schoener artiekel ;)
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Fan-Kultur im eSport Zwischen Fanboys und Internet-Hooligans
Das Verhalten der Fans im eSport wurde schon oft analysiert und kritisiert. Oft kam die Frage auf, ob angesichts der zumeist niveaulosen Auseinandersetzungen zwischen den Zuschauern überhaupt so etwas wie eine Fan-Kultur exisiert. So versinkt anscheinend jegliche Diskussion in Beleidigungen und Anfeindungen aller Art, Diskussionen spielen sich oft auf einer sehr persönlichen Ebene ab. Trotzdem muss der Blick etwas differenzierter auf die Community gerichtet werden. Nicht alles ist so schlecht, wie es zu sein scheint.
Irgendwie sind sie doch alle gleich Sonntag, 10. Februar 2008: Zum nunmehr 131. Mal findet das berühmt berüchtigte Revier-Derby zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 statt. Im ausverkauften Dortmunder Westfalenstadion liefern sich beide Mannschaften eine packende Partie, welche die Königsblauen aus Gelsenkirchen letztendlich für sich entscheiden können. Solche Lokalderbys bilden zumeist den spannungsgeladenen Höhepunkt für jeden Fan. Die besondere Brisanz, die durch die Nähe der Vereine und über Jahre steigende Antipathie entstand, drückt sich daher nicht nur auf dem Platz aus: Auch die Emotionen der Fans erreichen bei diesen Aufeinandertreffen den Siedepunkt. Von demütigenden Gesängen der Gegenseite bis hin zu Sprüchen, deren Inhalt ein ums andere Mal unter die Gürtellinie geht, sind den Reallife-Flames keine Grenzen gesetzt. Was für eingefleischte Fußballanhänger das Stadion ist, ist für den geneigten eSport- respektive Counter-Strike-Fan die Kommentarfunktion unter dem entsprechenden Spitzenspiel. Insbesondere die Aufeinandertreffen zwischen den beiden Erzrivalen Alternate aTTaX und mousesports sind immer Nährboden für unerbittliche Wortgefechte abseits des eigentlichen Geschehens. Wie erst vor kurzer Zeit gesehen, als beim letzten Aufeinandertreffen der beiden Titanen wieder hunderte, darunter zu nicht kleinen Teilen beleidigende, Kommentare verfasst wurden. Das Interesse ist also da und der Unterschied zwischen frenetisch jubelnden Dortmundern und den viel gescholtenen so genannten mouz-Fanboys augenscheinlich nicht allzu groß. Fans als Motivation Jedoch bleibt bei diesen Diskussionen der eigentliche Bezug zum Spieler – beziehungsweise zum Team – oft auf der Strecke. Und das, obwohl Zuschauer und Fans einen nicht zu verachtenden Einfluss auf die Leistung der Akteure haben können. So ist der mittlerweile semiaktive deutsche Warcraft 3-Spieler Andrew 'fire' Regendantz durch seine Anhängerschaft dazu motiviert, "weiterhin gute Leistungen zu erbringen und dafür auch zu trainieren." Laut der Counter-Strike-Ikone Navid 'Kapio' Javadi helfen die Fans auch dabei, "freier aufzuspielen und sich von dem Druck zu lösen." Das sind alles Faktoren, die in engen Partien das Spiel entscheiden können. Besonders bei offline ausgetragenen Partien wird dieser Umstand deutlich. Keiner kann sich einer großen jubelnden Menge entziehen: "Die Wenigsten lässt so was kalt", konstatiert Kapio. Für Andrew Regendantz bieten Lan-Event noch "einen Tick" mehr Motivation, da er "die Reaktion der Zuschauer direkt erkennen kann." Internet-Hooligans Umso bedauernswerter ist es, wenn die schon zuvor angesprochenen Diskussionen und Flames überhand nehmen. Statt sich voll und