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Interview mit Freaks4U-COO Michael Haenisch

Micha: "Wir lernen aus unseren Fehlern"

Mit der Ankündigung der kommenden NGL ONE Finals wurde vor einigen Tagen zugleich das Ende der Liga bekanntgegeben. Im Gespräch beschreibt Michael 'Micha' Haenisch die derzeitige Situation und spricht über nicht gezahlte Preisgelder sowie etwaige Probleme bei der Vermarktung.



fragster: Hallo Micha. Vor wenigen Tagen habt Ihr die NGL ONE Finals angekündigt. Warum erst so spät?
 
Michael 'Micha' Haenisch: Freaks 4U hat eine recht schwierige Zeit hinter sich gebracht. Durch die Weltwirtschaftskrise wurden unsere Einnahmen stark beeinflusst, weshalb wir geeignete Entscheidungen treffen mussten, um nicht die Arbeitsplätze unserer Mitarbeiter und Auszubildenden sowie die Projekte unserer Kunden zu gefährden. In Verhandlungen mit der Messe Leipzig und der KoelnMesse konnten keine strategischen Partnerschaften vereinbart werden, die eine Durchführung auf der gamescom oder der Games Convention Online in 2009 erlaubt hätten.
 
Warum habt Ihr Berlin als Austragungsort gewählt und nicht eine Stadt in Asien, wie viele vielleicht vermutet hätten?
 
Das "alte" MYM auf den Finals
Micha: Es gibt genügend Events in Asien und wir fühlen uns dem europäischen Publikum verpflichtet. Auf dem Papier ausgewertet schneidet ein Event in Europa sicherlich schlechter ab als eines in Asien, jedoch ändert sich nichts daran, wenn die Veranstalter hier kein Angebot schaffen. Den Austragungsort haben wir gewählt, um zu europäischen Tageszeiten ein gutes Event zu produzieren.
 
Wieso wird das Event ohne Zuschauer vor Ort stattfinden?
 
Micha: Bei unseren Veranstaltungen erkennt man einen Fokus auf das Publikum vor Ort oder das Publikum zu Hause. Da wir die NGL ONE Finals nicht auf einer Messe vor großem Publikum veranstalten, haben wir uns dafür entschieden, eine möglichst gute Produktion ohne Zuschauer zu gestalten. Es kostet auch mehr Geld, ein für Zuschauer geeignetes Event zu veranstalten, was in Relation zu den zu erwartenden Zuschauerzahlen vor Ort in keinem für uns zu rechtfertigenden Preis-Leistungs-Verhältnis steht. Unser Fokus bei diesen letzten Finals liegt also ganz klar auf dem Online-Publikum.
 
In der Ankündigung zu den Finals hieß es, dass es das letzte NGL Event sein wird. Verabschiedet Freaks 4U sich mit der NGL von der Warcraft-Bühne?
 
Micha: Es scheint uns aktuell nicht sinnvoll, eine derartige Warcraft 3-Liga weiterzuführen und wir werden zeitgleich die Geschichte von Netzstatt (seit 1997) und der Netzstatt Gaming League (NGL seit 2004) mit diesem letzten Kapitel der NGL ONE beenden. Es ist Zeit für neue Projekte mit veränderten Konzepten, anderen Spielen und dazu passenden, neuen Markennamen. Unabhängig von dem Ende der NGL werden wir noch lange mit unserem Partner Zotac den wöchentlichen Warcraft 3 Cup veranstalten.
 
Wie wird Freaks 4U mit dem Thema Starcraft 2 umgehen?
 
Micha: Bereits seit September 2007 betreibt GameSports mit MyStarCraft.de eine eigene Szene- und Community-Seite für Starcraft 2, die wir als vielseitige Plattform für zukünftige Angebote nutzen werden. Für Zotac haben wir beispielsweise einen wöchentlichen Starcraft 2 Cup ins Leben gerufen und werden unser Bestes geben, um an den Erfolg des Zotac Warcraft 3-Cups anzuknüpfen. Wir werden darüber hinaus rund um Starcraft 2 sehr aktiv werden.
 
