fragster: Carmac, wie überzeugt bist Du im Großen und Ganzen von der Organisation der IEM Kiew?
Michal 'Carmac' Blicharz: Wir hatten am ersten Tag ein paar Startschwierigkeiten mit einem der drei Spiele, doch wir haben es geschafft, daraus ein fast nicht mehr existentes Problem zu machen. Alles, was wir laufen hatten, lief pünktlich – abgesehen von Starcraft, aber das war, weil wir mehrfach sichergehen wollten, dass sich die Spieler wohlfühlen und mit den Gegebenheiten zufrieden waren. Es bestand eine geringe Chance, dass irgendetwas passiert – für diesen Fall wollten wir uns nach allen Seiten absichern. Falls es also nach dem ersten Tag in Starcraft 2 noch irgendwelche Verzögerungen gegeben hat, dann war der einzige Grund dafür der, dass wir besonders vorsichtig waren. Ansonsten muss ich aber sagen, dass das hier eines unserer bisher besten Events war, was das Veranstalten des Turniers an sich anbelangt.
Wie Du bereits erwähnt hast, habt Ihr es geschafft, die Probleme mit Starcraft 2 zu lösen. Dennoch hat es Kritik von einigen internationalen Spielern gegeben. Was denkst Du über diese Kritik, nachdem Ihr die Schwierigkeiten so erfolgreich und anstandslos beseitigt habt?
Carmac: Ich glaube, es gibt da ein polnisches Sprichwort, das sagt, dass man einen Mann nicht daran erkennt, wie er beginnt, sondern daran, wie er aufhört. Natürlich ist es bedauerlich und natürlich wollten wir nicht, dass solche Probleme auftreten, aber hin und wieder passiert sowas einfach. Wir haben es geschafft, sie zu beseitigen und ich denke, das ist es, was zählt. Es ist leicht, die Lorbeeren einzuheimsen, wenn alles wunderbar funktioniert – aber es ist wesentlich schwieriger, mit einem Problem schnell und effizient umzugehen. Ich denke, wenn wir nicht sogar vielleicht genau das geschafft haben, dann waren wir auf jeden Fall ziemlich nahe dran.
Blicken wir auf die ersten Events in der fünften und sechsten Saison zurück: Bist Du der Meinung, dass Du und die ESL Euch als Organisation im Laufe der Jahre weiterentwickelt habt?
Carmac: Ja und nein. Ich würde sagen, dass das Event hier sehr unterschiedlich von unseren bisherigen ist, aber man muss auch berücksichtigen, dass keine Intel Extreme Masters der anderen gleicht. Es gibt unterschiedliche Austragungsorte mit verschiedenen Öffnungszeiten und Abweichungen, was die Anzahl der Computer, die Anzahl der Bühnen, den zur Verfügung stehenden Platz, die Unterkünfte für die Spieler und so weiter betrifft. Einfach alles ist anders. Deshalb können wir auch nicht wirklich ein festes Setup für eine Veranstaltung benutzen und Sachen, die gut funktionieren, an anderer Stelle genau so reproduzieren. Das ist die größte Herausforderung für die Intel Extreme Masters im Gegensatz zu einigen anderen Events, wo man ein festes Setup hat und es vielleicht ein- oder viermal im Jahr auf die gleiche Art und Weise durchführt. Wir haben meistens keine Kontrolle über die Öffnungszeiten einer Location. Hier in Kiew haben wir aber eine fantastische Arena: Die Türen stehen uns die ganze Woche rund um die Uhr offen und deshalb können wir auch sehr gute Zeiten für die Zuschauer garantieren. Die Spieler haben außerdem genug PCs, um zu trainieren, von daher ist die Halle also wirklich perfekt – das spiegelt sich auch in der Qualität des Turniers, der Begeisterung und den Statistiken wider. An unseren letzten Tagen hatten wir locker über 200.000 gleichzeitige Zuschauer auf den Streams, das ist unglaublich! Um Deine Frage zu beantworten: Ja, wir entwickeln uns ständig weiter, aber manchmal hat man es ganz einfach deshalb nicht gesehen, weil es die Umstände nicht immer erlauben, unsere Flügel vollkommen auszubreiten.
Euer nächster Halt ist São Paulo. Was denkst Du über die Reise nach Südamerika?
