Benutzerfreundlichkeit war das große Motto, mit dem das Battle.net 2.0 in Form von Starcraft 2 im Jahr 2010 an die Öffentlichkeit gelangte. Schon einige Zeit vorher wurden in World of Warcraft mit der Einführung der sogenannten "Real ID"erste Ausläufer vorgestellt: Endlich beschränkte sich die Kommunikation innerhalb des Spiels nicht mehr nur auf die eigene Fraktion und den eigenen Server, sondern über die ganze Region. Alles, was dafür nötig ist, ist die E-Mail Adresse eines Freundes und dessen Bestätigung auf die Freundschaftsanfrage. Seit dem Release von Starcraft 2 ist auch die Kommunikation zwischen Aiur und Azeroth möglich. Zusätzlich kann man noch bequem seinen Account mit facebook verknüpfen und so herausfinden, wer noch unter Orcs, Terranern und Co. unterwegs ist.
Früher war tatsächlich so manches besser
Und damit hört es dann auch eigentlich schon auf. Auch gute anderthalb Jahre nach dem Release von Starcraft 2 zeigt sich im Battle.net 2.0 eher Stagnation als Innovation. Noch immer fehlen viele Funktionen des Vorläufermodells, wie zum Beispiel Clans und Turniere. Die Umsetzung von Chatchallenges gelang eher dürftig; wenn man sich einloggt, hat man nach wie vor das Gefühl einer gewissen Leere. Noch fehlt das Flair der ersten Version.
Aber das Battle.net 2.0 zeigt auch seine gute Seiten: Spiele beitreten und verwalten, all das geht jetzt mit nur wenigen Mausklicks. Die Hauptinteraktion hat sich auf die Freundesliste verlagert, Befehle wie das gute, alte "/f m" gehören der Vergangenheit an. Neu sind diese Funktionen jedoch nicht, denn bei Steam sind sie schon lange ein gängiger Standard.
Vergleicht man Steam und das Battle.net 2.0 direkt miteinander, erscheint die Blizzard-Plattform wie eine abgespeckte Version der Valve-Software. Während in Steam die Gruppenfunktionen in einem gewissen Rahmen wie die eines Clans in Warcraft 3 wirken, fehlt diese Funktion bei Starcraft 2 nach wie vor. Der Hauptunterschied ist wohl, dass Steam in erster Linie eine Desktop App darstellt, während das Battle.net 2.0 die in das Spiel integrierte Kommunikationsplattform darstellt. Dabei wäre eine Desktop Software in Form von Steam wünschenswert, denn so könnte man seine Blizzard Spiele und Freunde noch effektiver verwalten. Passieren wird das jedoch in nächster Zeit nicht, denn dafür ist die Spielevielfalt von Blizzard zu gering. Zudem müsste man sämtliche Spiele der Battle.net 1.0-Generation anpassen, was sich auch wirtschaftlich gesehen wohl nicht rentieren würde.
Nicht alles, was glänzt, ist auch Gold
Auch bei den anderen Themenbereichen hat das Battle.net 2.0 gegenüber Steam das Nachsehen. In punkto Awareness zeigt sich Steam intelligenter: Per Nachrichtenfenster auf dem Desktop wird der User darüber informiert, wenn einer seiner Freunde gerade ein Spiel betritt und kann je nach Spiel mit einem Mausklick direkt dabei sein, zum Beispiel bei Counter-Strike. Im Battle.net 2.0 erhält man lediglich die schon bekannten Benachrichtigungen, wenn ein Freund online kommt oder offline geht. Zumindest in Starcraft 2 wurde mit einigen praktischen Funktionen nachgerüstet: Gruppeneinladungen oder Chats von Nicht-Freunden können automatisch geblockt werden und auf Wunsch stellt das Spiel sogar den Status automatisch auf 'Beschäftigt', sobald man einem Spiel beitritt. Bei Steam enthält man dafür einen integrierten Browser. So konnte man zu Anfangszeiten der Dota 2-Beta, in der beim Heraustabben die Gefahr des Spielabsturzes sehr hoch war, während der Spielsuche bequem über den in Steam integrierten Browser im Internet surfen.
Im Bereich der mobilen Endgeräte zog Steam vor kurzem ebenfalls an Blizzard vorbei: Vergangenen Monat veröffentlichte Valve eine offizielle Steam App für Android- und iOS-Mobilgeräte. Zwar gab es zuvor schon eine Handvoll selbstgebastelter Apps, welche in ihren Funktionsweisen aber immer eingeschränkt waren, da Valve nicht alle Schnittstellen freigegeben hat, darunter auch der Chat. Nun kann man bereits auf dem Weg nach Hause mit dem Handy überprüfen, wer gerade online ist und sich gegebenfalls für eine abendliche Dota 2- oder Counter-Strike-Partie ankündigen. Für Blizzard-Fans gibt es immerhin die World of Warcraft Remote App, mit der man für drei Euro pro Monat seine Auktionen verwalten und mit seinen Gildenmitgliedern kommunizieren kann. Eine App mit einer spielübergreifenden Chatfunktion vermisst man aber bis heute schmerzlich.
Fazit: Es gibt noch viel zu tun im Hause Blizzard
Unter Betrachtung der Tatsache, dass Steam bereits im September 2003 veröffentlicht wurde, zeigt es sich in seinen Funktionen deutlich umfangreicher als das Battle.net 2.0. Dieses kann lediglich in der Kategorie Sicherheit mit dem Authenticator im USB- und Handyformat deutliche Pluspunkte gegenüber Steam sammeln. Eine schlechte Umsetzung ist das Battle.net 2.0 zwar nicht, jedoch zeigt sich durch den Vergleich, dass es noch an einigen Stellen Nachhol- und Verbesserungsbedarf besteht. Für beide Bereiche wäre eine Speicherfunktion der Chatlogs in einer Cloud wünschenswert. Bis dahin behält Steam die Nase vorn im Rennen.








