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Bericht: Chinesische CS2-Bot-Farmen pausieren aus Sorge vor VACNet

Jonas Teichmann
Jonas Teichmann Chefredakteur & Esports-Experte

Valves jüngste Arbeiten an VACNet sorgen offenbar für Unruhe unter Betreibern großer CS2-Bot-Farmen. Berichten aus der Trading-Szene zufolge sollen einige chinesische Farmen ihre automatisierten Accounts vorerst abgeschaltet haben, weil sie nicht einschätzen können, wie zuverlässig das neue VACNet-System Farming-Bots erkennt. Dass Valve sein Anti-Cheat-System derzeit tatsächlich erweitert, ist bestätigt. Eine großflächige Stilllegung chinesischer Bot-Farmen dagegen bislang nicht.

Der Hintergrund ist das neue VACNet Labeling Portal, das Valve inzwischen auf der offiziellen Counter-Strike-Webseite betreibt. Das System ist derzeit nur für eingeladene Nutzer zugänglich und erinnert grundsätzlich an das frühere Overwatch-System aus CS. Die gesichteten Funktionen deuten allerdings darauf hin, dass die Bewertungen vor allem zur Klassifizierung verdächtiger Spielsituationen und damit zur Verbesserung von VACNet dienen sollen.

Betreiber sollen ihre CS2-Farmen vorerst abgeschaltet haben

Ausgangspunkt der aktuellen Meldung sind Berichte eines Traders beziehungsweise Insiders über Betreiber chinesischer Case- und Item-Farmen. Demnach hätten einige ihre Systeme vollständig heruntergefahren und warten nun ab, wie sich VACNet entwickelt. Die dafür eingesetzte Hardware soll teilweise weiterhin vorhanden sein und noch nicht verkauft werden.

Von einem endgültigen Ausstieg aus dem Geschäft kann deshalb nicht gesprochen werden. Vielmehr scheint es sich – sofern die Berichte stimmen – um eine Vorsichtsmaßnahme zu handeln. Die Betreiber müssten zunächst abschätzen, ob die Kosten für Prime-Accounts, Hardware und Infrastruktur weiterhin durch die gefarmten Gegenstände gedeckt werden können, wenn deutlich mehr Accounts gesperrt werden.

Als problematisch sollen inzwischen mehrere der verbreiteten Farming-Methoden gelten. Genannt werden unter anderem Deathmatch, Casual, Retakes und automatisierte Competitive-Partien. Bots nutzen solche Modi, um ohne regulären menschlichen Spieler Erfahrungspunkte zu sammeln und anschließend an die mit Prime verbundenen Item-Drops zu gelangen.

Neues VACNet-Portal ist tatsächlich live

Der entscheidende Unterschied zur reinen Spekulation über die Bot-Farmen: Das neue VACNet-System selbst lässt sich direkt bei Valve überprüfen.

Unter der offiziellen Counter-Strike-Domain befindet sich mittlerweile ein als „Counter-Strike 2 VacNet labeling portal“ bezeichnetes Portal. Valve weist dort ausdrücklich darauf hin, dass nur eingeladene Teilnehmer Zugang erhalten.

Berichte von Nutzern mit Zugriff zeigen eine Videoanalyse, bei der verdächtige Spielsituationen kategorisiert werden. Neben klassischen Cheat-Arten wie Aim-Unterstützung oder Wallhacks soll dabei auch automatisiertes Bot-Verhalten bewertet werden können. Anders als beim alten Overwatch-System sollen einzelne Bewertungen nicht unmittelbar über eine Sperre entscheiden, sondern VACNet zusätzliche klassifizierte Daten liefern. Valve hat die genaue Funktionsweise und Gewichtung der Ergebnisse bislang allerdings nicht ausführlich öffentlich dokumentiert.

Damit wäre das System gerade für Bot-Farmen relevant. Während einzelne Cheater ihr Verhalten variieren können, erzeugen hunderte oder tausende automatisierte Accounts häufig wiederkehrende Bewegungs-, Eingabe- und Spielmuster.

Valve hatte zuletzt eine VACNet-Lücke geschlossen

Das Labeling Portal steht zudem nicht isoliert. Valve arbeitet bereits seit Wochen sichtbar an VACNet. In einem offiziellen CS2-Update wurde ein Fehler behoben, durch den böswillige Spieler verhindern konnten, dass sie von VACnet verarbeitet werden.

