Aniimo muss sich den Vergleich mit Pokémon gefallen lassen – und versucht gar nicht erst, ihn zu vermeiden. Kreaturen sammeln, Elemente auskontern, seltene Varianten jagen und eine riesige Welt erkunden: Vieles wirkt sofort vertraut. Der entscheidende Unterschied ist jedoch, dass wir unsere gefangenen Wesen nicht einfach in den Kampf schicken, sondern uns selbst in sie verwandeln. Zusammen mit einer großen Open World, einem überraschend umfangreichen Basisbau und einer ungewöhnlich zurückhaltenden Free-to-Play-Monetarisierung entsteht daraus ein Spiel, das wesentlich eigenständiger ist, als der erste Eindruck vermuten lässt.
Ganz ohne Schwächen bleibt Aniimo allerdings nicht: Vor allem Kampfsystem, Hauptgeschichte und Menüführung fallen gegenüber den stärkeren Bereichen deutlich ab.
| Testdetails | |
|---|---|
| Spiel | Aniimo |
| Genre | Open-World-Action-RPG / Creature Collector |
| Getestete Version | PlayStation 5 |
| Modell | Free-to-Play |
| Schwerpunkt | Erkunden, Kreaturen sammeln, Kämpfen, Base Building |
| Fragster-Wertung | 8/10 |
Aniimo beginnt vertraut – und wird schnell eigenständiger
Die grundlegende Idee kennt jeder, der schon einmal ein Pokémon-Spiel gespielt hat.
Als neuer Mitarbeiter des Polaris-Instituts reist der eigene Charakter nach Idyllia und beginnt damit, die dort lebenden Animo zu erforschen und zu sammeln. Gefangene Kreaturen landen im sogenannten Anilog, in dem nicht nur die Sammlung dokumentiert wird, sondern auch Forschungsfortschritte festgehalten werden.
Das Fangen selbst funktioniert ebenfalls vertraut.
Spieler nähern sich einer Kreatur, prüfen ihre Fangwahrscheinlichkeit und werfen anschließend einen speziellen Würfel. Schlafende Animo oder Tiere, die dem Spieler den Rücken zukehren, lassen sich leichter einfangen.
Einige Wesen fliehen, andere sind friedlich und wieder andere greifen sofort an.
Aniimo kopiert diese Mechaniken allerdings nicht einfach eins zu eins, sondern verbindet sie mit einem System, das dem Spiel eine eigene Identität gibt.
Ihr kämpft nicht mit den Kreaturen – ihr werdet selbst zu ihnen
Der stärkste Einfall von Aniimo ist die sogenannte Bindung.
Anstatt eine Kreatur neben dem Spieler erscheinen zu lassen, übernimmt der Charakter selbst ihre Form und Fähigkeiten.
Vier Animo können gleichzeitig in einem Schnellmenü hinterlegt werden und lassen sich nahezu jederzeit wechseln.
Das funktioniert nicht nur im Kampf, sondern auch beim Erkunden.
Wer von einer hohen Klippe springt, kann sich beispielsweise in eine fliegende Kreatur verwandeln. Für steile Wände gibt es passende Animo mit entsprechenden Kletterfähigkeiten. Andere Wesen öffnen Wege durch Dornen, nutzen Luftströmungen oder erreichen versteckte Bereiche.
Damit wird die Sammlung nicht nur zu einer Liste möglichst seltener Monster.
Jede neue Kreatur kann gleichzeitig ein neues Werkzeug für die Spielwelt sein.
Genau hier funktioniert Aniimo besonders gut.
Erkundung ist die eigentliche Stärke
Während Kämpfe regelmäßig vorkommen, verbringt man wesentlich mehr Zeit mit Erkunden, Sammeln und Entdecken.
Aktuell gibt es fast 100 unterschiedliche Animo. Manche laufen einfach durch die Welt, während andere nur bei bestimmten Wetterbedingungen oder zu bestimmten Tageszeiten erscheinen.
