Der Test war klein, das Ergebnis makellos. Das runderneuerte BC.Game-Roster um s1mple, Magisk, electroNic, Senzu und mzinho hat die Elisa Esports BreakOut Series 1 in Helsinki gewonnen und dabei alle sieben gespielten Karten für sich entschieden. Im Finale setzte sich die Mannschaft am Samstagabend mit 2:0 gegen ENCE durch, 13:11 auf Mirage und 16:13 nach Verlängerung auf Nuke.
Für ein Line-up, das zuvor kein einziges offizielles Match bestritten hatte, ist das der bestmögliche Einstieg. Für die Einordnung gilt trotzdem, was schon vor dem Turnier galt: Das Teilnehmerfeld bestand neben BC.Game ausschließlich aus finnischen Mannschaften aus dem unteren Weltranglistenbereich.
Das Finale war die einzige echte Prüfung
ENCE hatte sich seinerseits ohne Kartenverlust durch die Gruppenphase gearbeitet und im Halbfinale HAVU geschlagen. Entsprechend eng ging es zu.
Auf Mirage, der Kartenwahl von BC.Game, lief es zunächst gegen die Favoriten. Nur Senzu und mzinho fanden in einer flauen Angriffsphase Wirkung, und nach dem Seitenwechsel konvertierte ENCE die Pistolenrunde und führte 11:6. Von da an drehte das mongolische Duo die Partie mit einer Defensivserie, die den Finnen praktisch nichts mehr durchließ.
Auf Nuke kehrte sich das Bild um. BC.Game holte nach einem schwachen Start eine 7:5-Halbzeitführung, gewann Pistolenrunde und Umsetzung und schien durch. ENCE gab allerdings nicht auf, gewann mehrere Runden aus Unterzahlsituationen und erzwang aus einem 9:12 heraus die Verlängerung. Dort entschieden zwei Clutches die Sache: zunächst ein Vierfachkill mit der AK-47 samt anschließendem 1-gegen-3 durch s1mple, kurz darauf der nächste Stich.
Die Statistik des Finales
| Spieler | K | D | A | +/- | ADR |
|---|---|---|---|---|---|
| mzinho (MVP) | 42 | 29 | 13 | +13 | 85 |
| Senzu | 44 | 32 | 12 | +12 | 84 |
| s1mple | 37 | 31 | 10 | +6 | 72 |
| Magisk | 37 | 34 | 8 | +3 | 75 |
| electroNic | 29 | 41 | 10 | −12 | 64 |
| BC.Game gesamt | 189 | 167 | 53 | +22 | 381 |
| Spieler | K | D | A | +/- | ADR |
|---|---|---|---|---|---|
| millert | 38 | 34 | 12 | +4 | 73 |
| Schwarz | 35 | 38 | 14 | −3 | 81 |
| Cliqq | 38 | 40 | 5 | −2 | 73 |
| HENU | 33 | 40 | 8 | −7 | 62 |
| teme | 21 | 38 | 15 | −17 | 53 |
| ENCE gesamt | 165 | 190 | 54 | −25 | 342 |
Über das gesamte Turnier gerechnet war Senzu der auffälligste Spieler mit einem Rating von 1,48 und 0,92 Kills pro Runde. s1mple kam auf 1,30. Im Finale ging die MVP-Auszeichnung an mzinho.
Warum die beiden Mongolen die eigentliche Geschichte sind
Wer vor dem Turnier auf die Namen geschaut hat, hätte s1mple oder Magisk als Zugpferde erwartet. Getragen hat die Mannschaft ein anderes Duo. Senzu und mzinho spielten zuvor gemeinsam bei The MongolZ, wurden getrennt und sind bei BC.Game wieder zusammengeführt worden — und genau in den beiden Phasen, in denen das Finale zu kippen drohte, kam die Reaktion von ihnen.
Aufschlussreich ist auch die Zeile von electroNic. Ein Minus von zwölf und 64 ADR sind für einen Spieler seines Kalibers deutlich zu wenig, und in einer Partie gegen ein stärkeres Team hätte diese Schwäche gereicht, um das Ergebnis zu drehen. Für ein Line-up, das drei Wochen Zeit zum Zusammenspiel hatte, ist so etwas normal. Als Baustelle bleibt es trotzdem stehen.
Magisk wiederum wurde ausdrücklich als In-Game-Leader verpflichtet, und die Zahlen deuten darauf hin, dass er die Rolle auch tatsächlich ausfüllt: solide, unauffällig, ohne Anspruch auf die Statistikspitze. Genau dafür wurde er geholt.
Preisgeld und die Rückkehr in die Rangliste
BC.Game erhält für den Titel 7.500 Euro, umgerechnet rund 8.582 US-Dollar. ENCE bekommt als Zweiter 4.005 Dollar, SINQU und HAVU teilen sich als Halbfinalisten jeweils 2.288 Dollar. Das Gesamtpreisgeld lag bei 15.000 Euro.
Wichtiger als das Geld ist der zweite Effekt. Durch den kompletten Roster-Umbau hatte BC.Game seine VRS-Wertung verloren und startete bei null. Die makellose Gruppenphase brachte die Mannschaft auf Rang 150 zurück, nach dem Turniersieg steht sie mit 1.059 Punkten auf Platz 84 und damit wieder in den Top 100. Diese Punkte werden dringend gebraucht, wenn das Team beim zweiten Major des Jahres dabei sein will.
Was der Titel wert ist und was nicht
Ehrlich bleibt an dieser Stelle nur eine doppelte Antwort. Sportlich sagt ein Sieg über ein Feld aus finnischen Teams jenseits von Weltranglistenplatz 170 wenig über das Potenzial dieser Mannschaft aus. BC.Game ging als klarer Favorit hinein, und die Quoten vor dem Finale lagen bei über 90 Prozent.
Strukturell ist der Wert aber höher, als das Feld vermuten lässt. Ein Line-up aus drei getrennten Sprachräumen — russischsprachig, dänisch, mongolisch — hat unter LAN-Bedingungen sieben Karten in Folge gewonnen, darunter zwei enge gegen ein Team, das ebenfalls ungeschlagen war, und eine davon in der Verlängerung nach Rückstand. Genau an diesen Stellen brechen frisch zusammengesetzte Teams normalerweise auseinander.
Der eigentliche Test kommt gegen Gegner, die zurückschlagen können. Bis dahin hat BC.Game etwas, das dem Projekt in den vergangenen Jahren gefehlt hat: ein Ergebnis.

