Berlin International Gaming (BIG) geht in die Offensive: Mit „Project Breach“ kündigt die Organisation eine neue Initiative für Women’s Counter-Strike 2 an – genau in dem Moment, in dem der Szene seit Monaten die wichtigste internationale Bühne fehlt. Nach dem Ende der ESL Impact-Ära ist das Frauen-Ökosystem in CS2 sichtbarer denn je unter Druck geraten. BIG will diese Leerstelle nicht länger einfach hinnehmen – und bringt mit einem Partner aus dem Gesundheitsbereich eine neue Struktur ins Gespräch.
Nach ESL Impact: Das Vakuum ist real – und teuer
Als ESL im Herbst 2025 bekanntgab, den ESL-Impact-Circuit nach Season 8 zu suspendieren, war die Begründung klar: Das Modell sei wirtschaftlich nicht nachhaltig. Zurück blieb vor allem eins: eine fehlende, verlässliche Spitze der Wettbewerbs-Pyramide. Ohne Impact-Liga fehlen nicht nur LAN-Finals, mediale Bühne und Turnier-Rhythmus – sondern auch der wichtigste Hebel für Sponsoren, Teams und Spielerinnen, um langfristig zu planen.
2026 existieren zwar Alternativen, aber sie sind selten ein Ersatz für ein stabiles Profi-Ökosystem. Die JB Pro League Female Season 1 lief beispielsweise mit 25.000 US-Dollar Preisgeld – gut als Signal, aber für viele Spielerinnen weiterhin kein Fundament für eine professionelle Karriere.
Project Breach: BIG setzt auf Initiative statt Abwarten
BIG positioniert Project Breach als Antwort auf diese Unsicherheit. Offizielle Details zu Format, Zeitplan und Turnierstruktur sind noch nicht vollständig veröffentlicht, aber das Projekt wird bereits als Women’s-CS2-Initiative kommuniziert – inklusive eigener Identität und klarem Ziel: Struktur, Sichtbarkeit und Perspektive.
Brisant ist dabei der Subtext: Während viele Akteure im CS2-Kosmos auf ein Signal von Valve warten, handelt BIG. Und genau diese Dynamik macht Project Breach zu mehr als einem Teaser – es ist ein Statement an die Szene, dass Entwicklung nicht automatisch „von oben“ kommen wird.
BIG EQUIPA als sportliche Basis – und ein neues 2026-Roster
BIG bringt für das Projekt die stärkste Visitenkarte mit, die man in Women’s CS2 aktuell haben kann: BIG EQUIPA. Das Team gewann die ESL Impact Season 8 Finals und wurde bei den HLTV Awards als Women’s Team of the Year 2025 ausgezeichnet. Zusätzlich holte ASTRA den Titel Women’s Player of the Year – ein Doppel, das BIG EQUIPA als Referenzpunkt der Szene etabliert.
Für 2026 hat BIG außerdem bereits am Kader gearbeitet:
- ASTRA, Hanka und Emmsan bleiben der Kern
- aiM und sosya ergänzen das Line-up
Damit steht nicht nur eine Idee im Raum – sondern ein sportlicher Unterbau, der direkt Reichweite und Relevanz mitbringt.
GreenMedical als Partner: Gesundheit, Performance und ein „Female Cup“-Ansatz
Als strategischer Partner ist GreenMedical an Bord. Der Gesundheitsfokus ist dabei kein kosmetisches Add-on, sondern passt auffällig gut in eine Phase, in der Belastung, Reise-Stress und fehlende Absicherung im Esport wieder stärker diskutiert werden. GreenMedical selbst spricht im Kontext von Project Breach davon, eine Women’s-Counter-Strike-Cup-Struktur zu unterstützen, um die Competitive-Szene aktiv zu stärken.
Was daraus konkret wird – Liga, Cup-Serie, Hybrid-Modell oder etwas völlig Neues – bleibt der spannende Punkt der kommenden Wochen.
Valve als großes Fragezeichen: Ohne Publisher-Signal bleibt alles freiwillig
Project Breach trifft in CS2 auf ein Grundproblem: Valve betreibt keine offizielle Frauenliga, schafft keine eigenen Competitive-Umgebungen speziell für Frauen und setzt bislang auch keine klar sichtbare Förderstrategie. Andere Esports-Ökosysteme zeigen, wie stark Publisher-Support ein Format stabilisieren kann – in CS2 hängt das Thema dagegen weiterhin stark an Veranstaltern, Plattformen und Organisationen, die aus eigenem Antrieb investieren.
In diese Lücke springen Community- und Plattform-Projekte – etwa über FACEIT, wo Frauen-Hubs und Turnierformate stärker organisiert werden. Aber auch hier gilt: Das ersetzt keine Publisher-getragene Infrastruktur.