ganz auf das eigene Team und dessen Leistung zu konzentrieren, wird die direkte Konfrontation mit den Sympathisanten der Gegnerseite gesucht. Das Geschehen auf der Map wird nebensächlich. Oft finden sich solche User nur in den Kommentaren ein, um durch ihr Verhalten jegliche sachliche Diskussion im Keim zu ersticken, allzu gerne auch durch verbale Gewalt. Personen, die solche Gewohnheiten an den Tag legen, kann man unmöglich als Fans bezeichnen. Hooligans Zu finden ist dieses Phänomen ist auch in anderen Sportarten. Solche Personen nennt man Hooligans. Und die Motive sind zumeist auch nicht allzu unähnlich: Profilierung, Demütigung der Gegner, Ablenkung von eigenen Schwächen. Leider bestimmen diese immer die Schlagzeilen, sowohl im Breitensport als auch im eSport. Eine Hand voll Prügelknaben hat mehr Sensationspotenzial als hunderte, im Fußball sogar tausende, friedlich feiernder Fans. Hooligans sind zumeist in Gruppen organisiert und finden sich oft am Rande von Sportereignissen zusammen. Sie zeichnen sich vor allem durch ihre hohe Gewaltbereitschaft aus. Ein Zusammentreffen zwischen zwei verfeindeten Gruppen kann zu brutalen Auseinandersetzungen führen. Solche Zeitgenossen sind normalerweise auch die ersten, wenn es darum geht, wirkliche Fans des eSports zu verspotten. Durch sie kam die Bezeichnung "Fanboy" erst in Mode. Betrachtet man den Begriff separat von seiner mittlerweile sehr negativen Bedeutung, verbirgt sich hinter ihm eigentlich nichts Schlechtes: So ist ein Fanboy doch nichts anderes als ein Sympathisant eines Teams, der diesem auch in schlechteren Spielen beisteht. Dass solche Fans durch Internet-Hooligans nicht gerade dazu ermuntert werden, ihre Sympathie offen zu zeigen, liegt auf der Hand. Ja, ich bin ein Fanboy Und genau das ist der Knackpunkt: Ist man als Zuschauer und als großer Clan gewillt, eine weitere Vergrößerung der Fan-Gemeinde und der Fan-Kultur im Allgemeinen anzustreben, muss das Problem der zuvor beschriebenen Internet-Hooligans eingedämmt, wenn nicht gänzlich behoben werden. Die Verwirklichung dieser Ziele muss auf mehreren verschiedenen Ebenen angestrebt werden: Zuerst sollte sich der wirkliche Fan auch dazu bekennen und versuchen, das Image des unwissenden Amateurspielers, der sich nur aufgrund der zwischenzeitlichen Überlegenheit eines Teams demselben angeschlossen hat, abzulegen. Sobald man sich mit einem Clan identifiziert, sollte man auch stolz auf die Leistungen der eigenen Mannschaft sein und dieser gleichzeitig auch in schlechteren Phasen nicht den Rücken kehren. Das Wort Fanboy sollte zum Sinnbild der Sympathie für die eigenen Idole werden. Ja, ich bin ein Fanboy! Internet-Polizei Jedoch ist es nötig, die Fanboys gegen die Internet-Hooligans zu unterstützen. So besteht für die Administratoren der großen deutschen Coverage-Seiten immer die Möglichkeit, Unruhestiftern einen Riegel vorzuschieben. Zwar sollten Sperren nur im Notfall ausgesprochen werden, doch angesichts der Schlammschlachten, die sich manche Nutzer in den Kommentaren der Szeneseiten liefern, sind Repressionsmaßnahmen seitens der Moderatoren ein geeignetes Mittel, um ein angenehmes Klima während der Spitzenspiele zu ermöglichen. Da ein Großteil der Äußerungen in keiner Weise durch das Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt ist, weil diese aus teils schwerwiegenden Beleidigungen