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Interview mit Baschi über die neue WC3L Baschi: Die WC3L hat an Relevanz eingebüßt
Sebastian 'Baschi' Weishaar ist eines der Urgesteine der Warcraft-Szene. Selbst noch als Spieler in Warcraft 2 aktiv, organisierte er in Warcraft 3 mehr und mehr die Turniere und Ligen. Mit der WC3L zog er sein bislang wohl erfolgreichstes Projekt hoch, das 2004 von der ESL übernommen wurde. Heute ist Baschi nicht nur einer der angesehensten Schiedsrichter und Ligaorganisatoren weltweit, sondern auch der ESL Chief Tournament Director. fragster: Wie lange habt Ihr schon daran geplant, das WC3L-System umzustellen? Sebastian 'Baschi' Weishaar: Aktiv geplant seit kurz nach Beginn der Qualifikation. Die allgemeinen Umstände haben sich dagegen wohl spätestens seit dem Sommer schon entsprechend abgezeichnet. Von wem ging die Initiative aus, das System zu verändern? Baschi: Die Idee bestand, wie gesagt, schon etwas länger. Das Ganze dann aktiv ins Rollen zu bringen, hat sich nach Gesprächen zwischen den Teams der ESL WC3L Series und der Ligaleitung zum genannten Zeitpunkt ergeben. War im Sommer denn schon abzusehen, dass die Teams das alte WC3L-System nicht mehr mittragen können bzw. wollen? Neues WC3L-System Baschi: Ja und nein: Dass WC3-Teams im Allgemeinen einfach zu teuer geworden sind, ist kein Geheimnis und wenn man das logisch zu Ende denkt, konnte das eigentlich mittelfristig nur auf dieses Ergebnis hinauslaufen. Dass es nun aber auf so breiter Front und quasi zeitgleich geschah, war sicherlich im Sommer noch nicht vorhersehbar, zumal das Thema sich ja nun auch schon etwas länger zieht.1) Spieler A1 vs. Spieler B2 2) Spieler A2 vs. Spieler B1 3) 2on2-Match 4) Spieler A1 vs. Spieler B1 5) Spieler A2 vs. Spieler B2 Sind die Clans mit der hohen Gehaltspolitik nicht selbst Verursacher der teuren WC3-Teams? Baschi: Vollkommen richtig, ja. Dass die Teams nun auf breiter Front eine Sparpolitik betreiben, kann ich vollends nachvollziehen, weil es wirtschaftlich einfach nicht vertretbar war, diese immensen Kosten weiter zu tragen. Dass es überhaupt soweit kommen konnte, kann ich dagegen weniger nachvollziehen, zumal die Entwicklung in die "Ist-Situation" eben ziemlich vorhersehbar war. Sollten die Teams aus Sicht der WC3L nicht eher an den Gehältern für einzelne Spieler sparen als an der Anzahl? Baschi: Grundsätzlich wäre das zweifellos ein sinnvoller Ansatz, aber das ist kurzfristig einfach nicht realistisch, weil die Spieler nicht über Nacht für dieselbe Leistung nur das halbe oder noch weniger Gehalt akzeptieren werden. Das ist, denke ich, menschlich auch total nachvollziehbar und würde wohl fast jedem Menschen so gehen. Es wird daher meiner Einschätzung nach einige Zeit dauern, bis die Spieler ihren "Marktwert" realistischer einschätzen können und dann müssen Sie sich die Frage stellen, ob sie bereit sind, auch für weniger Geld weiterzumachen oder ob sie ihre Pro-Gamer-Karriere nicht vielleicht an den Nagel hängen – zumindest mal bis Starcraft II erscheint – und sich anderen Dingen widmen. Manche Spieler befinden sich bereits in diesem Entscheidungsprozess. In der Szene wird häufig MeetYourMakers als Verursacher für die hohen Gehälter verantwortlich gemacht. Siehst Du das ähnlich? Baschi: Ich kenne nicht die genauen Gehälter von ihren Spielern, aber es ist sicher richtig, dass sie ein signifikantes Budget in den WC3-Bereich investiert haben und damit ein gewisses Ungleichgewicht unter den Spitzenspielern entstand, welches die anderen Teams dann dazu veranlasste, ebenfalls mehr zu investieren. Es wäre aber, denke ich, zu einfach, dies allein MeetYourMakers anzukreiden. Mehrere Teams tragen da einen gewissen Anteil. Hat die WC3L demnach keine Schuld an der Situation? Baschi: Natürlich tragen auch wir eine gewisse Verantwortung. Uns ist es in den letzten ein bis zwei Jahren leider nicht gelungen, die WC3L in dem Maße weiterzuentwickeln, wie dies wünschenswert gewesen wäre, insbesondere im Bereich der Vermarktung. Auf der anderen Seite hat sich die WC3-Szene in der gleichen