The Legend of Zelda: Ocarina of Time gehört zu den wichtigsten Spielen der Videospielgeschichte. Mit der Rückkehr des Klassikers bietet sich jetzt die perfekte Gelegenheit, vorher noch einmal durch die Geschichte der Zelda-Reihe zu reisen. Denn viele Ideen, die Ocarina of Time 1998 geprägt haben, wurden in späteren Spielen weiterentwickelt, verändert oder komplett neu interpretiert. Wir haben sieben Zelda-Abenteuer herausgesucht, die sich vor dem kommenden Remake besonders lohnen.
Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, Ocarina of Time vom Thron zu stoßen.
Ein fast drei Jahrzehnte altes Spiel mit modernen Open-World-Titeln zu vergleichen und daraus eine Rangliste zu bauen, wäre ohnehin wenig sinnvoll.
Viel interessanter ist die Frage: Welche Zelda-Spiele zeigen heute besonders gut, warum die Reihe seit Jahrzehnten funktioniert?
Mal ist es die Freiheit beim Erkunden, mal das Rätseldesign, mal der Umgang mit Zeit und manchmal schlicht dieses besondere Gefühl, nicht zu wissen, was hinter dem nächsten Hügel wartet.
Genau diese sieben Spiele liefern davon besonders viel.
1. The Legend of Zelda: Majora’s Mask
Wer vor dem neuen Ocarina of Time nur ein älteres Zelda spielen möchte, sollte sich Majora’s Mask zumindest ansehen.
Das liegt nicht nur daran, dass der Nintendo-64-Titel unmittelbar auf Ocarina of Time folgt.
Majora’s Mask nimmt viele bekannte Grundlagen und verwandelt daraus etwas vollkommen Eigenständiges.
Link landet diesmal in Termina und bekommt nur drei Tage Zeit, bevor der Mond auf die Welt stürzt.
Natürlich endet das Spiel nicht nach wenigen Stunden.
Link kann die Zeit zurücksetzen und denselben Zeitraum immer wieder erleben.
Doch genau dieses System verändert die komplette Spielwelt.
NPCs besitzen Tagesabläufe.
Figuren befinden sich abhängig von Uhrzeit und Tag an anderen Orten.
Bestimmte Ereignisse finden nur zu ganz bestimmten Zeiten statt.
Dadurch entwickelt Majora’s Mask eine für Zelda ungewöhnlich lebendige Welt.
Wer Clock Town am Morgen des ersten Tages besucht, erlebt dort etwas anderes als wenige Stunden vor dem Weltuntergang.
Masken verändern auch die Erkundung
Hinzu kommen die berühmten Verwandlungsmasken.
Als Deku kann Link gleiten und besondere Pflanzen verwenden.
Als Gorone rast er mit hoher Geschwindigkeit über die Landschaft.
Als Zora verändert sich wiederum die komplette Fortbewegung unter Wasser.
Damit erhält der Spieler nicht einfach nur neue Gegenstände.
Er bekommt völlig unterschiedliche Arten, sich durch die Welt zu bewegen.
Wer nach Ocarina of Time noch mehr vom klassischen Nintendo-64-Zelda möchte, findet hier einen hervorragenden Begleiter – allerdings mit deutlich düstererer Atmosphäre.
2. The Legend of Zelda: The Wind Waker
The Wind Waker hätte optisch kaum weiter von Ocarina of Time entfernt sein können.
Als Nintendo den Cel-Shading-Stil des GameCube-Abenteuers erstmals zeigte, war die Reaktion zunächst bekanntlich gespalten.
Heute gehört genau diese Gestaltung zu den größten Stärken des Spiels.
Noch wichtiger ist aber die Art der Erkundung.
Statt durch ein klassisches Hyrule zu reiten, fährt Link mit einem Boot über ein gewaltiges Meer.
Und dieses Meer funktioniert hervorragend als Abenteuerfläche.
Am Horizont taucht eine Insel auf.
Daneben befindet sich vielleicht eine feindliche Plattform.
Irgendwo liegt ein Schatz unter Wasser.
