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Und nichts hat sich getan, oder? Winnenden – ein Jahr danach
Vor genau einem Jahr lief der 17-jährige Tim K. in Winnenden und Wendlingen am Neckar Amok, nahm 15 Menschen das Leben und schließlich sich auch das eigene. Nun ist ein Jahr vergangen und verschiedene Arbeitskreise haben Vorschläge abgegeben, was getan werden kann, um solche Bluttaten in Zukunft zu vermeiden. Während so genannte "Killerspiele" direkt nach der Tat hart in der Kritik standen und von dem damaligen Innenminister Dr. Wolfgang Schäuble sogar als eines der Motive benannt wurden, liest man aktuell in der Presse wenig davon. Mittlerweile ist bekannt, dass Tim K. seine Tat vorher nicht im Internet angekündigt hat und dass man den sogenannten Killerspielen nicht die Schuld daran geben kann.
Wie ist die aktuelle Lage? Verschiedene Arbeitskreise berieten sich, Vorschläge zur Verschärfung der Waffengesetze oder das Verbot von Killerspielen wurden schnell verworfen bzw. nur geringfügig umgesetzt. Momentan sieht die Lage eher danach aus, dass ein Gewalt-Präventionsprogramm an Schulen und vor allem mehr Schulsozialarbeiter gefordert werden. So sei bereits vor 20 Jahren ein Programm von dem norwegischen Psychologen Dan Olweus entwickelt worden, das Schülern wie auch Lehrern dabei helfen soll, "das Auffällige im Unauffälligen viel stärker als bisher zu beachten" und verspricht damit genau das, wonach der Ausschussvorsitzende Christoph Palm verlangt. Dafür würden aber wesentlich mehr Schulpsychologen und Schulsozialarbeiter benötigt; 100 neue Stellen werden gefordert, wovon allein 30 noch für 2010 verlangt werden. Hardy Schober, Vorsitzender der Stiftung gegen Gewalt an Schulen, fordert ein eigenes Schulfach: "Sozialkompetenz". Dieses soll versetzungsrelevant sein. Durch die Vermittlung von Werten wie Harmonie, Empathie und Glück möchte er damit Taten wie der in Winnenden vorbeugen. Andere Politiker halten immer noch an der Idee fest, man müsse die Waffengesetze verschärfen. So sagt zum Beispiel die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth: "Waffen dürfen nicht länger in Privathäusern aufbewahrt, sondern müssen zentral bei den Vereinen eingeschlossen werden." Was wurde konkret gemacht? Die Sicherheitsbestimmungen zur Aufbewahrung von Schusswaffen wurden verschärft, die Altersgrenze für großkalibrige Waffen wurde von 14 auf 18 Jahre gehoben. Diese Reaktion sei, so der Bundesvorstand der Gewerkschaft der Polizei Konrad Freiberg, zu vorschnell gewesen und auf Druck der Öffentlichkeit geschehen. Die Verschärfung sei zu praxisfremd und habe sich bisher nicht bewähren können, so Freiberg weiter. Der Vater von Tim K. muss sich im Herbst vor dem Stuttgarter Landgericht verantworten, er ließ Waffe und Munition unverschlossen im Schlafzimmer liegen. Ob er die Tat hätte vorhersehen können oder inwiefern ihn Schuld dabei trifft, wird das Gericht dann entscheiden. An den Baden-Württembergischen Schulen hat sich einiges getan. Alle Klassenzimmer sind seit dem letzten Jahr von innen abschließbar und an den meisten Schulen hat man sich auf Codewörter geeinigt, die im Falle eines Amoklaufes durch die Lautsprecher dröhnen. Hinzu kommen in vielen Schulen Amokalarmknöpfe, bei deren Betätigung direkt Rettungskräfte alarmiert werden. Vom Aussehen her unterscheiden sie sich allerdings kaum von den normalen Feueralarmknöpfen. Es gibt auch weitere Vorschläge für Verbesserungen in Schulen, doch fehlen dazu momentan noch die Mittel. Konnten diese Maßnahmen Erfolg verbuchen? Man kann nicht so einfach sagen, ob die bisherigen Maßnahmen von Erfolg gekrönt sind, da fast nichts bisher getan wurde. Man scheint aber noch weit von Erfolg entfernt zu sein: Es gibt viele Ideen, aber an Umsetzungen mangelt es weitgehend. Jedes Klassenzimmer kann man jetzt zwar von innen abschließen und es gibt Durchsagen im Falle eines Amoklaufes bzw. damit verbundene Verhaltensvorschläge für Lehrer, mehr aber auch nicht. Es werden mehr Psychologen und Sozialarbeiter an Schulen gefordert, aber die Stellen wurden bis heute nicht in dem Maße geschaffen. Minderjährigen wurde es außerdem erschwert, an Schusswaffen zu gelangen, aber reicht das? Die Amokläufe von Erfurt 2002 und Emsdetten 2006 wurden von einem 19- bzw. einem 18-Jährigen begangen, diese wären also auch nach der neuen Regelung des Waffengesetzes an Schusswaffen gekommen. Man kann Waffen immer noch daheim aufbewahren und auch wenn diese in einem Tresor verwahrt werden müssen. Trotzdem ist es sicherlich nicht schwierig, an eine Waffe zu kommen, wenn man einen Amoklauf begehen will. Es gibt zwar viele Ideen, aber zu wenig davon werden konkret umgesetzt. Auch jetzt wird mehr geredet als wirklich getan. Und Taten braucht man, um Amokläufen vorzubeugen und sich vor diesen zu schützen!
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