Mit einem überraschenden Sieger endete vor wenigen Minuten der erste Cup der neuen ESL Pro Series-Saison. Das Turnier konnte dabei in vielerlei Hinsicht überzeugen. Wenngleich der Turnierbaum erst um Punkt 19:00 Uhr online war, begann der Cup pünktlich und fand vor allem nahezu ohne Unterbrechungen statt. Trotz der Abwesenheit von Dennis 'TaKe' Gehlen gelang es der ESL zudem, einen deutschen Stream mit Stefan 'dArk' Lehmann sowie einen englischen Cast für das Event anzubieten.
Durchaus sehen lassen können sich beim Pilotversuch auch die Zuschauer auf den Streams. So sahen zu den besten Zeiten über 3.000 Personen den deutschen, sogar über 6.000 den englischen Livecast. Besonders im Vergleich zu den Zahlen der regulären Spieltage der vergangenen Saison bedeutet das einen drastischen Anstieg an Zuschauern, der bei der Qualität der Produktion, vom Finale abgesehen, auch durchaus gerechtfertigt wirkt.
Besonders auf dem Stream von RotterdaM und MrBitter, die etwas aus der Spur wirkten, gab es knapp fünf Stunden Starcraft 2 am Stück und das ohne jede Unterbrechung. Dadurch, dass die Caster gleichzeitig in mehreren Spielen waren, ging es innerhalb von Sekunden von einem in das nächste Spiel.
Die erste Runde – Ein Fiasco für GoOdy
Bereits die erste Runde des neuen EPS-Turniers war für einige der bekannten Spieler mit einem Seed aus der deutschen Spitzenklasse bereits Endstation. Neben Daniel 'miou' Holthuis, der gar nicht erst antrat, scheiterten mit Thomas 'kAra' Ciolak, Thorsten 'DBS' Seifert, Daniel 'XlorD' Spenst, Christopher 'Mondragon' Semke und Sascha 'GoOdy' Lupp fünf weitere EPS-Spieler.
Die positiven Faktoren des neuen Systems machten sich schon in der ersten Stunde des Cups bemerkbar, denn die deutsche Elite scheiterte an Spielern, von denen selbst die erfahrensten Redakteure noch nichts gehört hatten. Ob Daniel 'Anbu' Iavicoli, Patric 'Tarrantius' Dann oder 'Fiasco', ihnen allen gelang es, sich für die zweite Runde zu qualifizieren und somit Punkte für die Finals zu sammeln.
Die zweite Runde – DarKFoRcE bleibt ohne Preisgeld
Auch wenn in Runde zwei die erfahrenen Spieler klarmachten, wer das Sagen hat, scheiterte mit Christoph 'RINE' Müller auch ein weiterer EPS-Spieler. Besonders überraschend gelang es dadurch Patric 'Tarrantius' Dann und 'Olajuwon', sich beim ersten EPS-Cup der neuen Saison Preisgeld zu sichern. Mit dem Österreicher Phillip 'monchi' Simon gelang es zudem einem dritten EAS-Spieler, sich für das Viertelfinale zu qualifizieren.
Die dritte Runde – Die Favoriten ohne Probleme
Die Runde mit den wenigsten Überraschungen war letztendlich wohl das Viertelfinale, in welchem sich die Favoriten Giacomo 'Socke' Thüs, Carlo 'ClouD' Gianacco und Dennis 'HasuObs' Schneider ohne Probleme gegen ihre Gegner durchsetzen konnten. Einzig der Sieg von monchi gegen den EPS-Spieler Arthur 'AkkiS' Rokkis kann als kleine Überraschung aufgefasst werden. Der Österreicher weiß allerdings international schon seit einigen Monaten zu überzeugen.
Das Halbfinale – Deutschlands Elite scheitert
Der Ausgang der beiden Halbfinals war dagegen umso überraschender. So schafften es weder Socke noch HasuObs, sich ins Finale zu spielen. Sowohl der Österreicher monchi als auch der Italiener ClouD hatten keine Probleme, die beiden deutschen Topspieler aus dem Turnier zu werfen. Besonders bei monchi hatten wohl nur die Wenigsten einen Sieg gegen HasuObs erwartet.
Das Finale – Ein unwürdiges Endspiel
Was über viele Stunden so lange gut lief, endete schon vor dem Finale. So musste man sich mit zehn Minuten Wartezeit rumschlagen, ehe RotterdaM ankündigte, dass es nun in das Finale gehen würde – das geschah dann auch, aber nur für die Moderatoren. RotterdaM und MrBitter unterhielten sich munter über das Duell zwischen ClouD und monchi, auf dem Stream sahen die Zuschauer dagegen die Partie zwischen HasuObs und Socke – ohne bewegten Mauszeiger.
Erst knapp 15 Minuten später, das Spiel zwischen HasuObs und Socke war bereits beendet, fiel der Fehler auf, sodass die Zuschauer sich zumindest noch über die letzten Minuten die ersten Map des Finales anschauen konnten. Neben den Problemen auf dem englischen Stream wusste auch das Finale an sich nicht wirklich zu überzeugen. Nach einem überlegenen Makro-Sieg im ersten Spiel, gelang es ClouD, auch das zweite Spiel zu gewinnen. monchi hatte es mit einem 4-Gate versucht, im Endeffekt aber durch unnötig aggressives Spiel doch noch verloren.
Etwas unangenehm fiel der österreichische Protoss im Übrigen noch auf, da er sich im ersten Spiel des Finales lautstark über die Terraner beschwert hat. Vor dem Finalspiel gegen ClouD hatte es monchi nur mit Zerg- und Protoss-Spielern zu tun, sein schwächstes Matchup, das PvT, wurde ihm erst im Finale zum Verhängnis.
Alles in Allem wusste der erste Cup der ESL Pro Series trotz der Probleme im Finale durchaus zu überzeugen. Der zweite Platz von monchi macht einmal mehr deutlich, dass der deutschsprachige Nachwuchs Potenzial hat. Das bewiesen nicht zuletzt auch Tarrantius und Olajuwon, die sich bis ins Viertelfinale spielten. Nach dem ersten EPS-Turnier in 2012 gilt es positiv nach vorne zu schauen, denn wenn die nächsten Cups ähnlich verlaufen, verspricht die Spring-Saison die bisher interessanteste in Starcraft 2 zu werden.