Wie gravierend diese Schwachstelle war und welche konkreten Methoden darüber funktioniert haben, erklärte Valve nicht. Zusammen mit dem neuen Review-System zeigt die Änderung allerdings, dass die serverseitige Erkennung aktuell weiterentwickelt wird.

Schon Anfang August gab es außerdem Berichte über einen starken Rückgang der Spielerzahlen in Modi, die besonders häufig von Farming-Bots genutzt werden. Allein im Deathmatch soll die Aktivität zeitweise um etwa 18.000 Accounts zurückgegangen sein. Eine neue Ban-Welle wurde von Valve dazu allerdings nicht bestätigt, weshalb sich aus diesen Zahlen allein nicht ableiten lässt, wie viele Bots tatsächlich entfernt wurden.

Farming-Bots sind für Valve längst ein großes Thema

Dass Bot-Farmen keine kleine Randerscheinung sind, hatte Valve bereits im Frühjahr deutlich gemacht. Ein Valve-Mitarbeiter bestätigte damals öffentlich, dass das Unternehmen innerhalb einer Aktion 960.000 Farming-Bot-Accounts gesperrt hatte.

Valve erklärte zugleich, dass die Aktion auf umfangreichen Untersuchungen beruhte und durch Meldungen aus der Community unterstützt wurde. Spieler wurden ausdrücklich dazu aufgerufen, verdächtige Farming-Netzwerke weiterhin direkt an das Counter-Strike-Team zu melden.

Die Dimension dieser Ban-Welle zeigt, warum Änderungen an der Erkennung für professionelle Bot-Farmen ein erhebliches finanzielles Risiko darstellen können. Jeder gesperrte Prime-Account verursacht zusätzliche Kosten, während Gegenstände auf sanktionierten Accounts im schlimmsten Fall nicht mehr weiterverkauft werden können.

Ob VACNet die Bot-Farmen dauerhaft stoppt, bleibt offen

Für normale CS2-Spieler könnte eine erfolgreiche Erkennung schnell spürbar werden. Besonders Deathmatch-, Casual- und Retakes-Lobbys werden seit Jahren immer wieder von Farming-Bots bevölkert. Beschwerden über komplette oder teilweise automatisierte Server gibt es sowohl aus Asien als auch aus Europa und anderen Regionen.

Noch wäre es jedoch verfrüht, vom Ende der CS2-Bot-Farmen zu sprechen. Die aktuell kursierenden Berichte zeigen zunächst vor allem, dass einige Betreiber Valves neue Maßnahmen offenbar ernst nehmen. Ob die Farmen tatsächlich dauerhaft offline bleiben, ihre Methoden anpassen oder nach kurzer Zeit wieder hochgefahren werden, dürfte davon abhängen, wie effektiv VACNet automatisiertes Spielverhalten künftig erkennt.

Bemerkenswert ist deshalb weniger die bislang unbestätigte Behauptung, chinesische Bot-Farmen würden massenhaft aufgeben. Entscheidend ist, dass Valve mit dem neuen VACNet-Portal erstmals wieder ein sichtbares Review-System aufbaut – und dass Farming-Bots offenbar genau zu den Verhaltensweisen gehören, die dabei stärker ins Visier geraten könnten.

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Jonas Teichmann

Über den Autor

Jonas Teichmann

Jonas Teichmann ist Texter und E-Sport-Redakteur bei Fragster.de. In seinen Artikeln verbindet er aktuelle News mit klarer Einordnung und einem Blick für die Details, die in der Szene wirklich zählen. Ob CS2, League of Legends oder die großen internationalen Turniere: Jonas bereitet Themen so auf, dass sowohl eingefleischte Fans als auch Neueinsteiger schnell den Überblick bekommen. Sein Fokus liegt auf verständlicher Sprache, sauberer Struktur und dem Anspruch, Entwicklungen nicht nur zu melden, sondern auch nachvollziehbar zu erklären. Dabei greift er Trends, Meta-Änderungen und Teamdynamiken genauso auf wie relevante Hintergrundgeschichten.

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