Adidas wird Official Kit Partner und Global Partner des ersten Esports Nations Cup. Der Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach entwirft und produziert damit die Wettkampftrikots und Trainingsanzüge für sämtliche Nationalmannschaften, die ab dem 2. November 2026 in Riad antreten. Nach Angaben der Veranstalter geht es um mehr als 100 Länder und Territorien sowie rund 2.000 Spielerinnen, Spieler und Coaches. Nach reiner Kopfzahl ist das die umfangreichste Ausrüsterpartnerschaft, die der Esport bislang gesehen hat.
Die gemeinsame Mitteilung wurde am 30. Juli veröffentlicht. Die einzelnen Nationaltrikots sollen in den kommenden Wochen nach und nach vorgestellt werden. Jedes Design soll die Identität des jeweiligen Landes aufgreifen, sich dabei aber in ein einheitliches visuelles System des Turniers einfügen — das gleiche Prinzip, nach dem Adidas seit Jahrzehnten Nationalmannschaften im traditionellen Sport ausstattet.
Was der Deal kostet, ist nicht bekannt
An dieser Stelle ist eine Klarstellung nötig, weil derzeit mehrere Berichte kursieren, die zwei Dinge vermischen. Die finanziellen Konditionen der Adidas-Partnerschaft wurden nicht offengelegt. Die häufig genannten 45 Millionen US-Dollar beziehen sich nicht auf den Ausrüstervertrag, sondern auf das Gesamtbudget des Turniers, das die Esports World Cup Foundation bereits Ende Januar 2026 angekündigt hatte.
Diese 45 Millionen verteilen sich auf drei Töpfe. 20 Millionen Dollar gehen als Preisgeld direkt an Spieler und Coaches über alle 16 Titel hinweg, nach einem Modell mit gleicher Auszahlung pro Platzierung: Ein erster Platz bringt 50.000 Dollar pro Person, unabhängig davon, ob es sich um einen Solo-Titel oder ein Teamspiel handelt. Platz zwei bringt 30.000 Dollar, Platz drei 15.000 Dollar, jeweils pro Kopf und inklusive der Trainer. Weitere 20 Millionen fließen in den ENC Development Fund, der die offiziellen National Team Partner bei Logistik, Reisen, Betrieb und Marketing unterstützt. Die verbleibenden fünf Millionen sind als Club-Incentive ausgeschrieben.
Dieser dritte Topf ist der interessanteste, weil er ein strukturelles Problem adressiert. Clubs, die ihre Vertragsspieler für das Nationalteam freistellen, erhalten einen Bonus in Höhe von 40 Prozent des Preisgeldes, das ihre Spieler erwirtschaften. Wer also drei Spieler stellt, die jeweils einen ersten Platz holen, bekommt auf die 150.000 Dollar Preisgeld noch einmal 60.000 Dollar obendrauf. Genau an dieser Freistellungsfrage sind Länderturniere im Esport bisher regelmäßig gescheitert.
Der Aufbau hinter dem Turnier
Der Esports Nations Cup läuft vom 2. bis zum 29. November 2026 in Riad und ist als wiederkehrendes Format im Zweijahresrhythmus angelegt. Gespielt wird in 16 Titeln, darunter Counter-Strike 2, League of Legends, Dota 2, Valorant, Rainbow Six Siege, Rocket League, EA Sports FC, Street Fighter 6, Honor of Kings, Mobile Legends, beide PUBG-Varianten, Apex Legends, Fatal Fury, Trackmania und Schach.
Was in der Berichterstattung oft untergeht: Die Organisatoren haben im Vorfeld mehr als 700 Nationaltrainer in über 100 Ländern und Territorien verpflichtet, rekrutiert aus über 90 Esport-Organisationen. Dazu kommen National Team Manager und offizielle National Team Partner. Diese Struktur ist ausdrücklich darauf ausgelegt, über den November 2026 hinaus zu bestehen, statt für ein einzelnes Turnier zusammengewürfelt zu werden.
Adidas ist kein Neuling im Esport
Die Darstellung, Adidas betrete mit diesem Deal erstmals das Feld, stimmt so nicht. Die Marke hat bereits mit Team Vitality, G2 Esports und 100 Thieves zusammengearbeitet und Merchandise-Kollektionen mit Esport-Organisationen aufgelegt. Neu ist die Dimension: Statt einer einzelnen Organisation stattet Adidas hier ein komplettes Turnierfeld aus und übernimmt dabei die Rolle des Nationalausrüsters.
Phillip Waller, SVP Brand Development bei Adidas, verweist entsprechend auf die Erfahrung des Unternehmens mit Großveranstaltungen im traditionellen Sport und die Bedeutung eines Trikots für Zugehörigkeit und Identität. Mohammed Al Nimer, Chief Commercial Officer der Esports Foundation, argumentiert in dieselbe Richtung und betont, Nationaltrikots trügen den Stolz und die Ambition eines ganzen Landes.
Was dabei nicht unerwähnt bleiben sollte
Der Esports Nations Cup wird von derselben saudischen Struktur getragen wie der Esports World Cup, mit dem Public Investment Fund im Hintergrund. Organisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch werfen dem Land regelmäßig vor, über Sport- und Entertainment-Investitionen von der eigenen Menschenrechtslage abzulenken. Diese Kritik gehört zur Einordnung eines Turniers dieser Größenordnung dazu, unabhängig davon, wie man den sportlichen Wert des Formats bewertet.
Warum ein Trikotdeal in diesem Fall mehr aussagt als eine Sponsoringzahl
Für den Esport ist die Nachricht trotzdem bemerkenswert, und zwar weniger wegen des Geldes, das ohnehin nicht beziffert ist, sondern wegen des Signals. Ein Ausrüster, der seit Jahrzehnten Fußball-Nationalmannschaften einkleidet, akzeptiert hier ein Länderformat als etwas, das in dieselbe Kategorie gehört. Das ist eine andere Aussage als ein Trikotsponsoring bei einer einzelnen Organisation.
Ob das Format trägt, wird sich erst zeigen. Nationale Identifikation funktioniert im Esport bisher punktuell, etwa bei Weltmeisterschaften einzelner Titel, während die Fanbindung überwiegend an Clubs und einzelnen Spielern hängt. Der ENC versucht, das mit Geld, Infrastruktur und jetzt auch mit sichtbaren Nationalfarben zu drehen. Der erste echte Test läuft ab dem 2. November.

