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ATF bei Team Yandex: Maelstorm sieht „tickende Zeitbombe“ im neuen Dota-2-Line-up

Jonas Teichmann
Jonas Teichmann Chefredakteur & Esports-Experte

Team Yandex hat mit Ammar „ATF“ Al-Assaf einen der bekanntesten Offlaner der Dota-2-Szene verpflichtet. Noch bevor das neue Line-up sein erstes offizielles Match absolviert hat, gibt es allerdings deutliche Kritik. Der russische Caster Vladimir „Maelstorm“ Kuzminov hält die Kombination aus ATF und dem bisherigen Yandex-System für potenziell explosiv und bezeichnete das Team sinngemäß als „tickende Zeitbombe“.

Dabei handelt es sich ausdrücklich um Maelstorms persönliche Einschätzung. Hinweise auf tatsächliche interne Konflikte bei Team Yandex gibt es bislang nicht.

Ob seine Befürchtungen berechtigt sind, könnte sich bereits bei der PGL Wallachia Season 9 zeigen. Dort tritt Yandex erstmals mit ATF an.

ATF ersetzt DM bei Team Yandex

Team Yandex bestätigte den Transfer am 17. September 2026.

ATF übernimmt die Position 3 von Dmitry „DM“ Dorokhin. DM bleibt zunächst bei der Organisation, wurde allerdings in den inaktiven Kader verschoben.

Damit besteht das aktuelle Line-up aus:

PositionSpieler
Carrywatson
MidlaneCHIRA_JUNIOR
OfflaneATF
SupportSaksa
SupportMalady

Sportlich ist der Transfer auf den ersten Blick nachvollziehbar.

ATF gehört seit Jahren zu den prominentesten Offlanern der Szene und gewann mit Team Falcons unter anderem The International 2025. Die Dota-2-Abteilung von Falcons wurde Anfang September 2026 aufgelöst, wodurch mehrere hochkarätige Spieler auf den Transfermarkt kamen.

Für Team Yandex bot sich damit die Gelegenheit, einen international erfolgreichen Spieler für Position 3 zu verpflichten.

Maelstorm zweifelt am spielerischen Fit

Maelstorms Kritik richtet sich weniger gegen ATFs individuelle Qualität als gegen die Frage, wie gut sein Spielstil zum restlichen Team passt.

Der Caster beschreibt ATF als Spieler, der seine eigene Vorstellung davon durchsetzt, wie eine Partie gespielt werden soll. Anpassung an die Bedürfnisse seiner Mitspieler gehöre aus seiner Sicht nicht unbedingt zu dessen größten Stärken.

Genau darin sieht Maelstorm ein mögliches Problem.

Team Yandex spielte bislang häufig vergleichsweise strukturiert und gab Carry Alimzhan „watson“ Islambekov viel Raum, um Ressourcen zu sammeln und später die entscheidende Rolle in Teamfights zu übernehmen.

ATF gehört dagegen zu den Offlanern, die selbst vergleichsweise viele Ressourcen beanspruchen können.

Damit treffen zwei Ansätze aufeinander, die innerhalb eines Teams gut abgestimmt werden müssen.

Wer bekommt den Farm?

Die klassische Offlane-Rolle ist in Dota 2 längst nicht mehr darauf beschränkt, früh Kämpfe zu eröffnen und dem eigenen Carry sämtliche Ressourcen zu überlassen.

ATF hat diese Entwicklung besonders stark geprägt.

Seine erfolgreichsten Helden erlauben ihm häufig, selbst zum wichtigen Damage Dealer zu werden. Entsprechend beansprucht er in vielen Spielen mehr Farm als traditionelle Position-3-Spieler.

Mit watson besitzt Team Yandex gleichzeitig einen Carry, dessen größte Stärke gerade darin liegt, effizient Ressourcen aufzubauen und später mit einem deutlichen Item-Vorsprung Kämpfe zu entscheiden.

Die zentrale Frage lautet deshalb nicht, ob beide Spieler individuell gut genug sind.

Entscheidend wird sein, ob Yandex eine Ressourcenverteilung findet, die beiden Spielstilen gerecht wird.

Auch ArsZeeqq erwartet mögliche Spannungen

Maelstorm steht mit seiner skeptischen Einschätzung nicht alleine da.

Auch der frühere Coach und heutige Caster Arsenii „ArsZeeqq“ Usov äußerte Zweifel daran, wie problemlos sich ATF in die Mannschaft einfügen wird.

Dabei verwies er insbesondere auf die Kombination mit Martin „Saksa“ Sazdov.

ATF gilt als emotionaler und sehr selbstbewusster Spieler. Saksa wiederum sprach in der Vergangenheit offen darüber, dass unterschiedliche Vorstellungen innerhalb eines Teams zu Problemen führen können.

Aus dieser Kombination leiten die beiden Caster mögliches Konfliktpotenzial ab.

Noch einmal gilt allerdings: Bislang handelt es sich ausschließlich um Einschätzungen von außen. Weder ATF noch Team Yandex haben von Schwierigkeiten innerhalb des neuen Rosters berichtet.

ATF bringt auch reichlich Erfahrung mit

Die Diskussion sollte gleichzeitig nicht darüber hinwegtäuschen, welche sportliche Qualität Team Yandex verpflichtet hat.

ATF gehörte mehrere Jahre zum Kern von Team Falcons und entwickelte sich dort zu einem der erfolgreichsten Offlaner seiner Generation.

Mit Falcons gewann er The International 2025 und zahlreiche weitere große Turniere.

Der mittlerweile 21-Jährige ist außerdem dafür bekannt, ungewöhnliche Helden und Spielweisen auf Position 3 salonfähig zu machen.

Für Yandex könnte genau diese Eigenständigkeit deshalb ebenso gut ein Vorteil sein.

Das Team bekommt einen Spieler, der Partien selbst übernehmen und Gegner bereits im Draft zu Anpassungen zwingen kann.

Team Yandex startet heute gegen MOUZ

Lange muss die Dota-2-Community nicht auf den ersten Test warten.

Team Yandex trifft am 19. September bei der PGL Wallachia Season 9 auf MOUZ. Es ist das erste offizielle Match des Teams mit ATF.

Das Turnier wird bis zum 27. September in Bukarest ausgetragen und ist mit insgesamt einer Million US-Dollar dotiert.

Für Yandex bietet es damit unmittelbar die Möglichkeit zu zeigen, wie schnell sich der neue Offlaner in das bestehende System integrieren kann.

Ob Maelstorms Warnung vor einer „tickenden Zeitbombe“ am Ende zutrifft oder sich der Transfer als Verstärkung erweist, lässt sich momentan noch nicht bewerten.

Sportlich dürfte das neue Line-up aber zu den interessantesten Experimenten der kommenden Dota-2-Saison gehören.

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Jonas Teichmann

Über den Autor

Jonas Teichmann

Jonas Teichmann ist Texter und E-Sport-Redakteur bei Fragster.de. In seinen Artikeln verbindet er aktuelle News mit klarer Einordnung und einem Blick für die Details, die in der Szene wirklich zählen. Ob CS2, League of Legends oder die großen internationalen Turniere: Jonas bereitet Themen so auf, dass sowohl eingefleischte Fans als auch Neueinsteiger schnell den Überblick bekommen. Sein Fokus liegt auf verständlicher Sprache, sauberer Struktur und dem Anspruch, Entwicklungen nicht nur zu melden, sondern auch nachvollziehbar zu erklären. Dabei greift er Trends, Meta-Änderungen und Teamdynamiken genauso auf wie relevante Hintergrundgeschichten.

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