bestehen, kann eine solche Vorgehensweise auch nicht als Zensur angesehen werden. Stattdessen wird der virtuelle Schlagstock von der Internet-Polizei verwendet, um dem Gros der Zuschauer eine Plattform für Diskussionen zu bieten, ohne sich erst durch unzählige Flames wühlen zu müssen. Im Vereinsheim mit den Stars Aber auch Clans können einen sinnvollen Beitrag leisten. Durch eine Vergrößerung des Angebots für potenzielle Fans, die den Akteuren näher sein wollen, entsteht ein Domino-Effekt, der schrittweise dazu führt, dass sich normale Zuschauer oder sogar Internet-Hooligans immer mehr zu einem bestimmten Team hingezogen fühlen. Einer der Vorreiter dieser Entwicklung ist der Clan n!faculty. Mit "derzeit über 250 angemeldeten, ausgewiesenen Mitgliedern", die laut Aussage des ersten Vorsitzenden Frank Pinter auch einen "kleinen Vereinsbetrag" beisteuern, ist die in Köln ansässige Organisation eine der größten Deutschlands. Auffällig ist dabei vor allem der Aspekt, dass n!faculty als Verein eingetragen und somit neben Team Bavarian Heaven eine der wenigen Institutionen im eSport mit dieser Rechtsform ist. n!facultys Vereinsheim Besondere Wichtigkeit hat für Frank Pinter vor allem ein Ziel, das derzeit von n!faculty verwirklicht wird: "Für uns ist das Vereinsheim ein Meilenstein." Dieses Gebäude dient dabei zweierlei Zwecken: Einerseits wird es "den Fans Gelegenheit geben [...], die 'Stars' persönlich beim Spiel zu beobachten." Dadurch könnte man dem Wunsch des Zuschauers Genüge tun und ihm direkten Kontakt zu den Spitzenspielern ermöglichen. Andererseits, und das ist weit wichtiger, erwartet man sich durch das Vereinsheim "regionale Identifikation." Ähnlich wie bei mTw in Hamburg möchte man sich auf den Ballungsraum Köln konzentrieren und dort eine Hochburg für Fans des eigenen Clans aufbauen. Getragen von Spenden der Computec Media AG und mit Unterstützung der Stadt Köln entsteht in der Rheinmetropole derzeit ein richtiges Vereinsheim für Mitglieder von n!faculty. Dieses wird gleichermaßen als Treffpunkt und als Trainingsstätte für die Profis verwendet werden. Auch das neue Eventformat der ESL, das auf den Intel Friday Night Games und den Finals verwendet wird, trägt seinen Teil zur Vertiefung der Fan-Kultur bei. Da die teilnehmenden Akteure direkt auf der Bühne spielen, haben Zuschauer die Möglichkeit, mit ihren Idolen auf Tuchfühlung zu gehen und diese aus nächster Nähe anfeuern zu können. Zweifellos sind diese Maßnahmen, die das Problem auf indirektem Wege bekämpfen, den Repressionsmaßnahmen vorzuziehen. Doch hat ein Zusammenspiel beider Vorgehensweisen, in dem das passende Verhältnis zwischen Vorbeugung und Bestrafung gefunden wird, auf lange Sicht wahrscheinlich den größten Effekt. Ganz nach dem Prinzip des Forderns und Förderns kann man so über zwei Wege zum Erfolg kommen. Wir sind Fanboys Spieler nicht nur zum Anschauen, sondern auch zum Anfassen, das ist der Wunsch eines jeden Fans. Demnach ist die Verwurzelung der Clans in Orten ein unabdingbarer Faktor zum weiteren Ausbau der Fan-Kultur. Was heute noch Fan-Busse zu Intel Friday Night Games sind, ist morgen vielleicht die geplante eSport-Arena in Köln. Und möglicherweise freuen wir uns eines Tages darüber, mit wehenden Fahnen und Spruchbannern bestückt, diese vier Worte zu sagen: Ja, wir sind Fanboys!
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