Carmac: Ich habe keine Ahnung, was mich erwartet, um ehrlich zu sein. Ich meine, wir haben immer tolle Leute, die an einem Event teilnehmen wollen, aber zugleich weiß man eben nicht, was einen erwartet, wenn man irgendwo noch nie war. Ich bin wirklich auf die Reaktionen gespannt und hoffe, dass Starcraft richtig groß in Brasilien ist, aber das werden wir erst sehen, wenn wir da sind.
In São Paulo werden wir ausschließlich Starcraft 2 sehen. Wie kommt es, dass manche Events nur ein Spiel im Programm haben und andere, wie zum Beispiel hier in Kiew, drei Spiele zeigen?
Carmac: In Sao Paulo ist die Sache die, dass wir zusammen mit Riot beschlossen haben, keine reguläre Global Challenge zu organisieren, sondern nur ein nationales Turnier für brasilianische Teams – aufgrund der Tatsache, dass League of Legends nicht offiziell in Brasilien veröffentlicht worden ist. Das bedeutet im Wesentlichen, dass wir wegen des hohen Pings auf den nordamerikanischen Servern keine 100-prozentig großartige Intel Extreme Masters garantieren könnten.
Was Counter-Strike anbelangt, ist es oft die Location, die es uns erschwert, ein Turnier abzuhalten. Campus Party Brazil zum Beispiel wollte es aufgrund der rechtlichen Probleme, die es in Brasilien um das Spiel gibt, nicht im Programm haben, ansonsten hätten wir es veranstaltet. Ich bin mir sicher, es wäre ein Erfolg geworden. Die einzige andere Veranstaltung, bei der wir kein Counter-Strike hatten, war Köln; das war deshalb, weil wir freundlich gesinnt sind und einer anderen Organisation helfen, wann immer wir können und nicht gleichzeitig um dieselbe Kundschaft kämpfen müssen. Die eStars in Korea hat zur selben Zeit stattgefunden wie die gamescom und es war nicht so, dass wir unbedingt ein CS-Turnier veranstalten mussten. Warum also Publikum und Spieler aufspalten, wenn man ganz leicht auch ein großartiges Turnier mit League of Legends und Starcraft aufziehen kann? Im Grunde genommen geht es also meistens um Einschränkungen des Austragungsorts und manchmal schlichtweg darum, was ich für das Richtige halte.
Valve steht mit Counter-Strike: Global Offensive und DotA 2 vor dem Release zweier neuer Titel. Ziehst Du eines der Spiele, wenn nicht sogar beide, für die nächste Saison der Intel Extreme Masters in Betracht?
Carmac: Wir haben grundsätzlich sehr gute Beziehungen zu den Publishern und Valve ist in diesen Kreis eingeschlossen. Wie Du weißt, hatten wir in New York City das wahrscheinlich erste kompetitiv gespielte Match von Counter-Strike: Global Offensive zwischen Amerika und Europa. Das Spiel hat eine halbe Million Aufrufe auf YouTube und das zeigt das Potenzial, das hinter CS:GO steckt. Ob es gut genug ist, um ein ausgewachsener eSport-Titel zu werden, wird sich aber erst noch zeigen. Ich bin sehr hoffnungsvoll. Ich denke, sie werden das schaffen, aber zugleich ist es nicht ausgeschlossen, dass es nicht den Boom erlebt, den wir uns wünschen würden, auch wenn ich hoffe, dass die positive Seite überwiegt. Wir sehen uns Spiele nach einer Saison an. Nach der World Championship haben wir immer eine kleine Auszeit und schauen erst dann auf die neue Saison, wenn die derzeit laufende ihr Ende findet. Bis dahin reden wir nicht gerne darüber.
Carmac, vielen Dank für das Interview.



























































































































































































