fragster: Hallo d-moll, Du begleitest die n!faculty TM2-League als Admin. Wie bist Du auf die Idee gekommen, diese veranstalten zu wollen?
(faculty.de)
Markus 'd-moll' Razniewski: Grundsätzlich erst mal so viel. Die 2,5 Jahren ESL waren erfahrungsreiche Jahre, die viel Spaß gemacht haben. Trotzdem habe ich diese Art des Jobs, Lobbyist für TM innerhalb einer starren, ja bürokratisierten Struktur, je mehr das Ganze auswächst, lange genug erlebt. Eigentlich dachte ich, zu TM2 zurückzukehren, aber das Image der ESL hat derart gelitten in der kurzen Zeit ... So begann ich eben in meinem Kopf aus den vergangenen Erfahrungen mein eigenes Ligenkonstrukt zu entwickeln. Wie wäre das "perfekte" TM-Turnier aus meinen Erfahrungen und der Sicht der Trackmania-Beteiligten? Und nicht anders herum, was wollen die Sponsoren und danach wird nach deren Pfeife irgendetwas zusammengepuzzelt.
So entstand das Konzept der TM2L und dann ging es daran, einen Partner zu finden, der vor allem auch eines braucht: Erfahrung in TM. Kein Sponsor, der sich kein bisschen auskennt, würde in ein Spiel investieren, von dem noch keine Struktur und Zahlen zu erkennen sind. Und so kam es dann, wie auch in eurem Artikel angedeutet, dass ich mit dem lange Zeit besten TM-Clan der Welt nun auf anderer Spur erstklassigen eSport liefern werde. Ich war sehr erstaunt, wie faculty ohne Änderungen oder Nachfragen direkt zusagte. Ich habe mich sehr gefreut, dass es bei n!faculty klappte, denn ich kannte ja schon ein paar leute von Gamescom n!faculty Challenges oder eSport-Schulmeisterschaftsveranstaltungen und wusste, wenn die einmal dahinterstehen, wird das was.
Nun macht die n!faculty League einiges anders als die ESL. Welche Unterschiede würdest Du positiv herausheben?
d-moll: Öhm, ich denke nicht, dass man irgendwelche derartigen Vergleiche bemühen sollte. Die ESL lebt von der Basisaktivität, also "normalen" Fun-Teilnehmern der Ligen und wenn man dann ein Jahr seine Teilnehmer-/ Zuschauerzahlen top gehalten hat oder ein Publisher bezahlt, dann wird die Sektion mit Profisport belohnt. Das System hat simple Regeln weil alles andere unwirtschaftlich oder unsicher wäre, bei dem, was die ESL solche Ligen kosten. Das Traurige ist aber eben anders herum, dass TMNF und TM2 schwer in dieses Konstrukt einbaubar sind, bzw. man dann immer Spielräume bis zur Grenze ausloten muss. Also kurz und knapp: Ein Vergleich ist Schwachsinn, weil es ganz unterschiedliche Voraussetzungen gibt.
Aber jetzt zur Frage, auf welche Regeln bzw. Teile des Konzeptes ich Wert gelegt habe:
- Offline-Finale: TM hat schon immer eine top-freundliche Community, war aber auf Offline-Veranstaltungen nur international präsent. Zu einem großen Spiel gehören vermarktbare Spielernamen und die entwickeln sich nur über Offline-Veranstaltungen. Oder gibt's einen typischen Frostbeule-Spielstil, der ohne Personifizierung für ihn steht? Einfach immer gewinnen. Mit dem Punkt geht einher, dass es einen gewissen Turnierpreisrahmen braucht, damit Teams eine Anreise unterstützen oder man zumindest als Erster oder Zweiter ihre eigenen Kosten decken können.
- 3on3: Vor langer Zeit habe ich auch mal einen Artikel dazu geschrieben. Für 1on1 wurde TM nicht geschaffen, 5on5 ist zu groß (vor allem für DE) und unübersichtlich.
- Guter Zeitrahmen: Wir alle wissen, TM ist ein Spiel, dass immer ein gewisses Grundtraining benötigt. Um das durchzuhalten, darf der Zeitrahmen nicht gesprengt werden. Wer sich an die 15-Wochen-EPS erinnert, wird wissen, was ich meine. Es kann noch so spannend sein, es ist niemandem zuzumuten, bei Preisgeld für die Top Drei 15 Wochen zu trainieren. (huhu v4l1)
- Jeder Platz zählt: Es darf auch nicht jedes einzelne Match ET-/WM like der sofortige Todesstoß sein, sondern eine Mischung, die den Besten alle Chancen gibt, aber trotzdem Spannung und Zeitraum zusammenhält. Ansonsten sind wir wieder bei dem Problem, dass einmal ne Klausur und drei Tage keine Zeit über den Besseren entscheidet.
- Requalifikation: Ganz nach dem Vorbild der WC3L war die Regel des erlaubten Wiederaufstiegs absolut wichtig. Schauen wir mal auf alle EPS-Saisons, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand, der absteigt, noch auftritt, wenn er sowieso die nächste Saison nicht dabei ist? Die volle Qualifikation von vorne, dann muss sich der Absteiger doch auch wieder komplett durchsetzen und hat sein Recht, in der Liga zu sein.
- So simpel wie möglich: Eine der großen unlösbaren Schwarz- und Weißfragen des eSports. Alle Turnierveranstalter haben schon mal drüber nachgedacht, ob ein Turniersystem zu schwer zu erklären ist. Und wer von euch schon mal vor einer Kamera stand und dem Moderator erklären sollte, was allein so etwas einfaches wie Double-Elimination ist, der weiß was ich meine. Dort braucht es denke ich einfach ein gesundes Gleichgewicht, bei der Größe des Turniers aber nicht wirklich relevant.