Und plötzlich fährt man seit zwanzig Minuten in eine völlig andere Richtung, obwohl eigentlich eine Hauptquest anstand.
Genau darin liegt die Stärke von Wind Waker.
Einfach losfahren und schauen, was passiert
Die Spielwelt ist in ein Raster mit insgesamt 49 Bereichen aufgeteilt.
In jedem befindet sich mindestens eine Insel.
Dazu kommen Schiffe, Plattformen, Schätze, Geheimnisse und kleinere Begegnungen.
Natürlich wirken moderne Open Worlds heute erheblich größer.
The Wind Waker erzeugt trotzdem noch immer ein hervorragendes Gefühl von Entdeckung.
Man sieht etwas am Horizont – und fährt einfach hin.
Diese einfache Idee ist einer der Gründe, warum das Spiel auch Jahrzehnte später noch so gut funktioniert.
3. The Legend of Zelda: Oracle of Ages
Oracle of Ages ist der vielleicht ungewöhnlichste Kandidat auf dieser Liste.
Das 2001 für den Game Boy Color veröffentlichte Zelda sieht natürlich völlig anders aus als Ocarina of Time.
Trotzdem besitzen beide Spiele eine zentrale Gemeinsamkeit:
Zeitreisen.
In Ocarina of Time wechselt Link zwischen seiner Kindheit und seinem Leben als Erwachsener.
Oracle of Ages macht aus Vergangenheit und Gegenwart dagegen einen wesentlich stärkeren Bestandteil der eigentlichen Erkundung.
Anfangs funktioniert der Wechsel nur über bestimmte Portale.
Später bekommt Link mehr Möglichkeiten, zwischen den beiden Zeitebenen zu wechseln.
Und genau daraus entstehen interessante Rätsel.
Was Link in der Vergangenheit verändert, kann Jahrzehnte später Auswirkungen haben.
Ein Ereignis in einer Epoche öffnet dadurch womöglich einen Weg in der anderen.
Ein Zelda für Spieler, die Rätsel mögen
Wer Zelda vor allem wegen seiner Rätsel liebt, sollte Oracle of Ages nicht unterschätzen.
Die Technik ist natürlich weit von modernen Serienteilen entfernt.
Das grundlegende Spieldesign funktioniert aber hervorragend.
Gerade vor der Rückkehr von Ocarina of Time lohnt sich ein Blick darauf, wie unterschiedlich Nintendo dieselbe Grundidee innerhalb weniger Jahre einsetzen konnte.
4. The Legend of Zelda: A Link Between Worlds
A Link Between Worlds besitzt einen besonderen Platz in der Geschichte der Serie.
Denn das 3DS-Spiel zeigt bereits viele Jahre vor Breath of the Wild, dass Nintendo anfing, die traditionelle Zelda-Struktur aufzubrechen.
Klassische Zelda-Spiele funktionieren häufig nach einem bekannten Prinzip:
Dungeon betreten.
Neuen Gegenstand finden.
Mit diesem Gegenstand neue Wege öffnen.
Nächster Dungeon.
A Link Between Worlds lockert dieses System deutlich.
Viele wichtige Gegenstände bekommt Link über Ravios Laden.
Dadurch entscheidet der Spieler stärker selbst, welche Werkzeuge er verwenden möchte und welchen Weg er als Nächstes einschlägt.
Link wird Teil der Wand
Hinzu kommt eine der kreativsten Fähigkeiten der gesamten Reihe.
Link kann sich in ein zweidimensionales Gemälde verwandeln und an Wänden entlangbewegen.
Was vorher eine Grenze war, wird plötzlich zum Weg.
Schmale Vorsprünge werden erreichbar.
Risse verbinden unterschiedliche Welten miteinander.
Bereits bekannte Gebiete müssen dadurch völlig neu betrachtet werden.
A Link Between Worlds ist deshalb eine interessante Brücke zwischen dem klassischen Zelda-Aufbau und der deutlich freieren Philosophie der modernen Spiele.
5. The Legend of Zelda: Echoes of Wisdom
Echoes of Wisdom geht noch einen Schritt weiter.