Hinzu kommen mächtige Alpha-Animo, gegen die zunächst gekämpft werden muss.
Für viele Tiere gibt es außerdem unterschiedliche Formen.
Das Anilog belohnt zusätzliche Forschungsaufgaben wie:
- bestimmte Animo besiegen
- spezielle Fähigkeiten verwenden
- Kreaturen unter bestimmten Bedingungen fotografieren
- Entwicklungsstufen abschließen
- alternative Formen entdecken
Dadurch entsteht schnell der typische Sammeltrieb, der gute Creature-Collector auszeichnet. Eingefügter Text
Das Kampfsystem bleibt überraschend simpel
Ausgerechnet beim Kämpfen zeigt Aniimo allerdings eine seiner größten Schwächen.
Die verschiedenen Kreaturen besitzen zwar unterschiedliche Fähigkeiten und Elemente, das eigentliche Kampfsystem bleibt aber vergleichsweise oberflächlich.
Meist läuft es darauf hinaus, Standardangriffe mit Spezialfähigkeiten zu kombinieren, gelegentlich eine Ultimate einzusetzen und bei Bedarf auf ein Animo mit besserem Element zu wechseln.
Das Elementarsystem sorgt zumindest für etwas taktische Tiefe.
Feuer funktioniert beispielsweise gut gegen Pflanzen- und Eisgegner, während Elektro besonders effektiv gegen Wasser und Wind ist.
Trotzdem fühlt sich das gesamte System stark auf unkomplizierte Bedienung ausgelegt an.
Gerade auf einer Konsole entsteht dadurch gelegentlich der Eindruck, dass das Kampfsystem ursprünglich mit mobilen Plattformen im Hinterkopf entwickelt wurde.
Kampfsystem im Überblick
| Bereich | Einschätzung |
|---|---|
| Elementarsystem | Gut |
| Vielfalt der Animo-Fähigkeiten | Gut |
| Steuerung | Sehr zugänglich |
| Tiefe | Eher gering |
| Bosskämpfe | Deutlich interessanter |
| Langzeitmotivation | Vor allem durch Sammeln und Builds |
Gegen normale Gegner fällt das kaum negativ auf.
Bei stärkeren Gegnern, Alpha-Animo oder im Endgame muss dagegen wesentlich genauer auf Elemente, Fähigkeiten und Charakterwechsel geachtet werden.
Der beste Endgame-Modus heißt Eierdiebstahl
Nach Abschluss der Hauptgeschichte wird Eierdiebstahl zu einer der interessantesten Aktivitäten.
Dabei betreten Spieler allein oder mit bis zu drei weiteren Teilnehmern einen Dungeon voller Gegner und Beute.
Die wichtigste Belohnung sind Eier, aus denen anschließend neue Animo ausgebrütet werden können.
Der Modus funktioniert besonders gut, weil sich die Dungeon-Struktur verändert und nach und nach höhere Schwierigkeitsstufen freigeschaltet werden.
Wer im Team spielt, bekommt mehr Sicherheit und kann nach einem Fehler von Mitspielern unterstützt werden.
Solo gibt es dagegen mehr persönliche Beute.
Dadurch entsteht eine interessante Risikoentscheidung, die dem ansonsten einfachen Kampfsystem wesentlich mehr Bedeutung gibt. Eingefügter Text
Fast ein eigenes Spiel: Der Basisbau
Überraschend umfangreich fällt der eigene Basisbereich aus.
Dort gibt es keine Kämpfe. Stattdessen erinnert dieser Teil von Aniimo eher an eine Mischung aus Landwirtschafts- und Managementspiel.
Zu Beginn stehen einfache Felder zur Verfügung.
Spieler bauen Weizen an, verkaufen Ernten und investieren die Einnahmen anschließend in neue Produktionsmöglichkeiten.
