G.Skill hat die Trident Z5 Royal NeoX angekündigt, eine neue DDR5-Serie mit Unterstützung für AMD EXPO-ULL. Die Kits reichen von DDR5-6000 CL36 bis DDR5-6000 CL26 und kommen in verspiegeltem Silber oder Gold mit kristalliner RGB-Leiste.
Interessanter als das Produkt ist die Technik dahinter. EXPO-ULL stammt von AMD, nicht von G.Skill, und der Nutzen hängt entscheidend davon ab, welchen Prozessor ihr verbaut habt.
Was EXPO-ULL überhaupt ist
AMD stellte die Technik auf der Computex 2026 Anfang Juni vor. Es handelt sich um eine Erweiterung des SPD-Profils, also derselben Systematik, nach der auch Intels XMP und das bisherige EXPO funktionieren, und ist Teil des Standards EXPO 1.2.
Das Prinzip ist unspektakulär: Statt neuer Taktraten schreibt der Standard deutlich engere Sub-Timings für die bei AMD üblichen Geschwindigkeiten DDR5-6000 und DDR5-6400 vor. Angepasst werden unter anderem tREFI, tRRDS und tWR. Bei tREFI, dem Abstand zwischen den obligatorischen Auffrischungszyklen, fällt die Anhebung besonders deutlich aus. Je seltener der Speicher aufgefrischt wird, desto mehr Zeit bleibt für die eigentliche Arbeit.
Sichtbar ist außerdem eine Änderung an tRAS, das bei G.Skills ULL-Kits von 96 auf 76 Taktzyklen sinkt. Der Großteil des Gewinns steckt allerdings in sekundären und tertiären Timings, die auf keinem Datenblatt stehen.
Damit greifen drei Bausteine ineinander:
| Baustein | Funktion |
|---|---|
| SPD-Profilformat | schafft Platz für zusätzliche Einstellparameter |
| AGESA 1.3.0.1b | AMDs Firmware, ohne die das Mainboard nichts damit anfangen kann |
| Zertifizierte Module | vorselektiert und für die engeren Timings geprüft |
Als Zielgröße nennt AMD eine Verringerung der Latenz um etwa fünf bis sieben Nanosekunden.
Der Haken: Es kommt auf den Prozessor an
Und hier wird es für Kaufinteressenten entscheidend. AMD wirbt mit vier Prozent mehr Bildern pro Sekunde gegenüber regulärem EXPO und dreizehn Prozent gegenüber JEDEC-Standardspeicher, gemessen über dreißig Spiele mit einem Ryzen 7 9700X.
Unabhängige Tests zeigen ein deutlich differenzierteres Bild.
| Prozessor | Gewinn durch EXPO-ULL |
|---|---|
| Ryzen 7 9700X (ohne 3D V-Cache) | rund 9 bis 10 Prozent |
| Ryzen 7 9800X3D (mit 3D V-Cache) | rund 2 Prozent |
Der Grund ist bekannt: Der große SRAM-Puffer der X3D-Modelle federt Speicherlatenzen ohnehin ab, weshalb feinere Timings dort kaum noch etwas bewirken. Wer eine X3D-CPU besitzt, kauft mit einem ULL-Kit also im Wesentlichen Optik.
Umgekehrt gilt: Auf einem Ryzen ohne 3D V-Cache ist ein zweistelliger Zuwachs ein bemerkenswerter Wert für einen reinen Profilwechsel im BIOS.
Aufrüsten funktioniert nicht
Ein Missverständnis lohnt die Klarstellung. EXPO-ULL läuft auf bestehenden Chipsätzen und Mainboards, auch auf Boards der 600er-Serie, sofern ein entsprechendes BIOS eingespielt wurde. Die Hersteller haben das im Juni nachgereicht.
Vorhandenen Speicher aufwerten lässt sich damit trotzdem nicht. Die Timings sind physisch im SPD der Module hinterlegt und nicht per Aktualisierung nachrüstbar. Wer EXPO-ULL nutzen will, braucht neue Riegel.
Technisch bleibt allerdings der alte Weg offen: Wer die Sub-Timings von Hand einträgt, kommt zum selben Ergebnis, riskiert dabei aber Stabilitätsprobleme. AMD kodifiziert mit ULL im Grunde nur das, was Übertakter seit Jahren manuell machen.
Die Preisfrage
Hier hat sich AMDs Zusage nicht gehalten. Auf der Computex hieß es, ULL-Kits sollten praktisch dasselbe kosten wie bisherige Module, da lediglich zusätzliche Timings hinzukämen.
In der Praxis fielen die Preise deutlich höher aus. G.Skill begründete das mit gestiegenen Preisen für DRAM-Chips und damit, dass der Handel noch Bestände zu alten Einkaufspreisen abverkaufe, wodurch eine Lücke entstanden sei. Angesichts der allgemeinen Lage am Speichermarkt ist mit weiter erhöhten Preisen zu rechnen.
Für die Trident Z5 Royal NeoX nennt G.Skill weder Preise noch Termine. Die Serie soll schrittweise in verschiedenen Märkten erscheinen, Interessenten werden auf lokale Händler verwiesen.
Wer sonst noch mitmacht
G.Skill ist nicht allein. Am EXPO-ULL-Programm beteiligt sind ebenso Kingston, Klevv, Lexar, Team Group, V-Color und ADATA XPG. Erste zertifizierte Kits kamen ab Juni 2026 in den Handel.
Die Trident Z5 Royal NeoX ist damit keine Premiere, sondern eine weitere Ausbaustufe. Neu ist vor allem die Kombination aus ULL-Zertifizierung und der aufwendigen Royal-Optik mit verspiegelter Oberfläche.
Für wen sich das lohnt
Die Rechnung ist ungewöhnlich klar. Wer einen Ryzen ohne 3D V-Cache betreibt, bekommt für einen Profilwechsel im BIOS einen Leistungsgewinn, den man sonst nur mit stundenlangem manuellem Feintuning erreicht. Das ist ein gutes Angebot.
Wer eine X3D-CPU besitzt, kann sich die Sache sparen. Zwei Prozent liegen im Bereich der Messtoleranz und rechtfertigen keinen Neukauf, schon gar nicht bei den derzeitigen Speicherpreisen.
Und wer ohnehin neue Riegel braucht, sollte auf die ULL-Kennzeichnung achten. Die Technik kostet konstruktionsbedingt nichts extra, auch wenn der Markt das gerade anders regelt.

