Der eSport ist eine noch vergleichsweise junge Form der Unterhaltung. Erst seit rund einem Jahrzent verbindet man mit dem Begriff das Spielen von Computerspielen im Wettbewerb. Dass sich hier die Struktur und Organisation dauernd ändert, ist klar. Auch etablierte Sportarten wie der Fußball brauchten Jahrzehnte, um sich in ihren festen und stabilen Strukturen zu etablieren.
Dennoch lief der eSport in den letzten Jahren immer in den gleichen Bahnen ab. Veranstalter X organisiert mithilfe von Sponsoren Event oder Turnier Y und die Spieler treffen sich on- oder offline, um ihr Können zu messen. Das Ganze wird von einschlägigen Medien wie fragster begleitet und oft auf einem eigenen Videostream übertragen. Bei Events von entsprechender Bedeutung schauen auch Vertreter der etablierten Medien vorbei, um am Rande darüber zu berichten. Doch im letzten Jahr kam wieder mehr Bewegung in den eSport.
eSport in bewegten Bildern, überall und für jedermann
(esl.eu)
Die neuen Videostreamplattformen wie Ustream, Justin TV und Own3d machen es jemden möglich, den eSport in bewegten Bildern zu übertragen. Dies führte zu einer mittlerweile kaum mehr zu überblickenden Zahl an Videostreams. Vor allem in Starcraft 2 tut man sich schwer, Zeiten zu finden, in denen nicht gerade irgendein Turnier übertragen wird. Wenn dies dann doch einmal der Fall sein sollte, kann man hochkarätigen Spielern beim Trainieren über die Schulter blicken, da viele ProGamer mittlerweile entdeckt haben, dass sich durch die vorgeschaltete Werbung noch etwas dazu verdienen lässt. Bekannte Spieler wie IdrA und Grubby erhalten dabei Zuschauerzahlen, von denen manche Turniere nur träumen können.
Durch Werbeeinblendungen auf den Videostreams, die teilweise an die Streamer weitergereicht werden, erschließt sich dem eSport auch eine weitere Einnahmequelle. Es scheint, als könnten einige Caster von diesen Einnahmen bereits einen Teil ihres Lebensunterhalts bestreiten. Mit Take, HomerJ und Day9 gibt es in Starcraft 2 mittlerweile mindestens drei Vollzeit-Caster, die zumindest einen größeren Anteil ihres Einkommens mit dem Kommentieren verdienen – und das, ohne irgendwo fest angestellt zu sein.
Die Bereitschaft, für Inhalte zu bezahlen, steigt
Paid Content, also bezahlte Inhalte im Internet, ist im Moment ein wichtiges Thema in der gesamten Medien-Branche und damit auch im eSport. Gab es anfangs im Internet quasi alles umsonst, versuchen nun größere und kleinere Anbieter zusehends, ihre Besucher dazu zu bringen für Inhalte zu bezahlen. Teilweise mangelt es noch am Erfolg, was auch am Mangel an gutem Inhalt liegen kann, doch so langsam merkt man, dass dieses Modell eine Zukunft hat. Im eSport gibt es schon seit Längerem entsprechende Bezahl-Mitgliedschaften auf Clan- und eSport-Seiten. Richtig durchgesetzt haben sich dabei aber vermutlich nur die ESL mit ihrem Premium-Modell und Insider von SK-Gaming.
Recht neu ist aber der Trend, dass auch für Videostreams und VoDs von Events gelöhnt werden muss. Vorreiter war hier ESL-TV, wo, scheinbar mit wechselndem Erfolg, Videos in höherer Qualität und im Abo angeboten werden. Einen Schritt weiter geht GomTV, da man hier die VoDs quasi nur noch gegen Geld zu Gesicht bekommt. War das Modell anfangs noch viel belacht und von vielen Nutzern gemieden, hat hier allmählich ein Umdenken eingesetzt. Mittlerweile sind scheinbar viele Nutzer bereit, für guten Content auch einen angemessenen Preis zu bezahlen. Das heißt nicht, dass man sofort zur Kreditkarte greift, um jedes 0815-Turnier verfolgen zu können, aber für ein Event wie den Homestory Cup 3 gibt man dann doch gerne einmal fünf Euro aus. Ein Grund hierfür könnte auch sein, dass die erste Generation der Gamer mittlerweile erwachsen ist, aber dem eSport immer noch verbunden ist. Wenn man erst einmal voll verdient, schmerzen kleinere Beträge dann doch nicht mehr so sehr.
Community-Turniere und deren Geldgeber
Aus der Community heraus organisierte Turniere sind so alt wie der eSport selbst. Man stellt ein paar Regeln auf, verkündet das Turnier im Forum und los geht's. Neu sind hier nur die Hilfsmittel, derer sich die Organisatoren bedienen können. So gibt es mehrere Seiten, die es ermöglichen, entsprechende Turnierbäume und Gruppen recht einfach abzubilden und zu aktualisieren. Diesen Trend hat auch die ESL erkannt und experimentiert mit den Quick Tourneys (schnellen Turnieren) an einer Öffnung ihrer Plattform für fremde Turnierorganisatoren. Es ist nun also vergleichsweise leicht, ein Turnier zu organisieren und dank der schon erwähnten Streamingplattformen ist es auch nicht allzu kompliziert, seine Turniere einem größeren Publikum näher zu bringen.
Vielleicht erklärt sich dadurch auch ein neuer Trend, der vor allem in Starcraft 2 zu beobachten ist. Viele der kleineren Turniere bieten mittlerweile auch kleine Preisgelder. Zwar sind vielleicht 15 Dollar Preisgeld nicht besonders viel, aber es fällt doch auf, dass immer mehr solche Turniere mit Preisen werben. Durchaus möglich, dass die Werbeeinnahmen von den Videostreamplattformen hier direkt wieder als Preisgelder zurück in die Turniere fließen. Manchmal fasziniert der eSport aber auch Firmengründer, die sich mittlerweile auch verstärkt darum ringen, um ein Turnier mit Preisgeldern auszustatten. Klassisches Beispiel ist hier die TeamLiquid StarLeague, welche von einem Pokeranbieter gesponsert wurde, der von ehemaligen Starcraft: Brood War-Spielern mitgegründet wurde. Man kann auch vermuten, dass es bei der NASL ähnlich lief – leider ist hier der eigentliche Geldgeber nicht bekannt.
Der eSport ist im Umbruch. Turniere und Events werden immer mehr aus der Community heraus organisiert und auf neuen Übertragungswegen den Zuschauern näher gebracht. Paid Content scheint sich langsam zu etablieren und neue Werbeformen bringen wieder etwas mehr Geld in den eSport. Dies alles ist zwar keine Revolution, aber eine langsame und fortwährende Evolution. Unser aller eSport hat sich im letzten Jahr ordentlich weiterentwickelt und ist nun wieder auf Wachstumskurs. Mal sehen wie sich der eSports in den nächsten Jahren entwickelt. Es stehen uns auf alle Fälle spannende Zeiten bevor!