Periode auch stark gewandelt. War es vor zwei Jahren noch ein absolutes Highlight, wenn Spieler wie Grubby, Moon oder Sky aufeinander trafen, sieht man diese Paarungen mittlerweile aus meiner Sicht deutlich zu oft, was eine Übersättigung bei allen Beteiligten, insbesondere den Zuschauern, mit sich bringt und es somit für einen Ligaveranstalter sehr schwer macht, echte Highlights zu kreieren. Die WC3L hatte jahrelang ein gewisses Alleinstellungsmerkmal, indem sie weltweit die einzige Liga war, die es ermöglichte, die besten Spieler der Welt im regelmäßigen Wettbewerb zu erleben. Dies hat sich, wie gesagt, durch die zahlreichen Turniere insbesondere in China geändert und deswegen muss man realistisch eingestehen, dass die WC3L etwas an Relevanz eingebüßt hat. Nichtsdestotrotz gibt es keine vergleichbare internationale Liga, die mittlerweile auf eine sechsjährige Tradition zurückblicken kann und natürlich gibt es in so einer langen Zeit auch mal gewisse Tiefen, davon lassen wir uns aber keinesfalls unterkriegen. Was wäre passiert, wenn die WC3L den Teams nicht mit der Systemumstellung entgegen gekommen wäre? Baschi: Das ist natürlich ein wenig spekulativ, aber vermutlich hätten wir dann etwa die Hälfte der aktuellen WC3L Teams verloren und damit einhergehend sicher auch etwa die Hälfte der besten 20 Spieler der Welt. Welche Auswirkungen wird das System für die Zuschauer haben? Baschi: Im Großen und Ganzen bleibt alles beim Alten, die absoluten Spitzenspieler werden öfter zu sehen sein und in der Breite somit weniger Spieler. Haben die strategischen Überlegungen der Team-Manager durch das neue System an Bedeutung verloren? Baschi: Das haben sie mit Sicherheit, wobei wir im Finetuning gerade noch etwaige Ideen diskutieren, wie man dies möglichst minimieren kann. War es Euch wichtig, das neue System vor dem Entwurf der NGL ONE bekannt zu geben? Baschi: Nein gar nicht, allerdings haben wir uns dahingehend abgestimmt, die Änderungen nicht am selben Tag zu announcen. Warum lohnte sich vor ein oder zwei Jahren noch, ein großes WC3-Team zu haben und warum heute nicht mehr? Das hat mehrere Gründe: Zum einen war ein großes WC3-Team, welches den Anspruch an sich stellt, um den WC3L Titel mitzuspielen, vor zwei Jahren noch nicht ansatzweise so teuer wie heute. Zum anderen hat sich, wie oben schon dargestellt, die WC3-Landschaft einfach mehr in Richtung 1on1 gewandelt. Hat sich Deiner Meinung nach durch die Umstellung des Systems etwas an der Bedeutung der WC3L geändert? Baschi: Das werden die nächsten Monate zeigen. Fest steht auf jeden Fall, dass sie ohne die Änderung deutlich an Wert verloren hätte. Ist durch die Umstellung nicht eigentlich eine echte zweite Liga oder eine Aufstockung der WC3L auf z. B. 16 Teams nötig? Baschi: Wir werden die kommende Saison im neuen System genaustens analysieren und dann rechtzeitig vor der nächsten Qualifikation diesbezügliche Entscheidungen fällen. Tendenziell würde ich aus heutiger Sicht einen Unterbau für wahrscheinlicher halten als eine Aufstockung der Teams, wobei natürlich auch beides denkbar wäre. Sind die Vorwürfe der Community, das neue System würde eine Art "Zwei-Mann-Show" provozieren, in Deinen Augen gerechtfertigt? Baschi: Natürlich geht der Trend in diese Richtung, das lässt sich nicht von der Hand weisen, auch wenn es schon im "alten" System möglich war, dass zwei Spieler einen Clanwar oder sogar einen Meistertitel im Alleingang gewinnen. Aber die WC3L muss auch ab und zu Kompromisse eingehen, denn unser oberstes Ziel bleibt in jedem Fall auch weiterhin, den Fans die besten Spieler der Welt zu zeigen. Das ist uns gelungen, denke ich. Werden sich durch das neue Spielsystem oder durch die generelle Entwicklung von Warcraft 3 die Preisgelder in der WC3L verändern? Baschi: Das hängt von vielen Faktoren ab, insbesondere davon, wie gut wir die WC3L bei Sponsoren im Jahr 2009 vermarkten können. Entsprechende Gespräche laufen, allerdings wäre es nicht seriös, diese Frage vor deren Abschluss zu beantworten, daher bitte ich hier noch um etwas Geduld. Wieso musste die Location