Wie erklärst Du Dir, dass "kleine" Projekte wie der Zotac Cup erfolgreicher zu sein scheinen als die großen, wie etwa die NGL?
 
Micha von Freaks4U (Foto: BeeemIt)
Micha: Ich finde es schwierig, den Erfolg der Zotac Cups mit dem der NGL ONE zu vergleichen. Gerade die Teilnehmer und Preisgelder sowie die Art der Durchführung sind sehr unterschiedlich. Eine Profiliga zum Zuschauen gehört zur eSports-Szene genauso wie die Möglichkeit, selber teilzunehmen. Deshalb bieten wir beide Konzepte an.
 
Bist Du, als einer der führenden Köpfe bei Freaks 4U, rückblickend stolz auf Eure Liga? Wenn ja, warum?
 
Micha: Nachdem wir bis 2006 ausschließlich Angebote für Spieler und Zuschauer in Deutschland, Österreich und der Schweiz geschaffen haben, war die NGL ONE unser erster Schritt dahingehend, sich mit einem eigenen europäischen und internationalen Angebot zu beschäftigen. Das war ein wichtiger Schritt für uns, bei dem wir über die Zeit auch Fehler gemacht haben – und viel lernen durften und mussten. Stolz bin ich auf die guten Ideen und die schönen Events, die mein Team realisiert hat sowie auf die dadurch geschaffenen Arbeits- und Ausbildungsplätze.
 
Welche Fehler habt Ihr, bezogen auf die NGL, im Laufe der Zeit gemacht?
 
Micha: Die Vermarktung der NGL ONE wurde von uns nicht gut entwickelt, deshalb fand auch die notwendige Weiterentwicklung der Liga nicht statt. Letztlich haben wir mehr Geld durch die NGL ONE ausgegeben, als wir mit dem Projekt eingenommen haben. Dies führte auch zu Problemen bei der fristgerechten Auszahlung von Preisgeldern sowie zu Veränderungen an unseren Konzepten. Neben personellen Fehlbesetzungen war das wohl der gravierendste Fehler.

Wie sieht ein tragbares Konzept für eine Liga mit dem Format einer NGL aus, das sich auch finanzieren lässt? Oder geht das mit Warcraft einfach nicht mehr?

Gewann den Zotac-Cup am häufigsten: ReMinD
Micha: Als Veranstalter muss man nicht nur die Interessen der Community und der Teilnehmer wahren, sondern gerade für die finanzierenden Sponsoren und Partner ein attraktives, werbliches Angebot schaffen. Gaming und eSport sind nicht mehr so neu und innovativ wie früher, weshalb man mehr denn je durch Zahlen und Fakten überzeugen muss, die sich mit anderen Werbekampagnen oder Sport-Sponsorings vergleichen lassen.

Das ist umso wichtiger, wenn Marketing-Budgets bedingt durch finanziell angespannte Zeiten gekürzt oder gestrichen werden. Die Frage des richtigen Konzepts ist somit auch eine Frage des zur Verfügung stehenden Budgets. Unabhängig davon muss die Positionierung der Liga zur Zielgruppe des Sponsors passen.

Kannst Du die "personellen Fehlbesetzungen" näher erklären?

Micha: Es ist kein einfacher Job, eine Liga wie die NGL ONE zu vertreten und einige freie Mitarbeiter waren damit überfordert oder dafür ungeeignet. Wir haben auch aus diesem Grund das Team in Berlin Anfang Januar 2010 durch Matthias 'Losemann' Beyer verstärkt und planen, Mitte dieses Jahres zusätzlich Thomas 'Khaldor' Kilian zu uns zu holen. Durch diese kompetente Verstärkung erhoffen wir uns, kommunikative und organisatorische Aufgaben in Zukunft besser lösen zu können.
 
War es rückblickend die richtige Entscheidung, Euch von Counter-Strike 1.6 zu trennen – und warum?
 