Diesmal steht Zelda selbst im Mittelpunkt und bekommt ein Werkzeug, das die traditionelle Logik der Reihe gehörig durcheinanderbringt.
Mit den sogenannten Echos kann sie Objekte und Gegner kopieren und anschließend an anderer Stelle wieder erscheinen lassen.
Das führt zu Lösungen, die manchmal fast improvisiert wirken.
Ein Abgrund?
Vielleicht stapeln wir einfach Betten übereinander.
Ein hoher Vorsprung?
Wasserblöcke könnten helfen.
Ein schwer erreichbarer Bereich?
Vielleicht besitzt irgendein Monster genau die Fähigkeit, die wir brauchen.
Das Spiel fragt weniger häufig:
„Hast du den vorgesehenen Gegenstand?“
Stattdessen lautet die Frage:
„Wie willst du dieses Problem lösen?“
Experimentieren statt vorgegebener Lösung
Zusätzliche Fähigkeiten erweitern dieses Prinzip noch weiter.
Spieler können zahlreiche Hindernisse auf unterschiedliche Art überwinden.
Natürlich besitzt auch Echoes of Wisdom Grenzen und eine klare Progression.
Trotzdem vermittelt das Spiel eine Freiheit, die klassische Zelda-Titel nur selten geboten haben.
Wer sehen möchte, wie weit sich Nintendos Rätselphilosophie seit Ocarina of Time entwickelt hat, bekommt hier ein besonders interessantes Beispiel.
6. The Legend of Zelda: Breath of the Wild
Natürlich darf Breath of the Wild auf dieser Liste nicht fehlen.
Kaum ein anderes Spiel hat Zelda derart grundlegend verändert.
2017 verabschiedete sich Nintendo von vielen Regeln, die die Reihe über Jahrzehnte geprägt hatten.
Plötzlich bestand Hyrule nicht mehr hauptsächlich aus Wegen und Gebieten, die durch bestimmte Gegenstände geöffnet wurden.
Stattdessen konnte Link fast überall hin.
Ein Berg war nicht länger zwangsläufig eine Grenze.
Er war etwas, das man hochklettern konnte.
Vorausgesetzt, die Ausdauer reichte.
Der Horizont wird zum eigentlichen Questgeber
Breath of the Wild besitzt einen ganz einfachen, aber unglaublich wirkungsvollen Ansatz.
Man steht auf einem hohen Punkt.
In der Ferne sieht man etwas Interessantes.
Man setzt eine Markierung.
Und dann versucht man irgendwie dorthin zu kommen.
Vielleicht wartet dort ein Schrein.
Vielleicht eine besondere Waffe.
Vielleicht ein Korok.
Und manchmal wartet dort überhaupt nichts Spektakuläres.
Trotzdem funktioniert der Weg.
Genau das unterscheidet gute offene Welten von großen Karten voller Symbole.
Breath of the Wild schafft es, dass das Erkunden selbst zur Belohnung wird.
Wer Ocarina of Time kennt, erkennt darin sogar einen interessanten historischen Bogen.
1998 vermittelte Hyrule Field erstmals das Gefühl einer großen dreidimensionalen Zelda-Welt.
Knapp zwei Jahrzehnte später machte Breath of the Wild aus dieser Idee tatsächlich ein vollständig frei erkundbares Königreich.
7. The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom
Und dann gibt es Tears of the Kingdom.
Nintendo nahm die bereits extrem offene Welt von Breath of the Wild und stellte eine eigentlich absurde Frage:
Was wäre, wenn wir noch mehr Freiheit erlauben?
Die Antwort sind Himmelsinseln, eine riesige Unterwelt und Fähigkeiten, mit denen Spieler ihre eigenen Lösungen bauen können.
Hyrule wird dadurch nicht nur breiter.
Es wächst nach oben und unten.
Plötzlich schaut man nicht mehr nur zum Horizont.
Man schaut in den Himmel.
Oder in einen gewaltigen Abgrund.
Ultrahand verändert die Zelda-Formel erneut
Besonders prägend ist die Ultrahand-Fähigkeit.
