AMDs aktueller FSR-4-Upscaler lässt sich offenbar auf deutlich älterer Hardware ausführen, als ursprünglich vorgesehen. Enthusiasten haben eine modifizierte Version von FSR 4.1.1b erfolgreich auf einer integrierten Radeon-Vega-8-Grafikeinheit gestartet. Von einem sinnvollen Spieleinsatz kann allerdings keine Rede sein: Die fehlende moderne Hardwarebeschleunigung sorgt für massive Leistungseinbußen. Der Versuch zeigt dennoch, dass der Algorithmus grundsätzlich auch außerhalb der offiziell vorgesehenen GPU-Generationen ausgeführt werden kann.
Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um eine neue offizielle Unterstützung von AMD. Die Umsetzung basiert auf Software-Anpassungen und einer modifizierten Umgebung unter Linux. Wer eine ältere Vega-GPU besitzt, bekommt durch den Versuch also nicht plötzlich ein reguläres FSR-4-Update.
Interessant ist vielmehr, dass die Bildrekonstruktion überhaupt funktioniert.
Vega 8 ist für FSR 4 eigentlich viel zu alt
FSR 4 unterscheidet sich technisch deutlich von früheren Generationen von AMD FidelityFX Super Resolution. Die aktuelle Variante setzt stärker auf maschinelles Lernen und Berechnungen, für die moderne Grafikarchitekturen erheblich besser ausgestattet sind.
Älteren Vega-Grafikeinheiten fehlen genau diese Voraussetzungen.
Eine integrierte Radeon Vega 8 stammt aus einer völlig anderen GPU-Generation und besitzt keine moderne Hardware, die speziell auf die für FSR 4 benötigten Matrix- und FP8-Berechnungen ausgelegt ist.
Normalerweise wäre damit bereits Schluss.
Die Community hat allerdings versucht, die fehlenden Funktionen über Software nachzubilden.
Dafür kamen angepasste Bibliotheken und modifizierte Varianten von OptiScaler unter Linux zum Einsatz. Rechenoperationen, die auf moderner Hardware deutlich effizienter abgearbeitet werden können, mussten dabei auf den vorhandenen Shader-Einheiten ausgeführt beziehungsweise emuliert werden.
Das Ergebnis ist technisch funktionsfähig – aber ausgesprochen langsam.
FSR 4 funktioniert, die Bildrate bricht jedoch ein
Das eigentliche Experiment verlief insofern erfolgreich, als die alte Vega-8-Grafik nicht einfach mit einem Fehler abbrach.
FSR 4.1.1b konnte die notwendigen Berechnungen durchführen und ein rekonstruiertes Bild erzeugen.
Genau das ist der interessante Teil des Versuchs.
Die Geschwindigkeit zeigt allerdings sofort, warum AMD den Upscaler nicht einfach für beliebige ältere Grafikkarten freischaltet.
Die Berechnungen belasten die wenigen verfügbaren Recheneinheiten der Vega-GPU so stark, dass die Bildrate massiv einbricht. Die beschriebenen Ergebnisse bewegen sich eher in Richtung einer technischen Vorführung als eines tatsächlich spielbaren Systems.
Ausgerechnet eine Technik, die normalerweise dabei helfen soll, höhere Bildraten zu erreichen, bewirkt auf dieser Hardware damit praktisch das Gegenteil.
Das ist allerdings kein Fehler von FSR 4. Die GPU muss Berechnungen übernehmen, für die sie schlicht nicht entwickelt wurde.
Der Versuch zeigt den Unterschied zwischen „läuft“ und „ist unterstützt“
Gerade solche Experimente verdeutlichen einen wichtigen Unterschied.
Dass Software technisch ausgeführt werden kann, bedeutet nicht automatisch, dass ihre Nutzung sinnvoll ist.
Ein Hersteller muss bei einer offiziellen Unterstützung sicherstellen, dass eine Funktion nicht nur startet, sondern auch genügend Leistung liefert, stabil funktioniert und auf einer großen Zahl unterschiedlicher Systeme zuverlässig eingesetzt werden kann.
Davon ist Vega 8 mit FSR 4 weit entfernt.
Die Community-Lösung zeigt lediglich, dass bestimmte technische Einschränkungen über Software umgangen werden können.
Für Besitzer älterer Ryzen-Systeme mit Vega-Grafik entsteht daraus momentan kein praktisches Upgrade.
OptiScaler erweitert seit längerem die Möglichkeiten von Upscalern
OptiScaler spielt bei solchen Versuchen eine wichtige Rolle.
Das Community-Projekt ermöglicht es, verschiedene Upscaling-Technologien in Spielen zu nutzen oder auszutauschen, auch wenn diese dort ursprünglich nicht in der gewünschten Form vorgesehen waren.
Dadurch lassen sich beispielsweise unterschiedliche Versionen von FSR oder andere Rekonstruktionsverfahren experimentell auf Hardware und in Spielen einsetzen, für die es keine offizielle Kombination gibt.
Die Umsetzung auf Vega 8 treibt diese Idee nun auf die Spitze.
Statt lediglich einen vorhandenen Upscaler auszutauschen, muss ein erheblicher Teil der für FSR 4 benötigten Berechnungen auf einer Architektur bewältigt werden, die viele Jahre vor dieser Technik entwickelt wurde.
Dass dabei überhaupt ein Ergebnis entsteht, ist technisch interessanter als die tatsächliche Geschwindigkeit.
Eine offizielle FSR-4-Unterstützung für Vega ist nicht zu erwarten
Aus dem erfolgreichen Experiment sollte deshalb nicht geschlossen werden, dass AMD demnächst ältere Vega-Grafikkarten offiziell mit FSR 4 versorgen könnte.
Die extrem niedrige Leistung spricht bereits dagegen.
Für Spieler mit älteren Grafikkarten bleiben frühere und weniger anspruchsvolle Upscaling-Verfahren die sinnvollere Lösung.
Für Entwickler und Hardware-Enthusiasten liefert der Versuch trotzdem eine interessante Erkenntnis: FSR 4 ist offenbar nicht grundsätzlich darauf angewiesen, auf einer offiziell unterstützten modernen GPU überhaupt erst starten zu können.
Mit genügend Software-Anpassungen lassen sich die benötigten Berechnungen auch auf einer integrierten Vega 8 durchführen.
Nur sollte man danach keine hohen Bildraten erwarten.
Das Experiment ist deshalb weniger ein neues FSR-4-Feature für alte Rechner als ein technischer Machbarkeitsnachweis: Vega 8 kann den modernen Upscaler tatsächlich berechnen – für einen sinnvollen Spieleinsatz fehlt der betagten Grafikeinheit aber schlicht die notwendige Leistung.

