Vom Loser zum Superstar
Vorwort: Das ist kein „ich bin so Geil-Blog“. Der Blog soll Leuten mit Tiefphasen im Leben neue Hoffnung geben, und ihnen zeigen das man selbst in den schwierigsten Zeiten niemals aufgeben soll.
Die Geschichte fängt an da war ich 20 Jahre alt. Es ist nicht mal 2 her als ich auf dem Balkon sitze, in die Nachbarschaft blicke, an einer Lucky Strike mein Vergnügen finde und über mein Leben nachdenke. Ich musste über mein Leben nachdenken da ich Schulden hatte. Keine 15 Euro, sondern genau 3481€ bei Vodafone. Weil ich kein Strom mehr hatte, da dieser bereits zum zweiten mal abgestellt war, hatte ich als einzigen Begleiter ein Teelicht neben dem Aschenbecher der sich vor Kippen überschlagen hat. Wie ich dort hin gekommen bin hat viele Gründe. Ein Grund ist mit Sicherheit das Internet.
Täglich mehrere Partien CounterStrike, WarCraft 3 oder DotA. Mein täglicher Ablauf: Schule, Zocken, Bett. Für die Dusche war keine Zeit, oder keine Lust, vorhanden. Von alleine klärt sich die Frage nach einer Freundin. Man muss sagen das es nicht immer so war.
Als kleiner Bub war ich Fußball begeistert. Ich hab seit dem 3. Lebensjahr auf den Ball eingedroschen als gäbe es kein Morgen mehr. Dies hat sich bis ich 17 wurde auch nicht verändert. Ein einfacher Bänderriss am Sprunggelenk, welcher falsch behandelt wurde wie sich später herraus stellen sollte, hat sich mir in den Weg gestellt. Ich war entsetzt.
Mein damaliger Arzt im Krankenhaus hat gesagt das ich nach 3-4 Wochen wieder normal Laufen könne. Ich bekam einen Gips, nach dem Gips eine Schiene und konnte 1,5 Jahre kein Sport mehr machen da ich jedes mal nach dem rennen Schmerzen im Fuß hatte. Meine Karriere war wie meine Motivation, mein Glauben an die Fairness und alles andere am Ende. Ich hab die Realschule geschmissen, 2 Ausbildungen abgebrochen und war wirklich kurz davor mit mir und dem Leben abzuschließen. Zudem hatte ich absolut null Freunde. Es gab niemand, wirklich niemand der mal von sich aus angerufen hat und gefragt hat wie es mir geht. Früher war ich jemand der wirklich jedes Wochenende draußen war. Fußball, Freibad, Strand. Solche Aktivitäten gab es nicht mehr für mich. Man könnte sagen ich war ein Emo der auf House und HipHop stand und blonde Haare hatte.
Ich hab alles versucht. Radiomoderation, DJ, Produktion, Design, Computer-Kurse. Nichts hat genug Geld eingebracht. Ich hab aber nie aufgehört an mich zu glauben. Es gab immer irgendwas, für das es sich lohnte wieder und wieder aufzustehen. Und waren es nur die EPS Finals welche im ESL TV moderiert wurden von Filly und Take mit herrunter gelassenen Rolladen bei gefühlten 40° C in der Sonne. Ich hatte nicht mal mehr einen Schreibtischstuhl. Ich hab mir ein Klappbett gekauft damit ich abends den Platz nicht wechseln muss um ins Bett zu kommen. So saß ich also auf der Kante von meinem ausgeklappten Bett, um am späten Abend – 7 Uhr Morgens – mich rückwärts fallen zu lassen und einzuschlafen. Das ganze ging etwa 2 Jahre so weiter, bis ich einen Arzt vom VfB Stuttgart getroffen hab.
Da ich aufgrund der Arbeitslosigkeit tagsüber nichts zu tun hatte, bin ich Mittags immer zum VfB Clubrestaurant gefahren wo meine Mutter arbeitet. Wie es sich natürlich anbietet hab ich jeden Mittag dort auf Kosten des Hauses gegessen – und zwar nicht schlecht. Irgendwann war eine Pressekonferenz. Um genau zu sein war es die Pressekonferenz einen Tag nach Babbel´s Rücktritt vom VfB. Ich habe mit Raymond Best gesprochen, Team-Arzt des VfB. Nach ein wenig plaudern über die Saison hat dieser mir eine Operation auf Kosten der Kasse angeboten. Natürlich habe ich das Angebot sofort wahr genommen. Den Termin für die OP hatte ich schon 1 Woche später. Dann lag ich dort, circa 5 Minuten vor der Narkose und dachte zurück an die Situation auf dem Balkon, an die unzähligen Nächte in denen ich pausenlos F5 gedrückt habe um auf dem neusten Stand zu sein. Es ging Los und gefühlte 10 Sekunden später war es vorbei. Ich hatte keinen Gips an und konnte ohne Probleme auf Krücken laufen. Ich wusste: das ist meine neue Chance.