Damit können Gegenstände miteinander verbunden werden.
Aus Brettern und Ventilatoren entsteht ein Boot.
Aus Rädern, Plattformen und Steuerungselementen ein Fahrzeug.
Mit etwas Kreativität entstehen Flugmaschinen, Kampfroboter und Konstruktionen, die Nintendo vermutlich niemals vorgesehen hatte.
Dazu kommen Ascend und Recall.
Eine Decke kann zum Ausgang werden.
Ein heruntergefallener Felsen kann plötzlich als Aufzug zurück in den Himmel dienen.
Das Resultat ist ein Zelda, das den Spieler deutlich weniger fragt, welchen Weg Nintendo vorgesehen hat.
Stattdessen darf er seinen eigenen bauen.
Was diese sieben Spiele mit Ocarina of Time verbindet
So unterschiedlich die Spiele aussehen, besitzen sie denselben Kern.
Zelda funktioniert dann besonders gut, wenn die Welt Neugier erzeugt.
Ocarina of Time tat das 1998 auf dem Nintendo 64 auf eine Art, die damals fast revolutionär wirkte.
Hyrule war plötzlich dreidimensional.
Man konnte über die Ebene reiten, Seen erkunden, Berge besteigen und Städte besuchen.
Heute wirken viele dieser Gebiete naturgemäß kleiner.
Die Grundidee dahinter ist aber bis heute dieselbe geblieben.
Jeder der sieben Titel auf dieser Liste hat einen Teil davon weiterentwickelt:
| Spiel | Besondere Stärke |
|---|---|
| Oracle of Ages | Zeitreisen und Rätsel |
| Majora’s Mask | lebendige Welt und Zeitabläufe |
| The Wind Waker | Entdeckungsgefühl |
| A Link Between Worlds | freie Reihenfolge und neue Wege |
| Echoes of Wisdom | kreative Problemlösungen |
| Breath of the Wild | freie Erkundung |
| Tears of the Kingdom | vertikale Welt und eigene Konstruktionen |
Ocarina of Time muss deshalb gar nicht „besser“ sein
Und genau deshalb wäre die Frage, welches dieser Spiele nun besser oder schlechter als Ocarina of Time ist, eigentlich die langweiligste mögliche Diskussion.
Ocarina of Time entstand unter völlig anderen technischen Voraussetzungen.
Seine Bedeutung liegt nicht darin, dass seine Welt heute größer als Hyrule in Tears of the Kingdom wäre.
Natürlich ist sie das nicht.
Entscheidend ist, wie viele Ideen des Spiels anschließend zum Fundament der Serie wurden.
3D-Kämpfe mit Zielerfassung.
Eine große zusammenhängende Welt.
Reiten.
Unterschiedliche Völker und Regionen.
Musik als Spielmechanik.
Zeitreisen.
Dungeons mit räumlichen Rätseln.
Fast jedes spätere Zelda trägt etwas davon weiter.
Die perfekte Vorbereitung auf die Rückkehr nach Hyrule
Wer sich auf das kommende Ocarina of Time einstimmen möchte, muss deshalb nicht zwingend das Original noch einmal komplett durchspielen.
Ein Ausflug in einen anderen Teil der Serie kann sogar interessanter sein.
Majora’s Mask zeigt, was Nintendo unmittelbar danach aus der Formel machte.
Wind Waker verwandelt die Reise in eine große Seefahrt.
A Link Between Worlds beginnt damit, die klassische Reihenfolge aufzubrechen.
Breath of the Wild macht daraus völlige Freiheit.
Und Tears of the Kingdom lässt Spieler am Ende sogar ihre eigenen Wege durch Hyrule konstruieren.
Gerade deshalb dürfte die Rückkehr von Ocarina of Time so spannend werden.
Nicht weil das Spiel jedes moderne Zelda übertreffen muss.
Sondern weil wir heute sehen können, wo viele der Ideen ihren Ursprung hatten, die Nintendo fast drei Jahrzehnte später noch immer weiterentwickelt.

