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Meinung: Zur Demonstration in Karlsruhe

Nerdparty? Fehlanzeige!

IFNG Stuttgart - Abgesagt. IFNG Nürnberg - Abgesagt. IFNG Kalrsruhe - Abgesagt. Das Maß ist voll, Spieler ziehen das erste Mal in Karlsruhe auf die Straße und demonstrieren für ihr Hobby und gegen die Willkür mancher Politiker und Parteien. Ein erster Schritt ist getan - auch wenn noch nicht alles perfekt lief.



Es ist der 5. Juni, 17:30 Uhr in Karlsruhe. Es hätte der Tag des letzten Intel Friday Night Games der EPS-Saison 14 werden sollen, doch Turtle Entertainment sagte das Event zehn Tage vorher ab, da man sich nach Aussagen von David Hiltscher nicht zum Spielball der Politik machen wolle. Für Norman Schlorke und Christian Möck war kurz darauf eines sicher: Gegen die Allüren der Politik muss etwas unternommen werden! So kam den Beiden der Gedanke einer Demonstration. Man wollte damit nicht nur den Politikern, sondern auch den Bewohnern von Karlsruhe zeigen, dass man die Vorwürfe nicht mehr länger hinnimmt. Nachdem die Szeneseiten die ersten Meldungen zu dieser Idee brachten, war die Community auch sichtlich überrascht von diesem Gedanken, doch die Meisten standen diesem eher pessimistisch gegenüber. Man fand den Ansatz der Demonstration zwar gut, zweifelte jedoch daran, dass überhaupt jemand erscheinen würde. Sogar als "Nerdparty" wurde die Demonstration bezeichnet.

Die Veranstalter Schlorke und Möck
Überraschender Andrang

Doch Punkt 17:30 Uhr wurden so ziemlich alle Vorurteile aus der Welt geschaffen. Der Stephansplatz in Karlsruhe war gefüllt. Es waren zwar nicht die erhofften 1.000 Menschen da, doch es war auf jeden Fall mehr als nur eine Handvoll und dem Einen oder Anderen sah man es auf den ersten Blick auch nicht an, dass er sich hier und heute für Computerspiele einsetzen wollte. Sogar Politiker in Form von Jörg Tauss (SPD) und Andreas Erlecke (CDU) waren anwesend und unterstützten die Menge, die nicht nur aus Jugendlichen unter 18 bestand.

Nach einer kurzen Verzögerung, nicht vergleichbar mit denen auf einem IFNG, wurde man dann von den Regeln einer Demonstration in Kenntnis gesetzt – für viele war es ja auch die erste Demonstration. Ich selber wusste zum Beispiel vorher nicht, dass ich weder meinen Fahrradhelm mitnehmen hätte dürfen noch dass ich meine Schilder nicht höher als drei Meter halten durfte. Nun denn, der Zug setzte sich nach einem kleinen Raffle, bei dem es T-Shirts und Flyer gab, in Bewegung und stellte bereits nach nicht einmal zwei Minuten Norman Schlorke vor ein kleines Problem. Zwar war er ausgestattet mit einem Megaphon, doch was schreit man nun, um seinem Ärger freien Lauf zu lassen? Ein kurzes Brainstorming mit seinen Gefährten brachte dann eine vorübergehende Lösung und so schallte es "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Spiele klaut!" durch die Straßen von Karlsruhe. Doch irgendwer hatte dann wohl vergessen, die Replay-Funktion auszumachen, denn je länger man lief, desto öfter ertönte selbiger Schlachtruf. Ein "Wir sind keine Amokläufer!" kam zwar auch noch, brachte jedoch keine Abwechslung in die Veranstaltung.

Einer von vielen Flyern - Artikel 5.1
Erste Station war der Karlsruher Marktplatz, an dem man mit vorbereiteten Reden die Leute informieren wollte. Nikolai 'niCz' Wolf, Team-Manager von n!faculty, sprach über seinen Arbeitgeber und das Vereinshaus. Für uns in diesem Falle nichts Neues und auch zu dem Zeitpunkt nicht wirklich interessant. Auch Schlorke ergriff das Mikrofon und erzählte der Menge, wie er zum eSport kam und was seine Mutter davon hielt. Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen, bis die eben erwähnte Dame den Anhänger bestieg und das Wort ergriff. Die gewählten Worte waren hart und stießen bei der Menge auf großen Zuspruch. Man feierte die gute Frau, welche sich an der Initiative der Jugendlichen erfreute und unterstützend sprach, man solle in der heutigen Zeit den Arsch hoch kriegen. Jedes zweite Wort aus ihrem Mund wurde begeisternd beklatscht, sogar ich erwischte mich, wie ich verschmitzt lächelnd in die Hand klatschte. Ein kurzes Nachfragen bei David Hiltscher bestätigte mir dann meinen aktuellen Eindruck: bisher eine gut organisierte Demonstration, man ist positiv überrascht. "Besser als manche Studenten-Demonstrationen", so Hiltscher.