Später kommen unter anderem hinzu:
- Wälder
- Minen
- Mühlen
- Öfen
- Werkbänke
- neue Felder
- Dekorationen
- zusätzliche Produktionsgebäude
Aus einfachen Rohstoffen entstehen dadurch immer komplexere Produktionsketten.
Weizen wird beispielsweise zu Mehl verarbeitet und anschließend für weitere Rezepte verwendet.
Auch eure Animo arbeiten auf der Farm
Die eigenen Kreaturen können zusätzlich Aufgaben innerhalb der Basis übernehmen.
Dabei spielt ihr Element erneut eine Rolle.
Feuer-Animo eignen sich besonders gut für Öfen, Wasser-Animo unterstützen bei der Wasserversorgung und Steinwesen arbeiten in Minen.
Teilweise werden sogar bestimmte Animo-Familien für spezielle Produktionsschritte benötigt.
Je weiter die Basis ausgebaut wird, desto mehr Gebäude, Rezepte und Arbeiterslots stehen zur Verfügung.
Das System erreicht nicht die Komplexität großer Produktionsspiele, bietet aber erstaunlich viel Beschäftigung.
Es ist problemlos möglich, eine komplette Spielsitzung nur damit zu verbringen, Gebäude umzustellen, Produktionsketten zu optimieren und neue Bereiche freizuschalten. Eingefügter Text
Die Hauptgeschichte bleibt hinter dem Rest zurück
Die Story erfüllt ihren Zweck, gehört aber klar zu den schwächeren Bereichen.
Der Spieler arbeitet für das Polaris-Institut, steigt im Rang auf und schaltet dadurch nach und nach neue Aufgaben und Gebiete frei.
Erst in späteren Kapiteln gewinnt die Geschichte spürbar an Fahrt.
Zuvor gibt es viele längere Dialoge mit eher statisch präsentierten Charakteren und eine Mischung aus emotionalen sowie dramatischen Momenten, die nicht immer besonders gut funktioniert.
Deutlich sympathischer sind viele der Nebenquests.
Einige verlangen beispielsweise, die Form eines bestimmten Animo anzunehmen, um dessen Artgenossen verstehen zu können.
Dadurch werden die besonderen Fähigkeiten der Kreaturen wesentlich natürlicher in die Aufgaben eingebunden.
Die Menüs könnten dringend übersichtlicher sein
Mit der Zeit sammelt Aniimo immer mehr Systeme.
Anilog, Charakterentwicklung, Animo-Ausrüstung, Forschung, Battle Pass, Produktionsverwaltung, Events und verschiedene weitere Bereiche besitzen jeweils eigene Menüs und Untermenüs.
Das sorgt vor allem zu Beginn für unnötige Reibung.
Wer ein bestimmtes System sucht, muss sich teilweise erst durch mehrere Ebenen klicken.
Hier wäre eine deutlich übersichtlichere Benutzeroberfläche wünschenswert.
Gerade weil das Spiel grundsätzlich sehr zugänglich aufgebaut ist, wirkt die Menüstruktur unnötig kompliziert.
Die Individualisierung macht überraschend viel Spaß
Wer seine Lieblings-Animo gefunden hat, kann diese umfangreich optisch verändern.
Es gibt Taschen, Rucksäcke, Ohrringe und zahlreiche andere Dekorationen.
Das Besondere: Viele Gegenstände lassen sich nicht nur auswählen, sondern auch verschieben, drehen sowie in ihrer Größe verändern.
Dadurch sehen selbst identische Kreaturen bei unterschiedlichen Spielern schnell anders aus.
Das hat keinen spielerischen Vorteil, passt aber hervorragend zum Sammelgedanken.
Auch der eigene Charakter bietet zahlreiche Kleidungs- und Gestaltungsmöglichkeiten.
Wie fair ist das Free-to-Play-Modell?
Bei einem kostenlosen Creature Collector liegt der Verdacht auf aggressive Monetarisierung nahe.
Aniimo überrascht hier positiv.
