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leni | Februar 26, 2022

Bobby Kotick bei Gaming Awards geflamed

Bei den DICE-Awards gab es einen außergewöhnlichen Moment, als einer der Moderatoren auf der Bühne den CEO Bobby Kotick flamte. Dafür wurde er aber gelobt, denn nicht viele trauen sich, den CEO direkt anzugreifen. Vor kurzem wurden die DICE Awards verliehen, das ist sowas wie die Oscar-Verleihung in der Gaming-Industrie.

Eine Reihe von Spielen bekamen Auszeichnungen, darunter It Takes Two von Hazelight Studios, das schon zum zweiten Mal als Spiel des Jahres ausgezeichnet wurde. Das Highlight des Abends war allerdings ein anderes. Schon vor den DICE Awards meldete sich der Kinda Funny-Mitbegründer Greg Miller via Twitter, dass er seine Sendezeit vor den Top-Entwicklern der Branche nutzen würde, um sich “Feinde zu machen”. Aber wie es scheint, hat er sich damit eher Freunde gemacht.

Greg Miller nimmt kein Blatt vor den Mund

Todd Howard, der Executive Producer von Bethesda, eröffnete den Abend mit einer Rede über die momentane politische Lage in Russland und der Ukraine. Danach kamen Greg Miller und Jessica Chobot auf die Bühne und die beiden sprachen Klartext. Miller nahm sich ganz klar den CEO von Activision Blizzard, Bobby Kotick, in seiner Rede zur Brust.

Nachdem er die brandheiße NFT-Situation angesprochen hatte, sagte Miller unter Klatschen und Jubelrufen des Publikums “Fuck Bobby Kotick”. Das war ein eher kritischer Moment, weil der Moderator der Game Awards, Geoff Keighley, im Dezember dafür kritisiert wurde, dass er sich weigerte, offen Namen zu nennen.

 

Während viele bekannte Persönlichkeiten der Spieleindustrie bereit sind, die vorgefallenen Belästigungen zu verurteilen oder sich für Verbesserungen in der Industrie einzusetzen, ist es viel seltener, dass man etwas Konkretes darüber hört, worauf diese Äußerungen zurückzuführen sind oder wer genau die Leute sind, die die Probleme verursachen.

Auch Laura Miele, Senior Vice President und Chief Operating Officer von EA, nahm bei DICE kein Blatt vor den Mund, als sie sagte: “Führungskräfte, die die grundlegenden Standards nicht erfüllen, müssen gehen”. – Damit war natürlich auch Bobby Kotick gemeint. Aber ihn so direkt beim Namen zu nennen ist ungewöhnlich und nicht ganz ungefährlich, weil man nicht weiß, was für Konsequenzen das mit sich ziehen könnte. Trotzdem war es an der Zeit, das Problem mal ganz klar zu benennen.

Publikum steht hinter Miller

Miller erklärte, dass er selber nicht genau wusste, ob er eine so deutliche Kritik in seiner Rede einbauen sollte, aber letztendlich kam es wohl ziemlich gut an. “Als wir den DICE Awards immer näher kamen, wusste ich, dass ich in dem Monolog etwas Echtes über NFTs und den Missbrauch, der in der Branche grassiert, sagen wollte”, so Miller. “Ich hatte gesehen, wie Geoff bei den Game Awards Kritik einstecken musste, weil er keine Namen nannte, also war ich darauf vorbereitet, dafür zu kämpfen, dass so etwas rein kommt.”

“Ich glaube nicht, dass die Zuschauer erwartet haben, dass wir so hart vorgehen würden”, so Miller weiter. “Es wurde gelacht und gestöhnt, aber es herrschte auch fassungsloses Schweigen. Jeder, der mich danach ansprach, sagte, dass sie es gut fanden und zu der Botschaft stehen – niemand sagte mir, dass ich falsch liege.”

Bobby Kotick steht seit Monaten aus verschiedenen Gründen in den Schlagzeilen. Kotick hat von den massiven und zahlreichen Missbrauchsfällen in seiner Firma gewusst und sie entschlossen unter den Teppich gekehrt. Außerdem drohte er, einen Assistenten zu töten. Berichten zufolge war er dafür verantwortlich, dass diejenigen, die den sexuelle Missbrauch und die Diskriminierung begangen haben, nicht gefeuert wurden, während Kotick sich selber Frauen gegenüber schrecklich benommen hat.

Er ist so ziemlich einer der Schlimmsten in der Branche. Von daher ist es gut, dass er endlich mal öffentlich angeprangert wurde. Wir müssen kein Blatt vor den Mund nehmen und schlechte Menschen schützen – im Gegenteil. Es ist eine positive Veränderung, dass solch schwierige Themen auch bei den DICE Awards angesprochen wurden und dass damit nicht vergessen wird, dass die Arbeiter von Activison Blizzard immer noch bessere Arbeitsbedingungen fordern. Man kann Ungerechtigkeit und Missbrauch nur eindämmen, indem man die Verantwortlichen zur Rede stellt und die Vorfälle nicht in Vergessenheit geraten lässt.

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