so kurz vor Beginn der Finals noch einmal gewechselt werden? Baschi: Darüber gehen die Meinungen etwas auseinander. Sicher ist nur, dass in der ursprünglich geplanten Location bis auf Weiteres keine Veranstaltungen stattfinden dürfen und somit waren wir gezwungen, kurzfristig einen Ersatz zu finden. Das ist so kurz vor dem Event natürlich äußerst unglücklich für uns, aber scheinbar sollen WC3L Finals in Chengdu einfach nicht glatt laufen. Die kurzfristig aufgetriebene Ersatzlocation im International Ping Pong Center ist leider etwas dezentral gelegen, daher sind unsere Erwartungen insbesondere an lokale Zuschauerzahlen dementsprechend deutlich niedriger als im Sommer, aber wir hoffen dennoch, ein tolles Event mit vielen spannenden Matches zu erleben und da es vorerst die letzten Finals im alten System sind, wird man sich an diese Finals sicher noch lange erinnern! Haben sich die WC3L-Finals inzwischen fest in China etabliert oder ist eine Rückkehr nach Deutschland in Zukunft denkbar? Baschi: Grundsätzlich ist alles denkbar. China bietet den großen Vorteil, dass WC3 sich einer riesigen Popularität erfreut und man auf einem solchen Finals-Event locker das vier- oder fünffache an Zuschauern vor Ort erreichen kann, verglichen mit Deutschland. Reine WC3-Events sind vom Kosten-Nutzen Faktor in Deutschland relativ schwierig, aber wenn sich eine gute Gelegenheit auftut, wie man die Finals beispielsweise mit einem anderen Spiel oder Event kombinieren kann, ist Deutschland definitiv wieder eine Option. Wir werden das wie in der Vergangenheit auch von Fall zu Fall entscheiden, auf jeden Fall ist die Tür für Deutschland keinesfalls zu. Wie siehst Du die Entscheidung mit den Finals nach China zu gehen rückblickend? Baschi: Wie fast immer bringen solche Entscheidungen Vor- und Nachteile mit sich. Positiv war natürlich das immense Zuschaueraufkommen vor Ort und die Atmosphäre, wie ich sie in Deutschland so noch nicht erlebt habe. Weiterhin konnten wir die Popularität der WC3L in China durch dieses Event immens steigern, ich war beeindruckt und überrascht, wie viele Menschen in China die WC3L kannten. Die Schattenseite dieser Entscheidung war natürlich die zweifellos ausbaufähige Coverage nach Europa und insbesondere, dass die von mir in einem Interview versprochene ESL-TV Übertragung aus diversen Gründen leider nicht zustande kam. Zusammenfassend kann ich sagen, dass wir bei unserem ersten China-Abenteuer eine Menge gelernt haben und an der ein oder anderen Stelle sicherlich etwas zu blauäugig an Dinge herangegangen sind, da Events und Begleitumstände in China einfach anders funktionieren als beispielsweise in unserer gewohnten Umgebung in Europa und insbesondere in Deutschland. Trotzdem halte ich den Schritt rückblickend für richtig und wir werden probieren, die Schwachpunkte aus dem Sommer weiter zu minimieren. Wen siehst Du persönlich als Favoriten bei den Finals? Alle Teams auf den Finals sind enorm stark und quasi auf Augenhöhe. fnatic ist durch den Ausfall von Space sicher etwas geschwächt, wusste aber auch in der regulären Saison schon aus der Außenseiterrolle zu überraschen, daher würde ich sie keinesfalls abschreiben. Da wir uns in China befinden und die Jungs von WE sicher kein zweites Mal bei ihrem "Heimspiel" Letzter werden wollen und sich zudem Sky und Infi im aktuellen PGL Turnier extrem stark präsentiert haben, geht WE für mich als leichter Favorit in die Finals. Bei MYM muss man abwarten wie fit Moon sich nach seiner kleinen Pause präsentiert. Wenn er in Topform ist, traue ich MYM ebenfalls alles zu, ansonsten wird’s schwierig nach ganz vorne zu kommen. SK hat ein sehr ausgeglichenes Team mit der Speerspitze Lyn, letzterer ist seit vielen Monaten in überragender Form. Wenn die drei anderen halbwegs an sein Niveau anknüpfen können, ist auch für SK alles möglich. Es ist einfach verdammt schwer hier eine Prognose zu treffen, deswegen freue ich mich auf die Finals mit vielen spannenden Spielen und wünsche allen Teilnehmern viel Glück und Erfolg!
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