Ich ließ die Operation ausheilen und beginn zu Joggen. Es fühlte sich gut an. Ich hatte zwar keine Kondition und hab die ersten 4-5 mal nach jedem Training gespuckt vor Erschöpfung, aber es hat sich gut angefühlt. Es war keine totale Erschöpfung, es war eine Erschöpfung des Glückes, des Kampfgeistes und der Moral die ich mir Schuldig war.
Ich trainierte wirklich hart. Teilweise habe ich sogar jeden Tag in der Woche das Fitness-Studio besucht nur um wirklich fit zu sein. In der Zwischenzeit hatte ich wieder Arbeit gefunden – nichts tolles, aber als Einkommen vollkommen ausreichend – eine Freundin mit der ich noch immer zusammen Lebe und neuen Lebensmut.
Ich bin zum nächstbesten Fußball-Verein gegangen und verlangte nach einem Probespiel. Kein gutes Team, Kreisliga A, mittleres Mittelfeld. Ich hab fast 2 Jahre kein Fußball mehr gespielt und hatte tierische Angst vor dem Versagen. Abgesehen davon wusste ich nicht ob ich trotz Rauchen und der Pause meine Fitness ausreicht. Sie tat es. Ich hab wirklich gut gespielt. Im ersten Pflichtspiel hab ich das Spiel durch die einzigen 2 Tore entschieden und war wirklich Glücklich. Wir haben die nächste Saison den Aufstieg geschafft. Ich hab nie an mir gezweifelt da ich wusste da ich ein gewisses Talent hatte, schließlich hatte ich bereits einige Angebote von Oberliga-Clubs bekommen. Diese hab ich aber auf Grund von Spass am Spielen abgelehnt.
Dieses Wochenende war Saison-Abschlußfeier. Wir haben zwar 2:3 verloren, dennoch haben wir den Aufstieg in die Bezirksliga geschafft. An diesem Tag, letztes Wochenende Sonntag, bekam ich gegen 18 Uhr den Anruf von einem gewissen Werner Schoupa , seines Zeichens Co-Trainer des VfB Stuttgart II.
„Ja... Hallo Herr ***, haben sie im Moment Zeit? Ich würde gerne mit Ihnen sprechen?“ „Jo, was gibts´n?“ „Ich würde gerne mit Ihnen einen Termin für ein persönliches Gespräch ausmachen.“ „Um was gehts´n?“ „Wir haben sie schon einige Zeit in Beobachtung und würden sie Gerne zu ein paar Test-Trainings zu uns einladen. Hätten sie denn Interesse?“
In dem Moment schossen mir 3 Millionen Gedanken durch den Kopf. Troll? Wohl kaum. Ich dachte an das Argument „Spiel zum Spaß“. Scheiß drauf!
„Oh... Ich hätte immer Zeit, ich richte mich da ganz nach Ihnen!“ Zeit hatte ich keine, aber zur Not würde ich auch meine Arbeit sausen lassen nur um zu diesen Training zu kommen.
„Nächste Woche, am Mittwoch um 11 Uhr.“
Es war also soweit. Vom Bordstein bis zur Skyline. Von der Hölle in den Himmel. Vom Loser zum Superstar. Ich habe eine wirklich lange Durststrecke überstanden und verdiene nun soviel Geld. Das Geld ist mir wirklich 2. rangig, es geht mir um den Erfolg. Ich habe hart gekämpft und nicht aufgegeben. Das ist die Belohnung. Früher waren die Gegner Leute die ich als Vorbild gesehen habe, morgen könnte ich gegen sie auf dem Rasen stehen. Wenn ich in die erste Mannschaft aufsteige wird ganz Deutschland mich kennen. Sie werden mir zujubeln, mich hassen wenn ich etwas Falsch mache, aber in erster Linie werden sie mir zujubeln. Ich bin gespannt wie das Gefühl sein wird wenn man von der Kabine vor 60.000 Fußball-begeisterten aufzulaufen. Vielleicht Spiele ich ja 2014 in Brasilien für Deutschland.
Es war ein Traum der wahr geworden ist. Warum dann nicht auch die WM?
*UPDATE* Haters gonna hate!
http://s7.directupload.net/images/100707/rdjy2wds.jpg
Mehr Pics vom Train und Pressefotos folgen in Kürze.
|