Stark begonnen, stark abgebaut

Doch wie heißt es immer so schön? Je höher man kommt, desto tiefer fällt man. So – oder so ähnlich – verlief zumindest die Demonstration in Karlsruhe. Ein starker Beginn, doch gegen Ende baute man dann vermehrt ab. Während sich an den Schlachtrufen immer noch nichts änderte, beließ man es jedoch lieber dabei, minutenlang "Wir sind keine Amokläufer!" durch die Stadt zu schreien. Ob das nachlassende Interesse der Menge auf den Streckenverlauf zurückzuführen ist, weiß man nicht. Fakt ist jedoch, dass der Zug immer übersichtlicher wurde, je näher man dem Ziel, der Schwarzwaldhalle, kam. Dass man die Anzahl, die man noch am Marktplatz hatte, nicht überschreiten würde, war jedem Realist klar – schon der Verlauf der Strecke führte weg vom Kaiserplatz, an welchem in Karlsruhe immer etwas los ist.



 
 
 
 
 
 
T-Shirt mit klarer Aussage
 
Demo in Karlsruhe 7
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Piraten Partei zeigt Flagge
 
 
 
Zensursula
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Zur Demonstration in Karlsruhe
IFNG-Demo Karlsruhe 5.6.2009
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Am Ziel angekommen, nahm das Schicksal dann rapide seinen Lauf. Gleich zu Beginn die große Ernüchterung: Das geplante Trackmania-Showmatch muss noch etwas warten, da die Sonne noch nicht untergegangen ist und man deswegen nichts auf der Leinwand erkennen kann. Sofort ergriff Schlorke das Mikrofon, entschuldigte sich mit den Worten "Ihr seid zu sportlich – eSportlich halt!" Was nun folgte, glich aber vom Unterhaltungswert dem eines IFNG-Raffles, nur dass es nichts zu gewinnen gab. Viele verschiedene Leute ergriffen das Mikrofon, bedankten sich bei irgendwelchen Partnern und wie toll doch alles ablief und versuchten irgendwie, die Zeit zu überbrücken. Bei ein paar prägnanten Worten von Jörg Tauss wurde dann doch noch einmal kurz Aufmerksamkeit erregt, doch diese flachte sofort wieder ab, nachdem Tauss das Mikrofon aus der Hand legte. Das Trackmania-Showmatch war das i-Tüpfelchen oder der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Genau weiß man es nicht, aber auf jeden Fall läutete es das Ende der Demonstration ein.

Nicht perfekt, aber ausbaufähig

Ziehen wir also ein Fazit aus der ersten Demonstration von Spielern, die sich für ihr Hobby einsetzen: Es war in der Tat ein guter Ansatz, an welchem man auf jeden Fall festhalten sollte. Dafür, dass Karlsruhe eigentlich eine vergleichsweise kleine Stadt ist, kamen recht viele Leute – und eine Veranstaltung in dieser Form in Deutschlands eSport-Städten Köln und Hannover durchzuführen, wäre sicherlich nicht verkehrt. Was lernen wir für die Zukunft? Es müssen neue und vor allem mehr Schlachtrufe her; wenn man drei Stunden lang nur zwei verschiedene Sätze hört, hängt das einem dann doch irgendwann zum Hals raus. Des Weiteren bedarf es interessanter Themen, mit denen man die Zwischenstops gestalten kann. Man will der Öffentlichkeit doch den eSport näher bringen und ihr nicht erzählen, dass der Veranstalter bereits im Alter von 13 Jahren damit anfing, Counter-Strike zu spielen. Dennoch sollte man nicht alles zu negativ sehen, denn alles in allem war es eine gute Aktion, welche – wie der eSport – noch in den Kinderschuhen steckt.


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Konstantin 'swine' Bös
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