Es gibt keine klassische Gacha-Mechanik, und die eigentlichen Spielinhalte sind kostenlos erreichbar.
Ein Battle Pass bietet kostenlose und kostenpflichtige Belohnungen, darunter Ressourcen und spezielle Fangwürfel.
Ein Kritikpunkt bleibt allerdings: Eine kostenpflichtige Belohnung enthält ein besonders hochwertiges Animo mit perfekten Werten.
Damit bewegt sich Aniimo zumindest leicht in Richtung spielerischer Vorteile für zahlende Nutzer.
Hinzu kommen spezielle Würfel, die normale Kreaturen nach dem Fang in optisch besondere Varianten verwandeln können.
Diese lassen sich allerdings teilweise ebenfalls kostenlos erhalten.
Insgesamt bleibt die Monetarisierung im normalen Spielverlauf erstaunlich unaufdringlich. Eingefügter Text
Vorteile und Nachteile von Aniimo
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Große und abwechslungsreiche Welt | Hauptgeschichte bleibt lange blass |
| Fast 100 sammelbare Animo | Kampfsystem vergleichsweise simpel |
| Verwandlungsmechanik funktioniert hervorragend | Menüstruktur unnötig verschachtelt |
| Erkunden und Sammeln motiviert dauerhaft | Teilweise klarer Mobile-Einfluss bei der Steuerung |
| Überraschend umfangreicher Basisbau | Einige bezahlte Vorteile im Battle Pass |
| Sehr großzügiges Free-to-Play-Modell | Dialogpräsentation wirkt teilweise statisch |
| Kein klassisches Gacha-System | |
| Gute Endgame-Aktivitäten | |
| Umfangreiche Individualisierung |
Die Kernpunkte entsprechen auch den im Ausgangstest hervorgehobenen Stärken und Schwächen: Besonders Kreaturenvielfalt, Umfang, Farmmodus und Monetarisierung überzeugen, während Story, Kampfsystem und Menüführung deutlich schwächer ausfallen. Eingefügter Text
Unsere Wertung im Detail
| Kategorie | Wertung |
|---|---|
| Spielwelt & Erkundung | 9/10 |
| Animo & Sammelsystem | 9/10 |
| Kampfsystem | 6/10 |
| Story | 6/10 |
| Base Building | 9/10 |
| Umfang & Langzeitmotivation | 8/10 |
| Monetarisierung | 8/10 |
| Bedienung & Menüs | 6/10 |
| Gesamtwertung | 8/10 |
Aniimo ist mehr als nur ein kostenloser Pokémon-Klon
Aniimo funktioniert am besten, wenn es sich von seinem offensichtlichsten Vorbild entfernt.
Das Fangen und Sammeln der Kreaturen ist vertraut, aber die Möglichkeit, selbst ihre Form anzunehmen, verändert sowohl Erkundung als auch Kämpfe auf eine interessante Weise.
Der Basisbau entwickelt sich überraschend schnell zu einem eigenen Spiel im Spiel, während Eierdiebstahl und die Jagd nach seltenen Varianten auch nach der Story noch genug Beschäftigung bieten.
Dabei hilft enorm, dass das Free-to-Play-Modell die eigentlichen Inhalte nicht hinter einem Gacha-System versteckt.
Auf der anderen Seite bleibt das Kampfsystem klar hinter den übrigen Mechaniken zurück. Auch die Geschichte dürfte kaum der Grund sein, weshalb jemand nach dutzenden Stunden noch weiterspielt.
Das muss sie allerdings auch nicht unbedingt.
Aniimo überzeugt vor allem als entspannter Creature Collector mit starker Erkundung, überraschend gutem Base Building und enorm viel kostenloser Beschäftigung. Wer Pokémon mag, aber eine offenere Welt und etwas mehr Freiheit sucht, bekommt hier eine der interessantesten kostenlosen Alternativen der vergangenen Jahre.
Fragster-Wertung: 8/10



