkten teilweise merkwürdig dumpf und schwer verständlich. Wenn mehrere Geräusche gleichzeitig auftreten, ist es nicht immer einfach zu erkennen, was Mitspieler eigentlich sagen.
Das passt ausgerechnet nicht besonders gut zu einem Spiel, das so stark auf Wahrnehmung und Immersion setzt.
Und dann ist da noch die Musik.
Uns persönlich ist schlicht zu viel Dubstep im Spiel.
Das mag Geschmackssache sein. Für uns passt diese Musik aber nicht besonders gut zu der ansonsten extrem realistischen, bedrückenden Atmosphäre.
BODYCAM versucht auf der einen Seite, uns glauben zu lassen, wir würden echte Aufnahmen eines Feuergefechts sehen – und haut auf der anderen Seite elektronische Musik darunter.
Das wirkt stellenweise widersprüchlich.
Treffererkennung und Server können die Immersion zerstören
Bei einem Shooter, der derart stark auf Realismus setzt, fallen technische Probleme besonders auf.
Wir hatten Situationen, in denen Treffer nicht so nachvollziehbar wirkten, wie wir es erwartet hätten. Dazu kommen die üblichen Schwierigkeiten eines noch in Entwicklung befindlichen Multiplayer-Spiels: Bugs, Serverprobleme und kleinere technische Ungereimtheiten.
Dass weiter daran gearbeitet wird, ist erkennbar: Reissad Studio veröffentlichte auch im September 2026 weitere Patches mit Änderungen unter anderem an Audio, Waffen, Online-Stabilität und anderen Bereichen.
Trotzdem gilt für unseren Test der Zustand, den wir tatsächlich gespielt haben.
Und dort gilt:
Wenn alles funktioniert, sind die Feuergefechte hervorragend. Wenn Treffer oder Netzwerk nicht sauber funktionieren, bricht die Illusion sofort zusammen.
Gerade BODYCAM kann sich solche Momente schlechter erlauben als ein gewöhnlicher Arcade-Shooter.
Was BODYCAM richtig gut macht
Man sollte trotz unserer Kritik nicht übersehen, wie viel hier bereits funktioniert.
Grafisch gehört BODYCAM zu den außergewöhnlichsten Shootern, die wir gespielt haben.
Auch Soundeffekte, Waffenanimationen und Physik tragen enorm zur Atmosphäre bei.
Besonders positiv aufgefallen sind uns:
+ teilweise extrem fotorealistische Grafik
+ außergewöhnliche Bodycam-Perspektive
+ hervorragende Waffensounds
+ starke Ragdoll-Physik
+ überzeugende Nachladeanimationen
+ intensive kurze Feuergefechte
+ schneller Wiedereinstieg in neue Matches
Das Fundament ist also definitiv vorhanden.
Was uns aktuell stört
Auf der anderen Seite stehen Probleme, die wesentlich stärker auf die Langzeitmotivation schlagen.
– schwergängige und teilweise träge Bewegung
– zu wenig spielerische Tiefe
– Matches fühlen sich relativ schnell ähnlich an
– Ziele und Modi motivieren uns nicht langfristig genug
– Proximity Chat teilweise dumpf und schwer verständlich
– Soundtrack passt für uns nicht zur Atmosphäre
– gelegentliche technische Probleme
– Treffererkennung nicht immer überzeugend
Und vor allem:
Der beeindruckendste Teil des Spiels ist momentan noch die Präsentation – nicht das Gameplay.
Fazit zum BODYCAM Game Test: Großartig anzusehen, aber schnell ausgespielt
BODYCAM ist eines dieser Spiele, die man eigentlich einmal selbst gesehen haben muss.
Screenshots reichen dafür kaum aus. Auch Trailer vermitteln nur bedingt, wie beeindruckend diese Kombination aus Kameraeffekt, Licht, Waffensounds und Physik tatsächlich sein kann.
Die ersten Feuergefechte sind fantastisch.
Das Problem ist nur: Danach muss ein guter Multiplayer-Shooter einen Grund liefern, warum man weiterspielt.
Und genau diesen Grund haben wir bei BODYCAM derzeit noch nicht gefunden.
Nach ungefähr 20 bis 30 Minuten war der größte Teil des Wow-Effekts für uns verflogen. Danach blieben schwerfällige Bewegung, relativ einfache Gameplay-Loops und zu wenig echte Motivation für längere Sessions.
Das bedeutet nicht, dass BODYCAM schlecht ist.
Im Gegenteil: Hier steckt enorm viel Potenzial drin.
Aber Reissad Studio muss dieses Potenzial jetzt in mehr spielerische Tiefe verwandeln. Interessantere Ziele, bessere Progression, straffere Bewegung, klareres Audio und ein technisch konstanteres Multiplayer-Erlebnis würden einen enormen Unterschied machen.
Aktuell würden wir BODYCAM deshalb vor allem Spielern empfehlen, die dieses ungewöhnliche Bodycam-Konzept selbst erleben wollen und großen Wert auf Atmosphäre und technische Präsentation legen.
Wer dagegen einen Multiplayer-Shooter sucht, in dem er jeden Abend mehrere Stunden versinken kann, dürfte momentan schneller an seine Grenzen kommen.
BODYCAM sieht unglaublich aus. Es klingt teilweise unglaublich. Und für kurze Zeit fühlt es sich auch unglaublich an.
Nur reicht uns das noch nicht.
Unsere Wertung im aktuellen Early Access
Grafik: 9,5/10
Sound: 8/10
Gunplay: 7/10
Atmosphäre: 9/10
Gameplay-Tiefe: 5/10
Langzeitmotivation: 4,5/10
Gesamteindruck: 6,5/10
BODYCAM ist aktuell ein beeindruckendes Erlebnis – aber noch kein Shooter, den wir stundenlang spielen möchten.