Losemann arbeitet mittlerweile bei Freaks4U; hier freut er sich mit Nordahl.
Micha: Ja, war es. Für etablierte Teamspiele wie Counter-Strike musste man viel höhere Preisgelder auszahlen als für Warcraft 3. Die weitere Entwicklung hat gezeigt, dass auch Warcraft-Teams und -Spieler nicht mehr nur um Prestige spielen wollen, weshalb wir auf das 1on1- Konzept umgestiegen sind.
 
Um auf deine zweite Frage zu antworten: Es wäre keine Lösung für Counter-Strike gewesen. Auch hätte ein anderes Konzept mit weniger Preisgeld nicht die organisatorischen Einschränkungen und Kosten durch den Jugendschutz auf Veranstaltungen wie der Games Convention in Deutschland beeinflusst.
 
Welche Saison ist aus Deiner Sicht die beste gewesen?
 
Micha: Da kann ich mich ehrlich nicht entscheiden. Es gab Final Events mit total überlaufenen Tribünen und einer atemberaubenden Stimmung auf der Games Convention. Es gab ein spannendes Finale im Ambiente des CineStar am Potsdamer Platz, wo sonst deutsche und europäische Filmpremieren gefeiert werden. Und wir haben Events beispielsweise im WebTower veranstaltet, bei denen man die Spieler unter sich ganz anders erlebt hat, dafür aber mit mehr als 100.000 Zuschauern aus aller Welt auf dem Videostream verzeichnet. Wichtig scheint mir, dass die NGL ONE mit ihren Finals niemals langweilig war.
 
Die NGL ONE verbinde ich persönlich insgesamt mit vielen tollen Erinnerungen und teilweise schmerzlichen, aber immerhin lehrreichen Erfahrungen.
 
Zwischen dem Ende der regulären Saison und den Finals lagen bei der NGL meist mehrere Monate. Habt Ihr Euch letzten Endes vielleicht auch tot gewartet, da Ihr einfach aus dem Fokus der Szene gefallen seid?
 
Micha: Eine andere Entscheidung als zu warten hätte ich in diesem Fall nicht verantworten wollen. Wir finanzieren uns nicht durch Investoren, sondern durch den Cashflow unseres Tagesgeschäfts. Gerade während einer Finanzkrise muss man deshalb manchmal auch unpopuläre Entscheidungen treffen.
 
Auch wenn einige die NGL ONE in der letzten Zeit nur belächelt haben, waren wir nicht unproduktiv, sondern haben unsere Zeit bestmöglich genutzt. Die letzten NGL ONE Finals werden ein guter Abschluss für die Teilnehmer, Zuschauer und Sponsoren. Einige Änderungen, die auch zukünftige Projekte erfahren werden, möchten wir hier bereits umsetzen.
 
Es gab in der Vergangenheit immer wieder Gerüchte um nicht gezahlte Preisgelder. Wurden mittlerweile alle Rechnungen beglichen?
 
Michael Haenisch auf den NGL Finals
Micha: Ja, wir haben Preisgelder teilweise sehr spät ausgezahlt. Festhalten möchte ich, dass wir Spieler und Teams nie um Preisgelder betrogen haben. Wir zahlen teilweise spät, aber wir zahlen und daran haben wir nie einen Zweifel aufkommen lassen. Deshalb blieb es bei Gerüchten und kam nicht zur offenen Eskalation des Themas.
 
Insgesamt sind noch nicht alle Preisgelder gezahlt worden, jedoch erhalten nur zwei Organisationen noch Geld von uns. Zum Vergleich werden die Preisgelder der von uns verantworteten Zotac Cups spätestens ein paar Tage nach dem Turnier überwiesen. Aus unseren Fehlern lernen wir.

Könnt Ihr Euch vorstellen in Zukunft Teamligen für andere Spiele durchzuführen?

Micha: Ja, absolut. Wir starten gerade mit CM Storm das "Storm the Front" DotA-Turnier mit 321 teilnehmenden Teams aus aller Welt, führen aktuell die Qualifikationen für KODE5 Germany durch und arbeiten auch an anderen Konzepten für Teamturniere und neue Ligen.

Vielen Dank für das Gespräch.


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Fabian 'Tex' Held
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